Naturschützer fordern A8-Ausbau mit Augenmaß

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Bund-Naturschutz-Mitglieder aus Rosenheim, Passau, Traunstein und Berchtesgadener Land demonstrieren vor der Staatskanzlei gegen die beantragte Straßenbauorgie.

Bad Reichenhall/München - Mit einer Aktion vor der Staatskanzlei zog jetzt der Bund Naturschutz gegen den A8-Ausbau zu Felde. Die Mitglieder haben klare Vorstellungen von der künftigen Autobahn.

Die Forderung, dass es bei der Bundesverkehrswegeplanung kein "weiter so" geben dürfe, wie es die bayerische Staatsregierung offensichtlich vorhabe, brachte der Bund Naturschutz jetzt bei einer Aktion vor der Staatskanzlei zum Ausdruck. Angeprangert wurden beispielhaft die Geldverschwendung sowie massiven Natur- und Landschaftszerstörungen durch besonders gravierende Straßenbauprojekte im südbayerischen Raum. Der geplante Maximalausbau der A8 mit sechs Fahrstreifen plus Standspuren vom Inntaldreieck bis zur Bundesgrenze sowie dem Kirchholztunnel, der geplante Weiterbau der B15neu von der A92 bei Landshut bis zur A8 bei Rosenheim und die vorgeschlagenen Abschnitte der B388 östlich von Passau, inklusive einer Nordumgehung von Passau. Der Landesverband des Bund Naturschutz und die Vertreter der Kreisgruppen aus den betroffenen Regionen forderten die Streichung dieser Projekte und keine Aufnahme in den neuen Bundesverkehrswegeplan.

Mit fast 400 Straßenprojekten und einem Finanzvolumen von über 17 Milliarden Euro sei Bayern Spitzenreiter der „Wunschzettel-Produzierer“. Bei den derzeit verfügbaren Aus- und Neubaumitteln des Freistaats würde die Umsetzung dieser Vorhaben rund 160 Jahre dauern. Zudem seien vom Bundesverkehrsministerium aufgestellte Kriterien nicht beachtet worden. Weder die Finanzierbarkeit, noch der Natur- und Landschaftsschutz oder die Einbindung in ein Verkehrsgesamtkonzept wurden berücksichtigt. Fehlanzeige auch bei den vom Bundesverkehrsministerium vorgegebenen Zielen zur Verkehrsentlastung und zum Lärmschutz, fanden die Aktivisten.

Eine Verbesserung der A8 von Rosenheim bis zur Landesgrenze ist auch nach Ansicht des Bund Naturschutz grundsätzlich erforderlich, aber kein Maximalausbau mit sechs Fahrstreifen und einem neuen Autobahnteilstück, der sogenannten Nordumfahrung bei Piding. Auch hier kämpfen die Kreisgruppen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgaden zusammen mit den örtlichen Bürgerinitiativen für einen Ausbau mit Augenmaß.

„Vier Fahrstreifen, Standspuren und ein Tempolimit halten wir für ausreichend und zur Verbesserung der Sicherheit auch für dringend notwendig“, sagt Rita Poser, Vorsitzende der Kreisgruppe Berchtesgadener Land. „Für den geplanten Maximalausbau geht die Autobahndirektion Südbayern inzwischen von mehr als einer Milliarde Euro Kosten aus. Wir halten das für unfinanzierbar und fordern die bezahlbare Variante vier plus zwei und Tempolimit, um die erforderliche Verkehrssicherheit und Lärmschutz herzustellen sowie gleichzeitig den Staatszielen Klimaschutz und Eindämmung des Flächenverbrauchs gerecht zu werden.“

Schon heute sind viele Straßen und Brücken in einem maroden Zustand und warten dringend auf eine Instandsetzung. „Da bessert sich nichts, wenn immer mehr Straßen und Tunnel wie am Kirchholz geplant werden,“ sagt Peter Renoth vom Ortsvorstand Bad Reichenhall.

Rita Poser für den Bund Naturschutz

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