Zahnärzte fordern: "Budget muss weg"

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Die Zahnärzte Florian Gierl, Peter Leiner und Harald von Knoerzer sind zuversichtlich, dass das Budget abgeschafft werden kann.

Bayerisch Gmain - Streikende Ärzte sind bald nichts besonderes mehr, doch der Fall der Zahnärzte im Berchtesgadener Land lässt aufhören. Sie wollen gemeinsam mit den Patienten Druck ausüben.

Druck auf die AOK Bayern und die Politik.

"Es ist inzwischen schon fast Normalität, das es im Herbst, wenn die Blätter fallen, bei der AOK Bayern beim Budget für die zahnärztliche Versorgung zu Zahlungsengpässen kommt. Konnte in den vergangenen Jahren mit der AOK immer eine Lösung auf dem Verhandlungsweg gefunden werden, um die Budgetüberschreitungen abzumildern, hat sich die AOK Bayern in diesem Jahr völlig verweigert", so haben es die Zahnärzte aus dem Berchtesgadener Land in einer Pressemitteilung mitgeteilt.

In einem Gespräch mit BGLand24 haben sie erklärt, dass die AOK pro Mitglied und Jahr 158 Euro Zahnarztkosten veranschlage. Das sei generell zu wenig, da ein Mitglied auch eine ganze Familie sein kann. Diese Deckelung stammt noch aus dem Jahr 1993 als von politischer Seite das Budget "vorübergehend" eingeführt wurde. Mittlerweile sei es auch in anderen Bereichen wieder aufgelöst, erklärt Florian Gierl, der Obmann der Zahnärzte im Landkreis. Nur für Zahnärzte gelte es noch. Und genau dagegen wollen die Zahnärzte jetzt vorgehen.

Mit Patientenbefragungen und eben auch Patientenberatung, wenn eine Behandlung nicht mehr ausgeführt werden kann. "Es wird kein Zahnarzt einen Patienten vor der Tür stehen lassen", betont Gierl. Aber wenn es keine notwendige medizinische Behandlung sei, könne es schon vorkommen, dass diese aufs nächste Quartal verschoben werde, gibt er zu - oder dem Patient die unterschiedlichen Leistungen der Kassen erklärt würden.

Nach Schätzungen der kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayern (KZVB) fehlen im AOK-Budget bis zu 30 Mio. Euro. Die Ursache, warum in diesem Jahr eine solch hohe Summe bei der AOK fehlt, sieht Dr. Harald v. Knoerzer, Vorsitzender des Qualitäts- und Service-Netzes der Zahnärzte im BGL unter anderem im enormen Anstieg der Mitgliederzahlen bei der AOK in diesem Jahr. So hat die AOK-Bayern von Januar bis August nach eigenen Angaben 100.000 neue Mitglieder hinzugewonnen, für die sie nur 158 Euro für die gesamte zahnärztliche Versorgung (inkl. der Versorgung aller mitversicherten Familienangehörigen) zur Verfügung stellt. Dies sind 18 % weniger als der Durchschnitt aller bayerischen Krankenkassen.

Besonders ärgerlich, so Zahnarzt Gierl, ist dies, da die AOK Bayern viele dieser neuen Versicherten hinzugewonnen habe, als Mitte dieses Jahres viele Krankenkassen einen Zusatzbeitrag eingeführt haben, auf den die AOK großzügig verzichtet hat. Ein Verzicht zulasten der Leistungserbringer, wie sich nun herausstelle.

Als unverantwortlich bewertet es dagegen die AOK Bayern, dass der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB) und Zahnärzte aus den Regionen im Rahmen der jährlich wiederkehrenden Honorar-Rituale Patientenängste schüren würden, heißt es in einer Pressemitteilung. "Die größte Krankenkasse im Freistaat hat wiederholt betont, dass sie ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber der KZVB uneingeschränkt nachgekommen ist und deshalb auch die uneingeschränkte Behandlung der Patienten erwartet. Das mit der KZVB vereinbarte und nicht einseitig von der AOK vorgegebene Budget steht der KZVB in vollem Umfang zur Verteilung an die Zahnärzte zur Verfügung. Für Nachverhandlungen sieht die AOK keinerlei Spielraum, da die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds an die Kassen nicht verhandelbar und für das ganze Jahr festgesetzt sind."

Über einen Fragebogen hätten einige Patienten allerdings schon bekundet, sie würden den Protest mittragen, freut sich Florian Gierl. Und auch von Seiten der Politik gebe es erste Reaktionen: "Die FDP in Bayern hat bereits unsere Forderungen als Antrag in den Landtag eingereicht. Auch der gesundheitspolitische Ausschuss der CSU will darüber reden und im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist die Budget-Abschaffung ebenfalls vorgesehen." Die Zahnärzte sind sich sicher, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis eine Entscheidung fallen wird, doch sie wollen nicht mehr tatenlos zuschauen, wie die Beiträge ihrer Patienten in den Krankenkassen verschwinden.

Christine Zigon

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