Weniger Straftaten im Landkreis Traunstein

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Traunstein - Die Gesamtzahl der bekannten Straftaten sind zurückgegangen. Das ist nur eine Erkenntnis aus dem Sicherheitsbericht für 2009

Der Landkreis Traunstein ist einer von neun Landkreisen im Schutzbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Die etwa 170.000 Einwohner werden polizeilich betreut von den Polizeidienststellen Traunstein, Trostberg, Traunreut, Laufen, Grassau, Ruhpolding und Reit im Winkl, sowie von Kriminalpolizeiinspektion, Verkehrspolizeiinspektion, Polizeiinspektion Fahndung und Operative Ergänzungsdienste Traunstein. Die wasserschutzpolizeilichen Aufgaben auf dem Chiemsee werden durch die Polizeiinspektion Prien übernommen.

Fazit aus Sicht der Polizei

Das Ergebnis im Landkreis Taunstein für das Jahr 2009 ist insgesamt als gut zu bewerten. Nicht nur die Gesamtzahl der polizeilich bekannt gewordenen Straftaten ist deutlich zurückgegangen, diese positive Tendenz ist auch bei fast allen wesentlichen Deliktsfeldern zu verzeichnen. Insgesamt konnte in der Kriminalstatistik das beste Ergebnis der letzten sechs Jahre erreicht werden. In der Verkehrsunfallbilanz schlagen zwar etwas mehr registrierte Unfälle zu Buche, erfreulich ist jedoch die gesunkene Zahl der verletzten Verkehrteilnehmer. Dafür mussten jedoch mehr Verkehrstote verzeichnet werden.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist eine Zusammenstellung aller bekannt gewordener strafrechtlicher Sachverhalte. Berücksichtigt sind alle polizeilich bearbeiteten Verstöße gegen das Strafgesetzbuch und strafrechtliche Nebengesetze ohne Verkehrs- und Staatsschutzdelikte.

Gesamtentwicklung

Im Jahr 2009 wurden im Landkreis Traunstein insgesamt 7274 Straftaten erfasst und damit 548 Fälle weniger als im Vorjahr (minus 7 Prozent). Strafbare Versuche zählen dabei wie vollendete Handlungen. Dies bedeutet den niedrigsten Stand seit 6 Jahren.

Kriminalitätsstruktur

 

Der jährliche Vergleich der Straftatenanteile an der Gesamtkriminalität stellt sich für das Jahr 2009 wie folgt dar:

Aufklärungsquote

Von den 7274 Straftaten 2009 wurden 4765 Fälle aufgeklärt. Die Aufklärungsquote konnte damit auf 65,5 Prozent gesteigert werden (plus 1,9 Prozent).

Häufigkeitszahl

Die Kriminalitätsbelastung (= Häufigkeitszahl) bezeichnet die Anzahl der polizeilich erfassten Straftaten auf jeweils 100.000 Einwohner. Deren Aussagekraft wird dadurch beeinträchtigt, dass nur die amtlich gemeldeten Einwohner zur Berechnung herangezogen werden können, also nicht z. B. Touristen, Durchreisende, Personen mit ausländischem Wohnsitz oder Ausländer, die sich illegal aufhalten.

Die Belastung der Bevölkerung im Landkreis Traunstein mit Straftaten ist 2009 mit 4264 Straftaten pro 100.000 Einwohner deutlich um sieben Prozent zurückgegangen. Dies bedeutet die niedrigste Belastung seit sechs Jahren und liegt unter dem Landesdurchschnitt von 5073 und dem Wert des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd von 4600.

Tatverdächtigenstruktur

Zu den 4765 geklärten Straftaten 2009 wurden 4063 Tatverdächtige ermittelt. Darunter befand sich ein Anteil von 24,9 Prozent nichtdeutscher Personen. Die Lage des Landkreises im grenznahen Raum und die Autobahn A8 sowie die Bahnverbindung München - Salzburg spielen hierbei eine einflussreiche Rolle. Nach Abzug der ausländerspezifischen Delikte nach dem Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz sinkt der Anteil Nichtdeutscher auf 15,6 Prozent .

Von den 4063 ermittelten Tatverdächtigen waren 1135 jünger als 21 Jahre, d.h. etwa jeder vierte Tatverdächtige (27,9 Prozent) war ein Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender. Vergleicht man den Anteil der Jugendlichen und Heranwachsenden an der Wohnbevölkerung mit der Straftatenbeteiligung, so kann man eine Überrepräsentation dieser Altersgruppe (14 bis 21 Jahre) erkennen. Dies resultiert großteils aus ihrer hohen Beteiligung an Diebstahls-, Sachbeschädigungs- und Körperverletzungsdelikten.

Ausgewählte Deliktsbereiche

Gewaltkriminalität

Darunter fallen in erster Linie Mord- und Totschlag, Vergewaltigung, Raub und gefährliche sowie schwere Körperverletzungsdelikte. Im Landkreis Traunstein wurden 205 entsprechende Delikte im Jahr 2009 registriert. Dies bedeutet einen Anstieg um 33 Fälle (plus 19,2 Prozent). Der Anstieg ist großteils auf mehr Körperverletzungsdelikte zurückzuführen. Der Anteil an der Gesamtkriminalität liegt bei 2,8 Prozent. Von diesen Straftaten konnten 83,4 Prozent aufgeklärt werden.

Straßenkriminalität

Diese umfasst alle Straftaten, die einen speziellen Bezug zum öffentlichen Verkehrsraum haben, z. B. Handtaschenraub, Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigungen und Diebstähle rund um das Kfz, Fahrraddiebstähle und Automatenaufbrüche. Dem Deliktsbereich waren 2009 insgesamt 1.268 angezeigte Straftaten zuzuordnen und damit um 196 Fälle weniger als im Vorjahr (minus 13,4 Prozent).

Sexualdelikte

In diesem Deliktsbereich wurden im vergangenen Jahr 57 Fälle gegenüber 82 Fälle 2008 angezeigt. Dies stellt einen deutlichen Rückgang um 30,5 Prozent dar und ist der niedrigste Wert der letzten sechs Jahre. Die Aufklärungsquote lag bei 84,2 Prozent.

Diebstahlskriminalität

Mit 2015 Diebstählen ging die Zahl im Landkreis um 424 Fälle deutlich zurück (minus 17,4 Prozent). Davon wurden 37,4 Prozent aufgeklärt.

Vermögens- und Fälschungsdelikte

Unter die Vermögens- und Fälschungsdelikte fallen Straftaten wie z.B. Betrugsdelikte aller Art, Unterschlagungen, Urkundenfälschungen, Geld- und Wertzeichenfälschungen. Allgemein zugenommen haben in den letzten Jahren Betrugsstraftaten, die über das Internet angebahnt oder abgewickelt werden.

Im Landkreis Traunstein gingen die Fallzahlen jedoch deutlich zurück. Die angezeigten Fälle nahmen um 8,1 Prozent ab. Es waren 1138 entsprechende Straftaten zu bearbeiten. Die Aufklärungsquote betrug 70,7 Prozent.

Rauschgiftdelikte

Dazu zählen neben den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz auch die direkte Beschaffungskriminalität, z. B. Rezeptfälschungen. 2009 waren mit 572 Fällen 56 weniger als 2008 zu verzeichnen (minus 8,9 Prozent ). Die Aufklärungsquote betrug 98,1 Prozent. Ein 29-jähriger Mann verstarb an den Missbrauchsfolgen.

Fallbeispiele:

Doppelmord in Tacherting: Zu einer massiven Gewalttat kam es am frühen Morgen des 9. August in einem Waldstück bei Tacherting. Zwei Männer wurden mit einer Vielzahl von Messerstichen getötet. Noch am selben Tag konnten drei Tatverdächtige festgenommen werden.

Phantombild führte zu Tatverdächtigen: In den frühen Morgenstunden des 12. September wurde eine 23-jährige Frau in Traunstein Opfer eines massiven sexuellen Übergriffes durch einen Unbekannten. Die Frau wehrte sich, der Täter floh unerkannt. Mit Hilfe eines Phantombildes gelang es, einen 28-jährigen Tatverdächtigen zu ermitteln.

Drogenfahndung im Achental: Im Zuge umfangreicher Ermittlungsmaßnahmen konnte die Polizei eine Vielzahl von Rauschgiftdelikten im Großraum Achental aufdecken und insgesamt über 40 Tatverdächtige festnehmen. Gegen die überwiegend Jugendlichen wurden entsprechende Verfahren geführt, auch die Führerscheinstellen und Jugendämter wurden vom Sachverhalt in Kenntnis gesetzt.

Kriminalprävention

 

Der kriminalpolizeiliche Fachberater der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein führte im Landkreis Traunstein 2009 insgesamt 629 individuelle Einzelberatungen zu technischen Sicherungsmöglichkeiten von Eigentum durch und erteilte zudem Rat mit 161 schriftlichen Sicherungsvorschlägen. Dazu konnte eine große Anzahl interessierter Bürger bei 31 öffentlichen Informationsveranstaltungen erreicht werden.

Für die Jugend- und Präventionsbeamten der Dienststellen lagen die Schwerpunkte im Rahmen der verhaltensorientierten Prävention auch im Jahr 2009 bei den Themen Gewalt, Sucht, Eigentum sowie bei den Gefahren in Zusammenhang mit den modernen Medien. Neben 120 Vorträgen an Schulen und Kindergärten sowie 21 Informationsveranstaltungen bei verschiedenen Zielgruppen wurden in insgesamt 43 Schulklassen die Polizeikurse „Zammgrauft“ zur Gewaltprävention, „Aufgschaut“ zum Thema Zivilcourage, „Sauba bleim“ zum Thema Sucht/Drogen, oder PIT (Prävention im Team) durchgeführt. Beamte der Kriminalpolizeiinspektion Traustein hielten insgesamt 50 Vorträge zur Drogenproblematik.

Nicht erst seit den Geschehnissen in Erfurt und Winnenden arbeitet das Polizeipräsidium Oberbayern Süd im Sinne der AMOK-Prävention eng mit den Schulen zusammen. Im Landkreis Traunstein wurden 2009 insgesamt mit 35 Schulen entsprechende Beratungsgespräche geführt.

Zur Information und Unterstützung Betroffener bei Gewalttaten im sozialen Nahraum und bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd eine Beauftragte für Frauen und Kinder (BPFK) angegliedert. Sie war mit Unterstützung der festen Ansprechpartnerin der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein mit persönlichen Beratungsgesprächen und Vorträgen zu den Themen Sexueller Missbrauch von Kindern, Häusliche Gewalt, Gewalt gegen Frauen und Kindern sowie Stalking auch im Landkreis Traunstein tätig.

Besondere Einsatzlagen im Landkreis Traunstein

Etwa 25.000 Besucher kamen zum Chiemsee-Reggae-Festival in die Gemeinde Übersee. Die Großveranstaltung wurde mit über 600 Beamten betreut und verlief insgesamt ausgesprochen friedlich. Sehr erfreulich war der deutliche Rückgang der übermäßig alkoholisierten Jugendlichen. Zugenommen haben dagegen die Verstöße nach dem Betäubungsmittelrecht.

An sportlichen Großveranstaltungen waren der Biathlon-Weltcup in Ruhpolding, das Team-Finale zur Eisspeedway-Weltmeisterschaft und die Nationalen Wintergames der Special Olympics in Inzell zu betreuen.

Gesamtentwicklung

Im Jahr 2009 wurden auf den 3025 Straßenkilometern und sonstigen öffentlichen Verkehrsflächen im Landkreis Traunstein 4259 Verkehrsunfälle und damit um 167 mehr als im Vorjahr registriert (plus 4,1 Prozent). Erfreulich rückläufig entwickelten sich dagegen die Personenschadensunfälle. Die Zahl der verletzten Verkehrsteilnehmer ging um 62 von 1209 im Jahr 2008 auf 1147 im Jahr 2009 zurück (minus 5,1 Prozent). Die Zahl der Verkehrstoten stieg dagegen von 16 auf 20 Todesopfer.

Entwicklung der letzten fünf Jahre

 

Hauptunfallursachen

Im Vergleich der Unfallursachen hat die „nicht angepasste Geschwindigkeit“ mit 435 Unfällen nicht den höchsten Anteil an den Gesamtunfällen. Jedoch hat diese Ursache mit 240 Verletzten (21 Prozent) und neun Verkehrstoten (45 Prozent) überproportional die massivsten Auswirkungen auf die Opfer zur Folge.

Durch Vorfahrtsverletzungen wurden 369 Unfälle verursacht. Dabei wurden 241 Menschen verletzt. Drei Verkehrstote waren hier zu beklagen.

80 mal krachte es auf den Straßen im Landkreis, weil Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss standen. Verletzt wurden hierbei 49 Personen. Fünf Verkehrsteilnehmer wurden getötet (25 Prozent).

Verteilung der Hauptunfallursachen

Fallbeispiel:

Fahranfänger stirbt noch an Unfallstelle: Wenige Tage vor seinem 19. Geburtstag verunglückte ein Fahranfänger am 4. Juni auf der B 305 bei Rottau. Der junge Man kam mit seinem Pkw ins Schleudern und prallte frontal in einen entgegenkommenden Lkw. Er verstarb noch an der Unfallstelle. Seine drei Mitfahrer und die beiden Insassen des Lkw wurden zum Teil schwerst verletzt.

Motorrad in mehrere Teile zerrissen: Die Vorfahrtsverletzung durch einen Autofahrer bei Ruhpolding hatte am 12. Juni für einen Motorradfahrer tödliche Folgen. Ein 28-Jähriger übersah beim überqueren einer Kreuzung mit seinem Auto den vorfahrtsberechtigten 25-jährigen Biker und es kam zum Zusammenstoss. Der Motorradfahrer starb, der Autofahrer kam mit leichteren Verletzungen davon.

Verkehrsüberwachung und -prävention

Die Polizeidienststellen führten 2009 im gesamten Landkreis 1276 Geschwindigkeitsmessungen mit insgesamt 306.000 registrierten Fahrzeugen durch. 14.974 Fahrzeugführer mussten wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen beanstandet werden.

314 Fahrzeuglenker wurden bei Verkehrsicherheitskontrollen mehr oder weniger alkoholisiert am Steuer ihrer Fahrzeuge angetroffen und zur Anzeige gebracht. Berauscht unter dem Einfluss illegaler Drogen waren 68 Fahrzeugführer unterwegs. Gegen sie wurde ebenfalls ein Straf- oder Bußgeldverfahren eingeleitet.

Durch die drei Jugendverkehrserzieher der Polizei wurden im Landkreis 1065 Schulkinder der vierten Jahrgangsstufe mit den Verkehrsregeln vertraut gemacht. Darüber hinaus legten die meisten dieser Kinder nach entsprechendem Training mit Erfolg die Fahrradprüfung ab.

Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: chiemgau24.de

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