Flüchtlinge aus Kosovo: Landrat erhält Contra

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Gegenwind für Landrat Grabner zur Frage kosovarischer Asylbewerber: Bernhard Zimmer von den Grünen (links), Roman Niederberger von der SPD (rechts).
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Landkreis - "Ich werde mich wehren" tönte Georg Grabner erst vergangene Woche zur Frage, ob der Landkreis kosovarische Asylbewerber aufnehmen wird. Nun bekommt der Landrat Gegenwind!

Kriegsflüchtlinge nehme man ja gerne auf im Berchtesgadener Land, aber "ich werde mich dagegen wehren, hier Kosovaren aufzunehmen" - so ließ es CSU-Landrat Georg Grabner erst vergangene Woche im Gespräch mit BGLand24.de verlauten. "Wir müssen sonst aufpassen, dass in der Bevölkerung die Stimmung nicht kippt." Für die harten Worte erntet er nun Gegenwind!

Die Grünen drehen den Spieß um

"Ohne solche harten Worte würde die Stimmung nicht kippen, wenn das Problem eh nicht groß ist", ist sich dagegen Bernhard Zimmer sicher. Der Sprecher des Grünen-Kreisverbands bedauert, dass momentan viele den "ausländerfeindlichen Touch" wieder heraushängen lassen würden. Die Frage, ob auch Asylbewerber aus Kosovo in den Landkreisen eine Unterkunft finden, ist für Zimmer in mehrerer Hinsicht viel zu oberflächlich.

"Mir ist die Diskussion momentan zu stark auf einzelne Volksgruppen konzentriert. Natürlich will niemand, dass die Sozialsysteme ausgenutzt werden, aber auch im Kosovo gibt es definitiv Menschen, die haben gar nichts! Außerdem: Auch dort gibt es Gruppen, die politisch verfolgt werden", so Zimmer im Gespräch mit BGLand24.de. Und er fügt hinzu: "So schlecht wie es dort manchen geht, da würde ich mich auch auf Wanderschaft machen." Aber auch er kann die Bedenken des Landrats verstehen, dass die Plätze für Asylbewerber denjenigen vorbehalten bleiben sollten, die sie am dringendsten brauchen.

SPD: Einwanderung nach "eigenem Interesse"

Ähnlich denken die Sozialdemokraten im Landkreis. Auch Kreisrat Roman Niederberger ist der Meinung, dass es falsch sei, nun pauschal zwischen den Volksgruppen zu differenzieren: "Bei einem Syrer braucht ihnen niemand erklären, warum er zu uns kommt. Aber die Akzeptanz ist bei Leuten niedriger, deren Länder nicht so in den Medien stehen", erklärte Niederberger am Rande des politischen Aschermittwochs in Marktschellenberg: "Auch die Kosovaren wollen hier arbeiten und gut verdienen und nicht in die soziale Hängematte."

Jedoch ist er sich in einem Punkt mit Grabner einig: "Die Asylverfahren müssen tatsächlich schneller abgearbeitet werden." Auch spricht sich Niederberger für eine "Zuwanderung nach eigenem Interesse" aus und hat dabei das kanadische System im Blick. In den Augen derer, die am liebsten überhaupt keine Kosovo-Flüchtlinge mehr aufnehmen würden, hätte sich das "Problem" damit erledigt, den Staat als "sicheres Herkunftsland" einzustufen. Grabner forderte dies vergangene Woche von der Bundesregierung. Niederberger und Zimmer halten es dagegen anders: Eine solche Forderung sei zu undifferenziert.

xe

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