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Mann saß zwei Nächte in der Wand fest

Große Suchaktion am Hohen Göll: Heli sucht vermissten mit Wärmebildkamera

Mit einer nachtflugtauglichen Maschine und einer Wärmebildkamera begaben sich die Einsatzkräfte in die Luft.
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Mit einer nachtflugtauglichen Maschine und einer Wärmebildkamera begaben sich die Einsatzkräfte in die Luft.

Am Sonntag (13. Juni) wurde ein Bergsteiger von seiner Tourenpartnerin als vermisst gemeldet. Daraufhin entwickelte sich eine spektakuläre Such- und Rettungsaktion mehrerer österreichischer und deutscher Einsatzkräfte und Hubschrauber:

Update, 10.03 Uhr - Vermisster stieg in weglosem Gelände ab

Die Mitteilung der Polizei im Wortlaut:

Bereits am 12. Juni stiegen zwei tschechische Wanderer von Berchtesgaden aus auf den Hohen Göll. Am frühen Nachmittag trennten sich das Paar am Berg. Der Mann wollte aufgrund der Schneefelder wieder absteigen, währenddessen die 52-jährige Frau in Richtung Stahlhaus weiterging. Der 49-jährige Tscheche war nur mit Turnschuhen ausgerüstet und kletterte im weglosen Gelände circa 600 hm bergab, bis er circa 20 Meter vor dem Wandfuß weder vor noch zurückkam. Der Wanderer blieb in einer Felsnische sitzen.

Der hohe Göll durch die Suchkamera.

Am Nachmittag des 13. Juni erstattete die Frau eine Abgängigkeitsanzeige in Deutschland, da der 49-Jährige noch nicht im Tal angekommen war. Der deutsche Polizeihubschrauber Edelweiß 6 stieg zu einem Sichtflug auf, konnte den Vermissten jedoch nicht finden. Aufgrund der einsetzenden Dunkelheit forderten die Kräfte die FLIR Maschine der österreichischen Polizei an. Mit der Wärmebildkamera konnten die Beamten den Vermissten in einer steilen Felswand auf circa 1900 m Seehöhe lokalisieren.

Die Bergrettung Golling stieg um 23 Uhr mit neun Mann zum Vermissten auf. Die Retter konnten bis auf wenige Meter zu dem Wanderer gelangen, jedoch war eine Rettung nur mittels Seilbergung vom Hubschrauber aus möglich. Gegen 2 Uhr konnte ein Flugretter mit der Seilwinde aus dem Edelweiß 6 zu dem Vermissten abgeseilt werden und ihn aufnehmen. Der Tscheche konnte nahezu unverletzt gerettet werden.

Pressemitteilung Landespolizeidirektion Salzburg

Erstmeldung, 5.45 Uhr - Vermisster Bergsteiger zwei Nächte in Wand ausgeharrt

Die Mitteilung der Polizei im Wortlaut:

Schönau am Königssee - Ein 49-jähriger tschechischer Bergwanderer, der zusammen mit seiner Begleiterin eine Mehrtagestour geplant hatte, wurde am Sonntag (13. Juni) von seiner Begleiterin als vermisst gemeldet. Die beiden starteten mit ihrer Tour am Samstag in Schönau am Königssee und wollten nach dem Aufstieg über das Alpetal, der Brettüberschreitung dann am Stahlhaus nächtigen. Aufgrund der Menge an Schnee und der falschen Schuhwahl, verweigerte der Mann im Bereich des Großen Archenkopfes das Weitergehen auf der geplanten Tour und die beiden trennten sich. Die Frau ging zum Stahlhaus und übernachtete dort. Laut ihren Angaben wollte der Mann umkehren.

Als sie am Sonntag nichts mehr von ihm hörte und auch keinen Kontakt zu ihm bekam, meldete sie ihn gegen 17 Uhr bei der Polizei als vermisst.

Vermisstensuche mit Wärmebildkamera

Nach den ersten Maßnahmen wurde dann ein Polizeihubschrauber angefordert, um im Göllgebiet die klassischen Abstiegsrouten und bekannten Wege abzusuchen. Nach einem einstündigen Suchflug durch Edelweiß 6 zusammen mit einem Bergwachtmann und einem Polizeibergführer, musste die Suche aufgrund der Dunkelheit ergebnislos abgebrochen werden.

Hier ist die Lichtquelle des Vermissten zu sehen.

Die zwischenzeitlich verständigten österreichischen Kollegen der fliegenden Zunft begaben sich dann in der Nacht mit einer nachtflugtauglichen Maschine und einer Wärmebildkamera auf der österreichischen Seite im Bereich Golling / Bluntautal auf die Suche. Dort wurden sie gegen 23 Uhr in den Südabstürzen des Hohen Brett auf eine Person, die in der steilen Wand an einem Felsabbruch saß fündig. Diese Person machte durch Lichtzeichen auf sich aufmerksam.

Eine Bergung war für den österreichischen Hubschrauber aber nicht möglich. Eine terrestrische Bergung wäre wohl zu zeitaufwendig, falls überhaupt möglich, gewesen. Deshalb baten sie die bayerischen Kollegen der Hubschrauberstaffel um Unterstützung.

In München wurde eine Besatzung aus der Freizeit alarmiert und zusammengestellt, die sowohl die Nachtflugberechtigung hatte, als auch die Ausbildung für nächtliche Windenbergungen.

Nach einer gemeinsamen Absprache zwischen dem österreichischen Polizeihubschrauber Libelle, dem bayerischen Polizeihubschrauber Edelweiß 6 und zwei Bergrettern der Bergwacht Berchtesgaden am Parkplatz in Schönau am Königssee flogen beide Hubschrauber mit den Rettern in das Bluntautal. Dort konnte nach kurzer Lokalisierung, der vermisste tschechische Bergwanderer in einer spektakulären und schnellen Aktion gegen 2 Uhr durch den bayerischen Polzeihubschrauber Edelweiß 6 und dem Bergretter aus der Wand geborgen werden.

Nach wie vor enorme Schneemengen im Hochgebirge

Am Parkplatz in Schönau am Königssee wurde der Tscheche dem Rettungsdienst zur Kontrolle übergeben. Außer ein paar Schürfwunden war der Mann unverletzt und konnte die Nacht in seinem Auto verbringen.

Der Mann hatte zwar ein Hemd und eine Daunenjacke, allerdings nur eine kurze Hose und komplett durchnässte Turnschuhe an. Es grenzt fast an ein Wunder, das er in dieser Situation und mit dieser Ausrüstung bereits die zweite Nacht in der Wand überstanden hat. Seinen Rucksack hat er bei dem weglosen Abstieg durch die Südabstürze des Brettriedel verloren.

In diesem Zusammenhang wird noch einmal darauf hingewiesen, dass bei den letzten Einsätzen und Suchflügen festgestellt wurde, das es derzeit noch enorme Mengen an Schnee in den höheren Lagen der Gebirge hat und dies bei der Tourenplanung, als auch bei der Ausrüstungswahl mit berücksichtigt werden sollte.

Mit der angekündigten massiven Erwärmung muss auch mit vermehrten Schneerutschen aus noch Schneebedeckten Bändern rechnet werden.

Pressebericht Polizeiinspektion Berchtesgaden

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