Polizeiinspektion Bad Reichenhall:

Zahl der Straftaten um zehn Prozent gestiegen

Bad Reichenhall - Insgesamt 1.315 Straftaten wurden im Jahr 2013 im Bereich der Polizei Bad Reichenhall registriert. In welchen Bereichen die Steigerung besonders deutlich ist:

Die Polizeiinspektion Bad Reichenhall ist für den Schutz und die Sicherheit der Bürger in der Großen Kreisstadt Bad Reichenhall und den umliegenden Gemeinden Anger, Bayerisch Gmain, Piding und Schneizlreuth im mittleren Landkreis verantwortlich. In den fünf Kommunen wurden 2013 knapp 31.000 Einwohner gezählt. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) des Bayerischen Landeskriminalamtes wurden im Jahr 2013 im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Bad Reichenhall  – ohne die Zahlen der von der Polizeiinspektion Fahndung Traunstein bei der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität festgestellten Delikte und der durch die Kriminalpolizeiinspektion Traunstein bearbeiteten Straftaten – insgesamt 1.315 Straftaten registriert.

Im Vergleich zum Jahr 2012 mit 1.192 Straftaten ist die Zahl der bekannt gewordenen Delikte leicht um 10,3 Prozent angestiegen.  Aufgrund der Einwohnerzahl der Stadt Bad Reichenhall mit mehr als 17.000 Bürgern und der Mittelpunktfunktion der Großen Kreisstadt für Wohnen, Arbeit, Schule und Ausbildung sowie Freizeitgestaltung liegt der Anteil der im Stadtgebiet begangenen Straftaten am registrierten Gesamtaufkommen zwangsläufig höher als in den umliegenden und überwiegend ländlich geprägten Gemeinden.

Die Kriminalitätsbelastung in den fünf Gemeinden liegt mit gut 42 Straftaten je 1.000 Einwohner knapp ein Fünftel unter dem bayerischen Durchschnitt von zirka 50 Straftaten. Geklärt werden konnten 721 von den letztes Jahr verübten 1.315 Delikten; dies ergibt eine Aufklärungsquote von 54,8 Prozent. Die Aufklärungsquote ging im Jahresvergleich zu 2012 mit 57,2 Prozent um 2,4 Prozent zurück. Um 15,4 Prozent zurückgegangen sind mit 22 Straftaten im Jahr 2013 im Vergleich zum Jahr 2012 mit 26 Delikten die bekannt gewordenen Vergehen nach dem Betäubungsmittelgesetz. Hervorzuheben ist bei der Analyse der Rauschgiftdelikte, dass in fast allen von der Polizeiinspektion Bad Reichenhall bearbeiteten Fällen lediglich sogenannte „weiche Drogen“ wie Marihuana und Haschisch festgestellt worden sind und es sich bei den angezeigten Personen im Regelfall um die Konsumenten illegaler Rauschmittel und nicht um Dealer gehandelt hat.

Es muss in diesem Zusammenhang allerdings auch darauf hingewiesen werden, dass die Beamten der Polizeiinspektion Fahndung Traunstein im Rahmen ihrer Kontrollmaßnahmen im Grenzgebiet in Bad Reichenhall und den zum Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Bad Reichenhall gehörenden Gemeinden weitere 158 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgedeckt haben. Hierzu zählt in erster Linie grenzüberschreitender Rauschgiftschmuggel und -besitz, teils auch bei ortsansässigen Personen festgestellt. Aber auch hier ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Aufgriffe festzustellen (2012: 179 Delikte). Im Gegensatz zum Jahr 2012, in welchem ein Drogenabhängiger an seinen Suchtfolgen gestorben war, musste letztes Jahr kein Drogentoter verzeichnet werden.

Die Diebstahlsdelikte stellen wie in den Jahren zuvor mit 35,4 Prozent den Hauptanteil an der gesamten Kriminalitätsbelastung dar.  Sie sind zudem mit 465 Delikten im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr mit 411 registrierten Delikten um 13,1 Prozent angestiegen. Bei den Ladendiebstählen ist mit 44 Delikten im Vergleich zum Vorjahr mit 48 Straftaten ein deutliches Minus von 8,3 Prozent festzustellen. Hier setzt sich ein erfreulicher Trend fort (2011: 75 Delikte). Zur Bewertung dieses Deliktsfeldes ist noch anzuführen, dass 88 Prozent dieser Diebstähle aufgeklärt werden konnten und sich wegen des hohen Entdeckungsrisikos ein Ladendiebstahl für die Täter nicht lohnen dürfte. Offensichtlich schrecken auch die Aufmerksamkeit des Personals und die Überwachung der Geschäfte mit Ladendetektiven Langfinger vermehrt davon ab, Gegenstände in Diebstahlsabsicht an sich zu bringen.

Bei den die Privatsphäre und das Sicherheitsgefühl der Bürger immer besonders negativ beeinträchtigenden Einbruchsdiebstählen in Wohnhäuser und Wohnungen wurden im Jahr 2013 mit 16 Delikten leider sieben mehr als 2012 begangen. Trotz dieser negativen Entwicklung muss darauf hingewiesen werden, dass die Wohnungseinbrüche an der Gesamtkriminalität nur einen Anteil von einem Hundertstel darstellen und am Straftatenaufkommen im gesamten Diebstahlssektor von 3,4 Prozent.

Autodiebstähle wurden 2013 drei bekannt, im Jahr zuvor waren zwei Autos entwendet worden. Die Diebstähle aus bzw. an Kraftfahrzeugen gingen von 33 im Jahr 2012 auf 25 im letzten Jahr zurück. Zur weiteren Verringerung dieser Delikte kann nur immer wieder daran appelliert werden, die Präventionshinweise der Polizei ernst zu nehmen, dass Wertgegenstände, Handtaschen, Kameras etc. beim Abstellen der Autos vom Fahrer aus dem Auto entfernt werden sollen, um potenziellen Dieben keine Diebstahlsanreize zu geben.

Das Phänomen Fahrraddiebstahl stagniert mit 106 zu 107 Delikten auf dem Vorjahresstand. Trotz des Ärgernisses für jeden Fahrradinhaber, dessen Fortbewegungsmittel entwendet wurde, ist seit mehreren Jahren doch eine deutliche Entspannung auf diesem Deliktsfeld festzustellen. Im Jahr 2009 waren noch 159 Zweiräder gestohlen gemeldet worden; seither ist aber ein stetiger Rückgang zu verzeichnen. Sorge bereitet nach wie vor die Tatsache, dass mit einer Quote von 3,8 Prozent auch im letzten Jahr nur sehr wenige dieser Straftaten aufgeklärt werden konnten. Zur Vorbeugung von Diebstählen und zur Verbesserung der Aufklärungsquote sollte vom jeweiligen Fahrradeigentümer nach dem Kauf desselben eine freiwillige Fahrradregistrierung bei der Polizei erfolgen, um bei etwaigen Kontrollen oder Meldungen von aufgefundenen Fahrrädern diese anhand der gespeicherten Daten dem rechtmäßigen Eigentümer leichter zuordnen zu können.

Die Gewaltkriminalität, hierzu zählen vor allem gefährliche und schwere Körperverletzungen, daneben Raub, Vergewaltigung und Tötungsdelikte, stieg im Jahresvergleich 2012 zu 2013 leider von 29 auf 34 Delikte an. Die Aufklärungsquote bei diesem Deliktsfeld ist aber mit fast 83 Prozent sehr hoch. Dass vier von fünf Tätern überführt werden konnten, ist in erster Linie den Aussagen von Zeugen des Tatgeschehens, daneben aber auch den eingehenden polizeilichen Ermittlungen und Spurensicherungen zu verdanken. Bei den Gewaltdelikten und den anderen im öffentlichen Raum begangenen Straftaten (Straßenkriminalität) ist die Polizei zur Klärung dieser Delikte, die oft im Schutz der Dunkelheit oder an schwer einzusehenden Örtlichkeiten verübt werden, in hohem Maße auf die Mithilfe der Bevölkerung durch Hinweisgebung und Zeugenaussagen angewiesen.

Im Jahr 2013 wurden 171 Sachbeschädigungen gegen privates und öffentliches Eigentum polizeilich aufgenommen, im Jahr zuvor waren es 169 Delikte. Die Aufklärungsquote liegt bei gut 21 Prozent. Diese Zahl bedeutet zwar, dass das Entdeckungsrisiko nicht allzu hoch ist; aber jeder, der einer Sachbeschädigung überführt wird, hat neben den strafrechtlichen Konsequenzen auch mit zivilrechtlichen Schadenersatzforderungen zu rechnen. Wie auch in den Jahren zuvor ließen bei den Vandalismusdelikten oft unbekannt gebliebene Rowdys ihre Zerstörungswut vor allem an Straßenlaternen, Parkbänken, Telefonzellen, Hauswänden und geparkten Kraftfahrzeugen aus. Bei letzteren ist im Jahresvergleich mit 76 Delikten im Jahr 2013 zu 78 im Jahr 2012 ein leichter Rückgang festzustellen; die Schäden durch mutwilliges Zerkratzen des Fahrzeuglackes gehen aber oft in die Tausende von Euro.

Die bei der Polizeiinspektion Bad Reichenhall angezeigten Betrugsdelikte stiegen von 117 Straftaten im Jahr 2012 auf 163 im Berichtsjahr stark an. Dies ist in erster Linie Ausfluss der Aufklärung einer Waren- und Kreditbetrugsserie durch ein Ehepaar aus dem mittleren Landkreis. Da aufgrund der Zuständigkeit der Kriminalpolizei bei qualifizierten Betrugsdelikten, insbesondere solcher der sogenannten „Cyber-Crime“ (Betrügereien im Zusammenhang mit dem Internet) auch diese zur Erreichung einer aussagekräftigen statistischen Auswertung mit einbezogen werden müssen, liegen die Betrugsstraftaten mit insgesamt 264 im Jahr 2013 im Zuständigkeitsbereich der PI Bad Reichenhall festgestellten um einiges höher. Hier fallen insbesondere die Waren- und Kreditbetrügereien mit 71 Delikten und die Computerbetrugskriminalität mit 58 Fällen ins Gewicht. Aufgrund der polizeilichen Erkenntnisse bezüglich der Vorgehensweise der Täter bei Wechselfallenbetrügereien, Einmietbetrügereien oder sonstigen Betrugsfällen, vor allem auch zum Nachteil älterer Mitbürger, kann nur zur besonderen Vorsicht gegenüber Fremden am Telefon, an der eigenen Wohnungstüre oder auf der Straße und insbesondere bei Vertragsabschlüssen geraten werden.

Diese Vorsicht sollte auch bei Internetbankgeschäften und Internetwarengeschäften jeder walten lassen und mit der Herausgabe persönlicher Daten sowie von Bank- und Kreditkartendaten ohne eine vorherige exakte Prüfung der Vertrauenswürdigkeit der im Internet auftretenden Firma oder Privatperson sehr zurückhaltend sein. Zu den 721 im Jahr 2013 aufgeklärten Straftaten wurden 557 Tatverdächtige ermittelt (2012 zu 682 geklärten Straftaten 575 Tatverdächtige). 436 der im Jahr 2013 überführten Straftäter waren männlich und 121 weiblich (2012 waren es 448 männliche und 127 weibliche Täter).

Bei der Analyse der Zusammensetzung der Tatverdächtigen nach Altersgruppen ist festzustellen, dass Kinder, Jugendliche und Heranwachsende unter 21 Jahren mit insgesamt 111 Personen bei den 557 ermittelten Tatverdächtigen vertreten sind. Dies bedeutet einen prozentualen Anteil von knapp 20 Prozent und liegt in etwa bei dem prozentualen Anteil vom Jahr 2012. Im einzelnen waren im Jahr 2013 insgesamt 23 Kinder, 51 Jugendliche, 37 Heranwachsende und 446 Erwachsene als Straftäter überführt worden.

Der Anteil der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden an den ermittelten Tatverdächtigen ist vor allem bei den Gewaltdelikten (39 Prozent), insbesondere bei den gefährlichen oder schweren Körperverletzungen (41 Prozent), bei den Delikten der Straßenkriminalität (51 Prozent), bei den Ladendiebstählen (37 Prozent), bei den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (58 Prozent) und bei den Sachbeschädigungen (44 Prozent) überdurchschnittlich. Zur Verringerung der Delinquenz von Personen aus diesen Altersgruppen und zur Vorbeugung von Straftaten im öffentlichen Raum werden die erkannten Brennpunkte und die jugendszenetypischen Aufenthaltsorte im polizeilichen Streifendienst sowohl mit uniformierten als auch mit zivilen Kräften eingehend überwacht. Die strafunmündigen Kinder unter 14 Jahren sind vor allem bei den Ladendiebstählen (mit 19 Prozent) als Tatverdächtige aufgefallen. Zur sozialen und emotionalen Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen und zur Vermeidung von erneuter Straffälligkeit im zukünftigen Leben werden bei Straftaten von Personen dieser Altersgruppe die Behörden und gemeinnützigen Einrichtungen der Jugendhilfe für entsprechende Unterstützungs- und Betreuungsmaßnahmen jeweils in die polizeiliche Bearbeitung der Delikte mit eingebunden.

Hervorzuheben ist bei der Analyse der Kriminalstatistik im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Bad Reichenhall, dass, wie auch in den zurückliegenden Jahren, im Jahr 2013 viele der bedeutenden oder aufsehenerregenden Delikte geklärt werden konnten. Hierzu hat neben der zielgerichteten Fahndungs- und Ermittlungstätigkeit der Polizei sicherlich auch die für die Aufklärung von schwerwiegenden Delikten nicht wegzudenkende Mitteilungsbereitschaft aus der Bevölkerung mit Hinweisen auf Tatumstände und tatverdächtige Personen beigetragen.

Positiv festzuhalten bleibt in der Rückschau, dass das vergangene Jahr großteils geprägt war von alltäglicher Kleinkriminalität und nur in geringem Ausmaß von mittlerer und schwerer Kriminalität. Wie bereits in den letzten Jahren kam es auch 2013 weder zu versuchten noch zu vollendeten Tötungsdelikten.

Leider kam es aber entgegen des längerfristigen Trends letztes Jahr zu einem massiven und schweren Sexualdelikt. In Bayerisch Gmain hatte im September 2013 ein 53-jähriger Mann eine 57-jährige Frau mit roher Gewalt vergewaltigt und schwer verletzt.

Positiv hervorzuheben ist bei der Analyse der polizeilich registrierten schweren Straftaten, dass die Zahl der versuchten oder vollendeten Raubdelikte im Jahresvergleich 2012 zu 2013 um die Hälfte von sechs auf drei Delikte zurückgegangen ist. Das Straftatenaufkommen ist in den fünf durch die Polizeiinspektion Bad Reichenhall betreuten Gemeinden im Vergleich zur Kriminalitätsbelastungsquote im gesamten Freistaat Bayern mit der statistischen Kriminalitätsbelastung (Häufigkeitsziffer) von 42 zu 50, gerechnet jeweils auf 1.000 Einwohner, deutlich niedriger. Dies ist neben den bei den einzelnen Deliktsbereichen bereits erläuterten Faktoren sicherlich auch auf die noch weitgehend funktionierende soziale Kontrolle im kleinstädtischen und ländlichen Raum zurückzuführen. Daneben dürfte die Aufklärung vieler Delikte vor allem auch einem intakten Vertrauensverhältnis zwischen den Bürgern und ihrer Polizei mit der daraus resultierenden Bereitschaft der Bürger zur Hinweisgebung zu verdanken sein.

Die Polizeiinspektion Bad Reichenhall wird, wie bisher, auch künftig mit allen zur Verfügung stehenden Kräften dafür Sorge tragen, das Sicherheitsniveau auf dem gegenwärtigen hohen Stand zu halten und nach Möglichkeit noch weiter zu verbessern, begangene Straftaten durch intensive Fahndungs- und Ermittlungstätigkeit aufzuklären und festgestellte Tatverdächtige beweiskräftig einer wirksamen Strafverfolgung zuzuführen.

Die polizeilichen Maßnahmen zur Vorbeugung von Straftaten und zur wirksamen Aufklärung begangener Delikte stehen immer unter der Prämisse einer bestmöglichen Sicherheit für die Bürger der Stadt Bad Reichenhall und der durch die Polizeiinspektion Bad Reichenhall betreuten umliegenden vier Gemeinden und eines sich daraus ergebenden positiven Sicherheitsgefühls des Einzelnen.

Pressemitteilung Polizeiinspektion Bad Reichenhall

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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