Zehn Jahre Amoklauf Reichenhall

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Der 16-jährige Bad Reichenhaller tötete am 1. November 1999 drei Passanten, seine Schwester und sich selbst.

Bad Reichenhall - „In der Nähe des Krankenhauses soll es eine Schießerei gegeben haben.“ Das ist die einzige Information, die Radio-Redakteur Markus Gollinger am 1. November 1999 erhält.

Gerade mal ein halbes Jahr beim Radio folgt Markus Gollinger der Anweisung seines Redaktionsleiters: „Fahr doch bitte mal nach Bad Reichenhall. Ruf mich wieder an und berichte!“

Das was er dort zu sehen bekommen sollte, sollte der heute 32-Jährige nie vergessen:

Ein 16-jähriger Bad Reichenhaller hatte sich Zugang zu dem Waffenschrank seines Vaters, eines Sportschützen, verschafft. Er verschanzte sich mit mehreren Schusswaffen im Haus seiner Eltern und schoss dann aus dem Fenster. Der Bad Reichenhaller tötete zwei Passanten, einer erlag einen Tag später seinen schweren Verletzungen. Nach den wahllosen Schüssen auf Passanten zielte der 16-jährige Täter noch auf seine Schwester (18) und drückte fünfmal ab. Danach tötete er sich selbst mit einem Schuss in den Mund.

Amoklauf Bad Reichenhall

Von all dem bekam Markus Gollinger kaum etwas mit. „Als ich vor Ort war, hatte die Polizei schon angefangen, den Bereich des Hauses großräumig mit Absperrband abzusperren. Die Stimmung war angespannt.“ Immerhin war die Schießerei zu dem Zeitpunkt schon beendet. „Am Straßenrand lagen ein, zwei Leichen, die mit Tüchern abgedeckt waren. Ansonsten wagte sich niemand in den Bereich des Hauses vor.“ Denn viele Fragen waren ungeklärt: ist der Amokschütze noch drin oder nicht? hat er noch Munition? Schießt er noch mal?

Der Schauspieler Günter Lamprecht ist von dem Amokläufer verletzt worden. Er wollte das Erlebte verfolgen.

„Erst irgendwann (es war schon dunkel) hieß es plötzlich von der Polizei: EINSATZ BEENDET - ZUGRIFF ERFOLGT - SCHÜTZE TOT GEBORGEN. Wir hatten von dem gesamten Einsatz im Haus nix mitgekriegt“, erzählt Gollinger. Zusammen mit zahlreichen Journalisten hatte er den ganzen Tag ausgehalten. Aber erst zuhause, als er die Berichterstattung im Fernsehen gesehen hatte, begriff der damals 22-Jährige die Dimension dieser furchtbaren Tat.

Fünf Personen starben, sechs Personen wurden bei der Schießerei gegenüber des Krankenhauses zum Teil schwer verletzt, darunter auch Schauspieler und "Tatort"-Kommissar Günter Lamprecht (heute 79) sowie dessen Kollegin und Lebensgefährtin Claudia Amm (heute 63). Zwei weitere Passanten erlitten schwere Schocks.

Das Motiv des 16-jährigen Amokläufers sollte nie ganz geklärt werden.

red-bgl24/cz

Bad Reichenhall: Fünfter Toter nach Amoklauf

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