Versammlung im "Chill-House":

Wo Jugendlichen der Schuh drückt 

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Groß war das Interesse der Jugendlichen in ihrem Treff „Chill-House“ an der kürzlich von Bürgermeister Hans Eschlberger initiierten Jugendversammlung mit Aufklärungsvortrag von Kriminalhauptkommissar Alois Schötz vom BPFI über Drogen und deren verheerenden Folgen für den körperlichen und geistigen Zustand des Konsumenten.

Mitterfelden/Ainring - Auf der "Jugend-Bürgerversammlung" traff der Bürgermeister auf fast 30 Jugendliche. Zusammen gingen beide Parteien verschiedene Themen durch:

Sehr gut eingespielt hat sich die gemeindliche Einrichtung des Jugendtreffs „Chill-House“ unter der perfekt leitenden Obhut von Sebastian Sieber und Elisa Tritschler im Untergeschoss des „Haus für Kinder“ in Mitterfelden. Es gibt bislang keine schwerwiegende Probleme bei den regelmäßigen Treffs der Jugendlichen. Dennoch wollte Bürgermeister Hans Eschlberger in einer kürzlich anberaumten „Jugend-Bürgerversammlung“ hören, was aus Sicht der Gemeinde noch verbessert werden könnte.

Zentrales Thema der Zusammenkunft – zu der fast 30 Jugendliche ihr Interesse bekundeten – war auch ein Referat von Kriminalhauptkommissar Alois Schötz vom Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei. Drastisch zeigte der Experte unter anderem mit filmischen Einspielungen die Gefahrenpotentiale auf, die durch Einnahme und Besitz von Drogen entstehen. Unter den Anwesenden hieß der Bürgermeister neben den BPFI-Referenten auch die Gemeinderäte Dieter Nowak und Martin Unterrainer willkommen. Unterrainer ist zugleich Jugendbeauftragter der Gemeinde. Auch die JU-Vorsitzende Hannah Lotze war interessierte Zuhörerin.

Hans Eschlberger dankte eingangs den beiden Betreuern des Jugendtreffs für deren Engagement und bekräftigte seine Aussage zu den Jugendlichen „Ihr seid uns sehr wichtig, sagt, was euch bewegt und wo man zu Verbesserungen die Hebel ansetzen kann“. Zugleich appellierte er zur Übernahme von Pflichten der Jugendlichen nicht nur im Treff selbst sondern auch außerhalb. „Kümmert euch um den Müll, ein sauberes Umfeld ist Voraussetzung.“ In diesem Zusammenhang erbaten Jugendliche die Bereitstellung von Besen, damit der nahe gelegene Skaterplatz samt dem dortigen offenen Holzbau entsprechend gereinigt werden könne. 

Vorgebracht wurde, es sei sinnvoll zur Steigerung des Sicherheitsgefühls eine Beleuchtung am Skaterplatz anzubringen. Das Gemeindeoberhaupt bestätigte, dieses Ansinnen sei gerechtfertigt und er habe den Bauhof für eine Lösungsmöglichkeit bereits informiert. Zur Ausstattung bzw. Ersatzbeschaffungen in der Räumlichkeit wurden von den Jugendlichen ebenfalls Wünsche vorgetragen. Soweit möglich werden diese erfüllt, dennoch wurde seitens des Bürgermeisters und auch der Betreuer die Bitte ausgesprochen, sorgsam mit den vorhandenen Unterhaltungsmöglichkeiten, sei es am Billardtisch oder beim Darten, umzugehen. Eine zweite Dartscheibe kann eventuell ohne finanzielle Belastung für die Gemeinde beschafft werden.

Erörtert wurden auch räumlich getrennte Übernachtungsmöglichkeiten für die Buben und Mädchen, längere Öffnungszeiten des "Chill-House" und ein zusätzlicher Trefftag speziell für die „Jüngeren“, damit möglichst wenig Interessenskonflikte entstehen. Da der Jugendtreff mit einer Toilettenanlage ausgestattet ist und in absehbarer Zeit einen zweiten Kellerraum dazubekommt, soll das dort vorhandene nicht benötigte Waschbecken abgeklemmt werden. „Wir wollen alle miteinander eine schöne Neugestaltung des Raumes vornehmen“, versprachen die Betreuer.

Sebastian Sieber nützte die Versammlung und Aufmerksamkeit der Heranwachsenden, er habe zwar keinen Einfluss was außerhalb des Treffs an Alkohol konsumiert werde, doch angetrunkene Jugendliche im Treff werde er sofort postwendend hinausbefördern, verbunden mit Hausverbot. Hierzu fügte der Bürgermeister an, dass laut gemeindlicher Verordnung und satzungsgemäß festgehalten, auch auf dem Skaterplatz Alkoholverbot bestehe. „Wir mussten deshalb vor einigen Jahren bekanntermaßen hart durchgreifen und die Hütte vom ursprünglichen Platz am Rad- und Gehweg entfernen. Wenn so was wieder vorfallen sollte, dann kommt das jetzige Häuserl sofort weg. Ich bitte das zu respektieren und ich vertraue euch, dass es zu keine Mutproben und Zerstörungen kommt.“

Über einen Beamer zur optischen Ansicht referierte Kriminalhauptkommissar Alois Schötz zum Gefahrenpotential „Drogen“ in seiner leider vielfältigen Angebotsart mit verheerenden Wirkungen für den körperlichen und geistigen Zustand eines Konsumenten. Schötz ist Fachlehrer am BPFI und hat in seiner über 30 Jahre beruflichen Erfahrung beim Landeskriminalamt München, sowohl im Rauschgiftdezernat wie organisierte Kriminalität viel Leid gesehen, was Drogen anrichten und wie die Gesundheit eines Menschen restlos zerstört werden kann.

Aufgezeigt wurde von Schötz unter Scheinlegalität auf dem Markt und oft frei käuflich, die gefährliche Einnahme von Substanzen aus Kräuter- und synthetische Mischungen, Cannabinuide, Badesalze. Halluzinationen und andere Auswüchse seien extrem. „Hütet euch von dem Zeug“ und „Lasst die Finger davon“, warnte der Kriminalhauptkommissar mehrfach beim weiteren Aufzählen von stimulierenden Aufputschmitteln und Designerdrogen, die Panikattacken und Verfolgungswahn verursachen, aber auch zur Sucht führt.

Hinter der Bezeichnung GHB/BGL verbirgt sich nach Hinweis von Schötz die Vergewaltigungsdroge (bekannt als Ko.-Tropfen). Dabei handelt es sich um eine klare farblose Flüssigkeit, völlig geruchs- und geschmacklos. Nach anfänglicher Stimulanz führe dieses Mittel, das vor allem bei Partys unbemerkt ins Getränk von weiblichen Gästen gemischt werde, zu Übelkeit und komaähnlichen Schlaf mit danach totalen Erinnerungslücken.

Auch die Gefahr von Lösungsmittel, farbige Ecstasy-Tabletten mit lustiger Prägung und unterschiedlichen Logos als Kauflockmittel wurde hingewiesen. Auch vor Naturdrogen (Tollkirsche, Engelstrompete usw.) die halluzinogene Wirkung erzeugen, wurde vor gesundheitliche Beeinträchtigungen gewarnt.

Sichtlich beeindruckt nahmen die Jugendlichen, die ja auch mal ihren Führerschein absolvieren wollen, zur Kenntnis, welche Auswirkungen schon der nachgewiesene Besitz von Drogen nach sich ziehe, ohne, dass man vielleicht nicht selber konsumiere. Wer von der Polizei erwischt werde, könne sich eine Führerschein-Prüfung in nächster Zeit abschreiben, denn dieses Delikt werde der Führerscheinstelle gemeldet.

Wer bereits einen Führerschein besitze und mit Drogenauffälligkeit kontrolliert werde, müsse ebenfalls mit schwerwiegenden Folgen, wie Entzug des Führerscheins, rechnen. Finanzielle Belastungen kämen zusätzlich hinzu. Abschließend dankte Bürgermeister Hans Eschlberger dem Referenten und mahnte die Jugendlichen an: „Verbaut euch nicht eure Zukunft, lasst euch von anderen nichts aufschwätzen. Cool ist der, der sagt, 'nein danke'". 

Schlosser

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