Statistik zeigt mehr Gewaltdelikte

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Landkreis - Die Gesamtzahl der Straftaten im BGL ist 2012 gestiegen, doch auch die Aufklärungsquote ist höher. Die Kriminalstatistik gibt einen Überblick:

Im Jahr 2012 wurden im Landkreis Berchtesgadener Land insgesamt 6.852 Straftaten erfasst. Das waren 262 Delikte mehr als im Vorjahr (+ 4,0 %).

Von den 6.852 Straftaten 2012 wurden 5.185 Fälle aufgeklärt. Die Aufklärungsquote betrug damit 75,7 %, was eine erhebliche Steigerung zum Vorjahr um 4,8 % bedeutet.

Die Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung, die sogenannte Häufigkeitszahl, lag im vergangenen Jahr im Landkreis Berchtesgadener Land bei 6.653 Straftaten pro 100.000 Einwohner (2011: 6.436). Dies bedeutet einen Anstieg um 3,4 Prozent. Die Belastung im Landesdurchschnitt Bayerns liegt bei 4.977 Straftaten. Bereinigt man die Fallzahlen um die Aufgriffe der Schleierfahndung, so ergibt sich ein Wert von 4.835. Besonders ins Auge fallen die Gemeinden Piding und Bad Reichenhall, wo im Vergleich zu ihrer Einwohnerzahl besonders hohe Fallzahlen durch die Tätigkeit der Schleierfahnder registriert werden. Die verhältnismäßig hohe Häufigkeitszahl im Gemeindebereich von Freilassing ist zusätzlich durch die Nähe zum Ballungsraum Salzburg zu erklären.

Zu den 5.185 geklärten Straftaten 2012 wurden 4.273 Tatverdächtige ermittelt.

Darunter befand sich ein Anteil von 61,1 % nichtdeutscher Personen. Zieht man die Anzahl der spezifischen Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz ab, so beträgt der Ausländeranteil an allen Tatverdächtigen noch 42,5 %. Der Anteil Nichtdeutscher an der Wohnbevölkerung beträgt 12,5 %.

Von den insgesamt 4.273 ermittelten Tatverdächtigen waren 20,5 % jünger als 21 Jahre, also ein Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender. Insbesondere Jugendliche und Heranwachsende (14-21 Jahre), mit einem Anteil von 7,3 % an der Wohnbevölkerung, sind mit 18,0 % überproportional bei den Tatverdächtigen vertreten. Die Überrepräsentation dieser Altersgruppe resultiert großteils aus ihrer sehr hohen Beteiligung bei den Diebstahls-, Sachbeschädigungs- und Körperverletzungsdelikten.

Darunter fallen in erster Linie Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Raub und gefährliche sowie schwere Körperverletzungsdelikte. Im Landkreis Berchtesgadener Land wurden 123 entsprechende Delikte im Jahr 2012 registriert. Dies bedeutet einen spürbaren Anstieg um 30 Fälle oder 32,3 %. Der Anteil an der Gesamtkriminalität lag bei 1,8 %, die Aufklärungsquote ging von 83,9 % auf 80,5 % zurück.

Dezember 2012 – Brennende Wurfgeschosse auf „Buttnmandl“

Weil er sich in seiner Nachtruhe gestört fühlte, warf ein 22-jähriger Berchtesgadener mit brennenden Wurfgeschossen nach den sogenannten „Buttnmandl“ bei einer Brauchtumsveranstaltung. Nur durch Glück konnte das Übergreifen der Flammen auf die in Stroh gewickelten Männer verhindert werden. Der junge Mann zeigte sich geständig, auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen.

Diese umfasst alle Straftaten, die einen speziellen Bezug zum öffentlichen Verkehrsraum haben, z. B. Handtaschenraub, Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigungen und Diebstähle rund um das Kfz, Fahrraddiebstähle und Automatenaufbrüche. Hier gingen die Zahlen leicht um 7 Fälle auf 884 Delikte nach oben (+ 0,8 %). Davon konnten 20,2 % aufgeklärt werden (Vorjahr 16,4 %). Die Aufklärungsquote steigt mit der Qualität der Delikte an, so konnten zum Beispiel 68.8 % aller Raubdelikte aufgeklärt werden. Der Anteil an der Gesamtkriminalität beträgt 12,9 %. Sexualdelikte

Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung waren im Landkreis Berchtesgadener Land mit 43 Delikten um 1 weniger als im Vorjahr zu verzeichnen (Rückgang um 2,3 %). Die Aufklärungsquote stieg von 81,8 % auf 83,7 %.

2012 wurden mit 1.503 Taten um 38 weniger als im Vorjahr (- 2,5 %) registriert. Der Anteil an der Gesamtkriminalität lag bei 21,9 %, die Aufklärungsquote mit 39,1 % um 2,7 über der des Vorjahres.

September 2012 - Einschleichdiebstähle in Bauernhöfe

Das Polizeipräsidium stellte in seinem Zuständigkeitsbereich in den Monaten August und September 6 Fälle von sogenannten "Einschleichdiebstählen" fest. Straftäter nutzten dabei die Gunst der Stunde und dringen über offen stehende Türen oder Fenster in landwirtschaftliche Wohnanwesen ein. In manchen Fällen steckten die Schlüssel an den Türen, so dass die Diebe ganz leicht an die Beute gelangten. Ein typischer Fall trug sich am 4. September im Landkreis Berchtesgadener Land zu: ein Unbekannter betrat ein abgelegenes Bauernhaus durch eine offene Nebentüre, der Haupteingang selbst war verschlossen. Der Täter entwendete aus dem Schlafzimmer Schmuck und Bargeld. Die Geschädigte sah den Eindringling noch beim Weggehen, dachte sich aber zunächst nichts dabei - bis sie schließlich den Diebstahl ihrer Sachen bemerkte. Nach den Erkenntnissen des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd stecken in vielen Fällen Täter aus Süd- und Osteuropa hinter solchen Diebstählen.

Unter die Vermögens- und Fälschungsdelikte fallen Straftaten, wie z.B. Betrugsdelikte aller Art, Unterschlagungen, Urkundenfälschungen, Geld- und Wertzeichenfälschungen. Im Landkreis Berchtesgadener Land stieg die Zahl dieser Delikte im Jahr 2012 um 101 Fälle oder 9,5 % auf 1.168 an. Die Aufklärungsquote stieg erneut um 14,7 % auf 87,3 %.

In diesen Deliktsbereich fallen beispielsweise sämtliche Angriffe auf heimische PC/Netzwerke und der nachfolgende Missbrauch von Passwörtern, Kontodaten oder sonstigen vertraulichen Informationen ebenso wie auch die einfache Beleidigung innerhalb sozialer Netzwerke (z.B. „facebook“) oder der Betrug bei Onlinegeschäften oder Auktionsplattformen. Zwar weisen die Fallzahlen 2012 rund um die Kriminalität im Netz mit 205 Fällen (2011: 269) einen Rückgang von 23,8 % bei einer gleichzeitigen Steigerung der Aufklärungsquote um 39,2 % auf 63,4 % aus, dabei muss aber berücksichtigt werden, dass bei diesem Deliktsbereich Auslandsstraftaten oder Straftaten mit ungeklärtem Tatort bislang nicht wiedergegeben werden. Somit spiegeln diese Zahlen noch längst nicht den tatsächlichen Sachstand wider. Denn gerade bei der sogenannten "Cyber"-Kriminalität sitzen die Täter sehr häufig im Ausland oder agieren von einem unbekannten Tatort aus.

Sowohl im repressiven Bereich, als auch in der Prävention wird diesen Umständen Rechnung getragen. So wurde neben der Einstellung neuer, fachkompetenter Beschäftigter im Bereich der Kriminalpolizei und der Einrichtung einer Arbeitsgruppe „Cybercrime“ auch die Schulung und Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen auf diese speziellen Anforderungen hin weiter angepasst („Cyber-Cops“).

Dazu zählen neben den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz auch die direkte Beschaffungskriminalität, wie zum Beispiel Rezeptfälschungen. Die Zahl lag 2012 mit 510 um 85 Delikte (+ 20,0 %) erneut über der Zahl des Vorjahres. Die Aufklärungsquote betrug 98,0 %. Im vergangenen Jahr starben zwei 30 Jahre alte Männer an den Folgen ihres Drogenmissbrauchs (Vorjahr: 1 Drogentoter).

Oktober 2012 – 1,2 Kilogramm Heroin beschlagnahmt

Ein 35-jähriger ukrainischer Drogenhändler verfing sich im Netz der Traunsteiner Schleierfahnder. Während einer Kontrolle in Teisendorf wurden zunächst einige Gramm Heroin und Kokain sichergestellt. Noch ergiebiger verlief die Durchsuchung seiner Teisendorfer Wohnung. 1,2 Kilogramm Heroin, 100 Gramm Kokain und verschiedene Dopingmittel konnten dabei aufgefunden und sichergestellt werden.

In die hier nachfolgend dargestellte Staatsschutzlage „rechts“ fließen Staatsschutzdelikte (spezielle Straftaten wie z.B. Landesverrat, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Bildung terroristischer Vereinigungen u.a.), aber auch Delikte der allgemeinen Kriminalität, wie z. B. Körperverletzung, Beleidigung, Hausfriedensbruch, Nötigung oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ein, sofern ein politisch motivierter Tathintergrund vorliegt. Zusammen mit den Staatsschutzdelikten bilden sie den Phänomenbereich der Politisch motivierten Kriminalität (PMK).

Bei 5 der 6 Fälle (2011: 10) von rechtsgerichteter Kriminalität handelt es sich um Propagandadelikte, wie politisch motivierte Schmierereien, das öffentliche Zeigen/Verwenden von Nazisymbolen oder das Abspielen indizierter Tonträger. Die Aufklärungsquote bei der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) rechts lag dabei bei 50,0 % (2011: 73,7 %).

Die Bekämpfung des Rechtsextremismus - das Ausschöpfen aller repressiven und präventiven Möglichkeiten - war eines der erklärten Jahresziele 2012 des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Mai 2012 - „Totengedenken“ in Bad Reichenhall

Am 12. Mai fand in Bad Reichenhall das alljährliche „Totengedenken“ für 1945 bei Karlstein erschossene, französische SS-Soldaten statt. Etwa 70 dem rechten Lager zuzuordnende Teilnehmer fanden sich am frühen Nachmittag am sogenannten Kugelbachparkplatz ein, um die zuvor angezeigte Versammlung durchzuführen. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd war mit vielen Beamten der umliegenden Polizeidienststellen und weiteren Unterstützungskräften vor Ort. Bereits eineinhalb Stunden später wurde die Versammlung vom Veranstalter beendet, zu nennenswerten Zwischenfällen war es nicht gekommen.

Es waren 2012 insgesamt 156 Veranstaltungen (Vorjahr: 146) polizeilich zu betreuen. Davon waren 32 Sportveranstaltungen, 14 Versammlungen unter freiem Himmel und 110 sonstige Veranstaltungen (z.B. Volksfeste). Für einen reibungslosen Ablauf waren insgesamt 1.206 Beamte eingesetzt (2011: 1.275).

Juni 2012 - Hubschrauberabsturz bei Teisendorf fordert vier Todesopfer

Beim Absturz eines in Österreich zugelassenen zivilen Hubschraubers in einem hügeligen und bewaldeten Gebiet nahe der Autobahn München-Salzburg kamen alle vier Insassen, der 26-jährige Pilot, ein 29-Jähriger und zwei Frauen im Alter von 22 und 25 Jahren, ums Leben. Die Ermittlungen zur Absturzursache ergaben, dass ein Fehler des Piloten unfallursächlich war.

September 2012 – Tödlicher Bergunfall in Almbachklamm

Auf sehr tragische Weise ist ein zweijähriges Kind in der Almbachklamm ums Leben gekommen. Das Mädchen war in Begleitung seiner Eltern vom Weg abgerutscht und über eine Felswand in ein Wasserloch gefallen. Obwohl der Vater unverzüglich versuchte das Kind zu retten, kam jede Hilfe zu spät. Die Reanimation durch die Rettungskräfte musste erfolglos abgebrochen werden, das Kind verstarb noch an der Unfallstelle.

Grafiken zur Kriminalität

Kriminalstatistik für das Berchtesgadener Land

Notruf- und Einsatzaufkommen

Die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd hatte im abgelaufenen Jahr ein umfangreiches Notruf- und Einsatzaufkommen zu bewältigen. Es wurden 125.943 Notrufe (Vorjahr 129.891) angenommen und 123.944 Einsätze (Vorjahr 115.488) bearbeitet. In der Rangfolge der angelegten Einsätze liegt der „Verkehrsunfall mit Sachschaden“ (14.427) an erster Stelle, gefolgt von der „Verdächtigen Wahrnehmung“ (9.038) und der „Verkehrsbehinderung“ (7.181).

Im Jahr 2012 wurden auf den 530 Straßenkilometern und sonstigen öffentlichen Verkehrsflächen im Landkreis Berchtesgadener Land 2.750 Verkehrsunfälle und damit 24 oder 0,9 % mehr als im Vorjahr registriert.

Um 9,5 % oder 69 auf 660 gesunken ist die Verletztenzahl. 12 Personen kamen im Straßenverkehr ums Leben (2011: 10).

Oktober 2012 - Lkw prallt gegen Wohnhaus - eine Person getötet

Der 44-jährige Fahrer eines Kipper-Lkw befuhr am 15. Oktober in Berchtesgaden eine stark abschüssige Strasse, kam nach rechts von der Fahrbahn ab und prallte frontal gegen ein Wohnhaus. Der Lkw-Fahrer wurde bei dem Unfall getötet. Eine Frau, die sich zur Unfallzeit im Haus befand, kam mit dem Schrecken davon. Der entstandene Sachschaden belief sich auf mehr als 320.000 Euro.

Hauptunfallursachen

Anmerkung: Berücksichtigt werden hier alle Unfallursachen bei den Beteiligten, so dass es zu Mehrfachzählungen kommen kann (z.B. Vorfahrtsverstoß und zugleich Alkoholisierung).

Auch wenn die Ursachen „Alkohol“ und „Geschwindigkeit“ bei den angeführten Hauptunfallursachen zahlenmäßig nur einen verhältnismäßig geringen Raum einnehmen, so haben diese Unfallursachen nach wie vor die gravierendsten Auswirkungen zur Folge. Im Landkreis Berchtesgadener Land wurden bei Geschwindigkeitsunfällen 141 Personen verletzt (2011: 153) und 4 getötet (2011: 3). Bei Alkoholunfällen wurden 27 Personen (2011: 30) verletzt, glücklicherweise aber keiner getötet (2011: 0).

Schulwegunfälle

Im Landkreis kam es 2012 zu 5 Schulwegunfällen und damit zu 2 weniger als im Jahr zuvor. Dabei wurden 6 Schülerinnen und Schüler verletzt (2011: 9) verletzt, 2 davon schwer. Bei der Kollision und dem anschließenden Sturz zweier 12 und 13 Jahre alter Radfahrer erlitt ein Junge eine Handgelenksfraktur, ein Mädchen einen Schädelbasisbruch mit Einblutungen.

Verkehrsüberwachung

Die Polizeidienststellen führten 2012 im Landkreis Berchtesgadener Land 296 Radar-Geschwindigkeitsmessungen (2011: 363 bzw. - 18,5 %) mit insgesamt 164.008 registrierten Fahrzeugen durch. 3.878 Fahrzeugführer (Vorjahr: 6.995) mussten wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen beanstandet werden. Die Beanstandungsquote fiel um 1,0 % auf 2,4 %. Dazu kamen 2012 noch 422 Messungen mit der „Laser-Pistole“ (2011: 235 bzw. + 79,6 %), bei denen 1.650 Fahrzeuglenker beanstandet werden mussten (2011: 1.073).

249 Autofahrer (2011: 219) wurden im vergangenen Jahr bei Verkehrssicherheitskontrollen mehr oder weniger alkoholisiert am Steuer ihrer Fahrzeuge angetroffen und zur Anzeige gebracht. Den höchsten Wert erzielte dabei ein Radfahrer aus Saaldorf-Surheim mit 3,30 Promille. Unter dem Einfluss illegaler Drogen waren 78 Fahrzeugführer (Vorjahr: 53 bzw. + 47,2 %) unterwegs. Gegen sie wurde ebenfalls ein Straf- oder Bußgeldverfahren eingeleitet.

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Rubriklistenbild: © dpa

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