„Amateure am Werk?“

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Bartl Wimmer fühlt sich in seiner ablehnenden Haltung der Olympiabewerbung gegenüber bestätigt.

Bad Reichenhall - Die Grünen im Berchtesgadener Land lehnen die Olympiabewerbung Münchens zusammen mit Garmisch-Partenkirchen und Königssee für die Winterspiele 2018 weiter ab.

Nach dem Aus des geplanten Biosphärenreservates in Garmisch-Partenkirchen, eines der wichtigsten Umweltprojekte im Rahmen der Olympiabewerbung München 2018, sehen sich die Grünen im Berchtsgadener Land erneut in ihrer ablehnenden Haltung zu dieser Bewerbung bestätigt. „Der erste grüne Lack ist ab“, so Grünen-Kreistagsfraktionschef Bartl Wimmer auf der jüngsten Sitzung der Grünen-Kreistagsfraktion.

Das Scheitern dieses Projektes zeige mehrere Mängel in Sachen Olympiabewerbung. Einmal beweise sich, dass das Gerede von nachhaltigen Spielen nur ein Marketing-Gag sei. Zum zweiten zeige dieses Beispiel, dass das Bewerbungsmanagement nicht von Profis, sondern offenbar von „Amateuren“ betrieben werde. Beim geplanten Biosphärenreservat sei so ziemlich alles falsch gemacht worden, was man falsch machen könne. So sei das „Konzept“, sofern man von einem solchen sprechen wolle, offenkundig am „grünen“ Tisch entstanden und nicht mit den Betroffenen diskutiert und entwickelt worden. Davon zeuge unter anderem ein offener Brief der Bürgermeister des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. In diesem Brief monierten die Bürgermeister unter anderem, dass von Seiten der Bewerbungsgesellschaft ständig unter Ausschluß der betroffenen Gemeinden und Grundstücksbesitzer gehandelt werde. Wörtlich heißt es in diesem Brief: „Mit diesem Vorgehen und dieser Informationspolitik wird keine Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gelegt.“ Dabei hätten sich die Verantwortlichen der Olympiabewerbung am jahrelang Hick-Hack in Sachen Biosphärenreservat Berchtesgaden informieren können, „wie man es nicht macht“.

An der Kunsteisbahn am Königssee sollen beim Zuschlag für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2018 die Bob-, Rodel- und Skeleton-Bewerbe stattfinden.

Wie Wimmer weiter kritisiert, seien offenbar auch die örtlichen Verantwortlichen nicht frei von dem „Virus“, mangelhafter Informationspolitik und Abstimmung mit den Gremien. So finde sich in der begleitenden Informationsbroschüre zum sogenannten Mini Bid Book der Bewerbungsgesellschaft die Aussage, dass sich der Landkreis Berchtesgadener Land verpflichte, einen Teil der Finanzierung für die Ausrichtung der Spiele zu übernehmen. Zum einen könne er sich an keinen entsprechenden Beschluß des Kreistages erinnern. Zum anderen sei völlig offen, woher angesichts der desolaten Haushaltslage des Landkreises und der meisten Kommunen im Landkreis das Geld kommen solle.

Einerseits sei beispielsweise seit Wochen wegen baulicher Mängel die gemeinsame Turnhalle von Gymnasium und Grund- und Hauptschule in Berchtesgaden geschlossen. Andererseits sollen anscheinend Millionenbeträge in das „Abenteuer Olympia“ gesteckt werden. Diese Prioritätensetzung könne er nicht nachvollziehen. Kreisrat Edwin Hertlein ergänzte, dass Demokratie und Olympia offenbar Gegensätze wären. So werde in der oben genannten Broschüre ausdrücklich darauf verwiesen, dass die Bewerbung auf keiner politischen Ebene zwischen März 2010 und Juli 2011 „durch Wahlen beeinflußt werde“. Zur „rechtlichen Absicherung“ der Spiele werde weiter darauf verwiesen, dass eine Volksabstimmung nicht erforderlich sei. Offenbar hätten die „Olympioniken“ „Angst vor dem Volk“. Außerdem stehe in der Broschüre weiter, dass „Regierungsparteien und Opposition voll hinter der Bewerbung stünden“. Das sei angesichts der kritischen Haltung der Grünen im Landkreis und der Grünen-Landtagsfraktion eine glatte Falschmeldung.

Weiter bemängelte Hertlein, dass im Zuge der Bewerbung auch ein weiteres Versprechen gebrochen worden sei. So sei ursprünglich dargelegt worden, dass die Bewerbungskosten komplett von privaten Sponsoren übernommen würden. Davon sei längst keine Rede mehr. In der Informationsbroschüre ist nur mehr davon die Rede, dass die Bewerbungskampagne „in erster Linie aus privater Hand finanziert werde“. Dass die Bewerbungsgesellschaft hier nur „in Trippelschritten voran komme“ belege auch die jüngst erfolgte Präsentation von fünf „Kleinspendern“. Diese wollten sich mit insgesamt 30.000 Euro an den Bewerbungskosten von 30 Millionen beteiligen. Wenn in diesem Stile weiter verfahren werden soll, brauche es noch einige Hundert dieser „Freunde der Bewerbung“.

Dass in der Bewerbungsgesellschaft nicht alles „rund“laufe, belege auch der Umstand, dass einer der inzwischen drei Geschäftsführer seinen Hut habe nehmen müssen. Alles in allem zeige sich, dass die kritische Haltung der Grünen im Berchtesgadener Land gegenüber der erneuten Olympiabewerbung durchaus auf fundiertem Grund stehe.

Pressemitteilung Grüne BGL

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