Auto bei Anger auf A8 aus Verkehr gezogen

Routinekontrolle entwickelt sich zu komplexem Kriminalfall

Anger - Weil er kurzfristig als Ersatzfahrer mit gefälschtem Führerschein einsprang, landete ein 32-jähriger  in der Arrestzelle. Die zuständige Staatsanwaltschaft beantragt Haftbefehl.

Kurz vor dem Grenzübertritt nach Deutschland hatte ihn der eigentliche Fahrer und Halter eines Mercedes Benz-SUV - ein 31-jähriger Rumäne - gebeten, dass Steuer zu übernehmen, da er selbst aufgrund eines aktuellen Fahrverbots nicht fahren durfte. Als der Aushilfsfahrer dann den Schleierfahndern einen gefälschten rumänischen Führerschein präsentierte, entwickelte sich die anfängliche Routinekontrolle auf der Autobahn zum einem komplexen Kriminalfall mit drei Tatverdächtigen.  

Trotz widriger Sicht- und Straßenverhältnisse war am Dienstagvormittag, gegen 9 Uhr, einer Streife der Schleierfahnder ein Mercedes SUV der M-Klasse auf Höhe der Autobahnausfahrt Anger-Nord aufgefallen. Das mit drei Personen - zwei Männern und einer jungen Frau - besetzte Fahrzeug mit deutscher Zulassung konnte dann aber erst in Neukirchen von der Autobahn gelotst werden. Dabei wurde dem Fahrer - einem angeblichen Rumänen im Alter von 33 Jahren - der vorgelegte Führerschein zum Verhängnis. Schnell erkannten die Profi-Fahnder, dass es sich hierbei um einFalschdokument handelte. 

Um den gleichzeitig ausgehändigten rumänischen Personalausweis, der weitaus schwieriger als Falsifikat zu erkennen war, genauer zu prüfen, wurde die gesamte „Reisegesellschaft“ - mit Unterstützung einer weiteren Streife - zur Dienststelle nach Urwies verbracht. Zur Vervollständigung des Gesamtbildes wurden dann nicht nur die Personen, sondern auch das mitgeführte Gepäck sowie der SUV genauestens durchsuch t. So dauerte es im konkreten Fall nicht lange und die Fahnder wurden in der Handtasche der Rumänin fündig: Versteckt in einer Box mit Hygieneartikeln kam der echte moldauische Reisepass des Fahrers zum Vorschein. Verbaut in der Rückenlehne des Fahrersitzes ertasteten die Beamten einen falschen rumänischen Führerschein - ausgestellt für den mit einem Fahrverbot belegten Fahrzeughalter. 

Nachdem jetzt alle Puzzleteile auf dem Tisch lagen, konnten sich die Kontrollbeamten einen Überblick verschaffen. Die ersten Ermittlungen - die im Großen und Ganzen durch die polizeilichen Einvernahmen bestätigt wurden - ergaben, dass sich der falsche Rumäne bereits im April 2017 mit seiner im Internet für rund 300 Euro gekauften Identität in Baden Württemberg niederließ. Als EU-Bürger kam der Moldauer in den Genuss der Freizügigkeit. In der Folge eröffnete er ein Bankkonto, meldete seinen Wohnsitz „ordnungsgemäß“ an und fand eine Anstellung als Kurierfahrer. Ob über das Girokonto bzw. mit der so erlangten EC-Karte „Betrügereien“ verübt wurden,wird derzeit noch ermittelt

Diverse Vergehen

Konfrontiert mit dem versteckten Führerschein zeigte sich auch der Fahrzeughalter geständig. Ohne Umschweife räumte er ein, dass er sich - obwohl im Besitz einer echten rumänischen Fahrerlaubnis - noch zusätzlich zwei aus der Fälscherwerkstatt besorgt hatte. Quasi zum „Absitzen“ des aktuellen Fahrverbotes hatte er einen der „Falschen“ zur Verwahrung an die zuständige Verkehrsbehörde in Baden Württemberg geschickt. Seinen echten führte er im Geldbeutel mit - den zweiten aus dem Doppelpack hatte er für sonstige Eventualitäten vorsorglich in der Rückenlehne deponiert. Dies brachte ihm vorerst eine Anzeige wegen Verschaffens von Falschdokumenten ein. Bezüglich des Überlassens seines SUV und der gelichzeitigen Beihilfe zur unerlaubten Einreise des Moldauers, sowie der Art und Weise die Führerscheinabgabe zu umgehen, bedarf es noch weiterer Ermittlungen.

Bei der Beifahrerin blieb es beim Tatvorwurf der Strafvereitelung. Um den Fahrer vor dem Entdecken zu schützen, hatte sie in einem unbeobachteten Moment den Pass des Moldauers in ihrer Handtasche verstaut. Sie durfte nach Anzeigenaufnahme die Weiterreise fortsetzen. Bis es allerdings soweit war, mussten sie und der Fahrzeughalter einige Stunden auf das Eintreffen eines Ersatzfahrers warten. 

Der überführte Moldauer übernachtete hingegen in der Zelle der Schleierfahnder. Die zuständige Staatsanwaltschaft Traunstein beantragte Haftbefeh l. Unter anderem wegen Urkundenfälschung, Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie diverser Vergehen nach dem Aufenthaltsgesetz, muss sich der Festgenommene am Mittwochvormittag vor dem Ermittlungsrichter verantworten. Neben eines längeren Aufenthalts in der Justizvollzugsanstalt droht dem Osteuropäer im Anschluss die zwangsweise Abschiebung in seine Heimat. 

Pressemeldung der Polizeiinspektion Fahndung Traunstein

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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