Nach fast 400 ist Schluss

Piding - Es sind die letzten beiden Wochen, dann verlassen die letzten Zivildienstleistenden ihre Posten. Wie es in den sozialen Einrichtungen weitergeht, ist noch unklar.

Er ist 20 Jahre alt, kommt aus Teisendorf und ist einer der letzten drei Zivis in den Pidinger Werkstätten - Martin Aicher. In zwei Wochen wird auch er die Einrichtung verlassen und seinem eigentlichen Beruf als Automechatroniker nachgehen. "Es war echt eine schöne Zeit", resümiert er im BGLand24-Interview. "Mit diesen Leuten zu arbeiten ist eine super Sache. Ich kann es nur weiterempfehlen."

Die Arbeit in den Pidinger Werkstätten macht Martin Spaß.

Doch auch Aicher weiß, dass junge Männer, die - wie er - einen Beruf erlernt haben, eher kein freiwilliges Jahr in einer sozialen Einrichtung ableisten werden. "Für mich wäre Bundeswehr nicht in Frage gekommen und mein Bruder war schon Zivi hier", begündet er seinen Einsatz.

"Zehn Zivis haben wir 'behalten'"

Über den Zivildienst haben die Pidinger Werkstätten zehn ihrer 46 'nicht behinderten' Mitarbeiter gewonnen. "Sie sind entweder gleich nach dem Zivildienst als Fachkräfte 'hängengeblieben' oder nach Jahren aufgrund einer Stellenanzeige zurückgekehrt", erinnert sich Geschäftsführer Hermann Seeböck. "Für uns sind technisch ausgebildete Kräfte sehr wichtig, die sich für uns interessieren."

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Weg frei für vorläufiges Ende der Wehrpflicht

Seeböck weiß, dass genau diese jetzt schwieriger zu finden sind. "Nach der Schule wissen junge Leute oft nicht, was sie genau machen wollen und nehmen die Möglichkeit des Bundesfreiwilligendienstes oder des Freiwillig sozialen Jahres in Anspruch. Ein ausgelerneter Handwerker wird nicht so einfach aus seinem Beruf aussteigen." Dabei werden genau die sogenannten "Fachzivis" im Metall- oder Schreinereibereich fehlen. Sie seien sehr wichtig, da sie sich leichter tun würden, bestimmte Arbeiten wie schleifen oder schweißen zu erledigen, weiß Gruppenleiter Wolfgang Fegg.

Deshalb wollen die Verantwortlichen in Zukunft verstärkt die Werbetrommel rühren: "Es wird jetzt sicher einen Wettbewerb unter den sozialen Einrichtungen geben", befürchtet Seeböck. "Wir wollen mit attraktiven Einsatzbedingungen in den Schulen werben und gleichzeitig als Ausbildungsbetrieb attraktiv für junge Menschen bleiben, die vielleicht zuerst ein Praktikum bei uns absolvieren."

Auf den Wegfall der Zivildienstleistenden eingestellt - Hermann Seeböck.

Den Plan B hat der Geschäftsführer schon länger in der Schublade: "Das Problem beschäftigt uns seit zehn Jahren. Jetzt müssen wir einige Leistungen zurückfahren. Die einwöchigen Erholungsfahrten, die wir jährlich angeboten haben, fallen weg. Durch die wegfallenden Helfer werden wir auch die Gruppen vergrößern müssen." Auch eine gewisse Vielfalt im Haus werde verloren gehen, ist sich Seeböck sicher. Die Arbeiten werde man nicht mehr machen können, wenn zwölf bis 14 Menschen mit Behinderung nur noch von einer Fachkraft betreut werden - ohne Untertützung eines Zivis.

In zwei Wochen ist Abschied

Zwei der letzten drei Zivis verlassen die Pidinger Werkstätten in zwei Wochen, einer hat bis Ende September verlängert. Doch dann wird wohl auch der Geschäftsführer ein bisschen melanchonisch werden. "Fast 400 junge Männer haben in den letzten 30 Jahren ihren Zivildienst in den Pidinger Werkstätten absolviert. Die 14 Stellen haben wir meistens belegen können, die sind eins zu eins nicht ersetzbar."

Seeböck hätte sich gewünscht, dass "es nicht so apprupt kommt", übt der Geschäftsführer Kritik an der Aussetzung der Wehrpflicht und die Einführung des BFD. "Die Diskussion ist zu hektisch und zu schnell geführt worden. Der BFD steht auf sehr wackeligen Füßen." Ein staatsbürgerliches Jahr hätte richtig verankert werden und positiver beworben werden müssen. "Jetzt soll's losgehen und keiner weiß richtig, wie es funktioniert."

Christine Zigon

Rubriklistenbild: © kb

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