Ein Zeichen gesetzt

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Mühldorf - Über 300 Teilnehmer einer friedlichen Kundgebung auf dem Stadtplatz haben am Samstagnachmittag ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit gesetzt.

Die angekündigte Demonstration von rund 75 Neonazis vom Bahnhof zum Stadtplatz fand dagegen ein verfrühtes Ende.

Richard Fischer sollte Recht behalten. „Wir lassen nicht zu, dass braunes Gedankengut in unserer schönen Stadt Einzug hält“, rief der SPD-Kreisvorsitzende den Kundgebungsteilnehmern am Stadtplatz zu. Zwar schafften es die Neonazis 90 Minuten später auf ihrem angekündigten Demonstrationszug vom Bahnhof bis in die Katharinenvorstadt, doch in die Altstadt gelangten sie nicht. Zwei Sitzblockaden machten die geplante Route zunichte.

Über 300 Personen quer durch alle Alters- und Bevölkerungsschichten waren zunächst der kurzfristigen Einladung der Kreis-SPD und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf den Stadtplatz gefolgt. Einer von ihnen war Umweltminister Dr. Marcel Huber: „Es macht mich traurig, dass in meiner Geburtsstadt Neonazis ihre Parolen brüllen. Es macht mich aber zugleich stolz, dass so viele dem Aufruf gefolgt sind und sich über alle Parteigrenzen hinweg für Solidarität und Toleranz einsetzen“, sagte Huber.

Wie Dekan Roland Haimerl („Es geht heute auch darum, die Menschenwürde hochzuhalten“) forderte auch SPD-Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer die Bürger dazu auf sich gegen Ausländerfeindlichkeit zur Wehr zu setzen: „Das Schönste, was die Demokratie zu bieten hat, ist die Pluralität in unserer Gesellschaft. Ausländer sind ein wichtiger Teil davon.“

Mit Blick auf das rechte Lager sagte Bürgermeister Günther Knoblauch: „Die versuchen heute auszuloten, ob sich in Mühldorf was bewegen lässt. Und so wie ich es sehe, wird das das erste und das letzte Mal sein, dass sie hierher gekommen sind.“

Neben zahlreichen weiteren Rednern aller Parteien trat für den DGB Georg Schneider ans Mikrophon. „Da hat sich der Deckel einer Jauchegrube geöffnet, aus dem nun der Gestank aus Intoleranz und Hass aufsteigt“, sagte Schneider. „Legen wir die Grube trocken und machen wir einen Feiertag draus, indem wir sie hier nicht zu Wort kommen lassen.“

Denn begann das große Warten: Mit Trillerpfeifen und Buhrufen wollten die Kundgebungsteilnehmer die Neonazis auf dem Stadtplatz begrüßen, doch soweit kam es gar nicht.

Rund 50 vorwiegend Jugendliche und Autonome blockierten unabhängig von der SPD- und DGB-Veranstaltung das Münchner Tor – und machten mit einer weiteren Sitzblockade wenig später auch die Ausweichroute am Stadtwall dicht.

Vor dem Finanzamt kam es daraufhin zu teils hitzigen Diskussionen zwischen den beiden Lagern und der Polizei. Auch kleinere Gerangel blieben nicht aus, mehrere Eier flogen in Richtung der Neonazis. Ein Teilnehmer aus dem linken Lager wurde nach einem Flaschenwurf festgenommen. Die Polizisten – insgesamt waren rund 200 Beamte im Einsatz – hatten alle Hände voll zu tun, konnten jedoch ein direktes Aufeinandertreffen der Gruppen und damit eine Eskalation der Situation verhindern.

Am Ende blieb den rechten Demonstranten nichts anderes übrig, als auf Anweisung der Polizei wieder kehrt zu machen. Der Weg führte über die Mühlenstraße – die ursprünglich beantragte Route am Asylbewerberheim vorbei hatte das Landratsamt untersagt – zurück zum Bahnhof. Hier hielten die Neonazis unter den Pfiffen der nach wie vor zahlreichen Gegendemonstranten ihre eigentlich für den Stadtplatz vorgesehen Versammlung ab und reisten dann deutlich früher als geplant wieder ab.

Entsprechend groß war im Anschluss die Freude bei den Kundgebungsteilnehmern. „Wir haben die Nazis aus der Stadt vertrieben“, jubelte Grünen-Sprecher Rainer Stöger, der auf der Kundgebung für ein parteiübergreifendes Aktionsbündnis gegen Rechts geworben hatte: „Langfristig gesehen müssen wir agieren. Und nicht reagieren.“

ha/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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