Aktion am Jodl-Denkmal auf der Fraueninsel

Nötigung, Diebstahl, Sachbeschädigung - Kastner wieder vor Gericht

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Aktionskünstler Wolfram Kastner
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Rosenheim - Der Aktionskünstler Wolfram Kastner muss bald wieder Rechenschaft vor der Justiz ablegen - diesmal vor dem Amtsgericht Rosenheim.

Der Künstler Wolfram Kastner darf künftig keine weiteren Kunstaktionen an der Gedenkstätte für den Nazi-Kriegsverbrecher Alfred Jodl ausüben. Er hatte Jodls Grab mehrmals mit Schildern versehen, mit roter Farbe beschmiert und Buchstaben abgebrochen. Das Landgericht München I hat im Februar eine entsprechende Unterlassungsverfügung bestätigt. Ein Nachkomme Jodls erwirkte die Unterlassungsverfügung gegen den Künstler, Kastner klagte dagegen und verlor.

Strafrechtlicher Prozess

Nun wird Kastner wegen seinen Aktionen am Jodl-Grab auf der Fraueninsel im Chiemsee wieder vor Gericht stehen, diesmal vor dem Amtsgericht Rosenheim. "Ihm wird zur Last gelegt, das er das Scheingrab des Wehrmachtsgenerals Alfred Jodl beschädigt hat. Es geht um Diebstahl, Nötigung und Sachbeschädigung", so Stefan Tillmann, Pressesprecher des Amtsgerichts Rosenheim auf Nachfrage von rosenheim24.de. "Das ist jetzt die strafrechtliche Verhandlung, die Verhandlungen in München waren zivilrechtlich." Das Gericht habe auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen den Künstler erlassen, den Kastner nicht akzeptierte. Deshalb kommt es nun am 2. Mai um 9 Uhr im Rosenheimer Amtsgericht zur Verhandlung.

Kastner lädt selbst zur Verhandlung ein

In einer Email an unsere Redaktion lädt der Aktionskünstler selbst zu diesem nach eigener Aussage "DENK-, LERN- und SCHAUprozess" ein: 

"Verhandelt werden die Freiheit der Kunst gegen die rechtswidrige öffentliche Verehrung des NaziGenerals, Massenmörders, verurteilten und hingerichteten Kriegsverbrechers Alfred jODL", heißt es unter anderem in der Email. 

"Mit meinem Anwalt Hartmut Wächtler habe ich Widerspruch eingelegt und nun kommt es also zu einer voraussichtlich denkanstößigen, lehrreichen, anschaulichen und unterhaltsamen Hauptverhandlung, an der 'das besondere öffentliche Interesse' des Staatsanwalts besteht", kündigt Kastner an.

Das Jodl-Denkmal

Das Scheingrab des Wehrmachtsgenerals Alfred Jod lauf der Fraueninsel steht immer wieder im Mittelpunkt scharfer Kritik. 2018 soll die Stätte aufgelöst werden. Im dritten Reich ist Jodl an führender Stelle an der Planung von deutschen Militäroperationen beteiligt gewesen. 1946 ist er nach dem Nürnberger Prozess von den Alliierten hingerichtet worden.

Kriegerdenkmal in München geschändet

Der Aktionskünstler musste sich im März auch vor dem Amtsgericht München verantworten, weil er ein Kriegerdenkmal in München beschädigte. An der Inschrift des Denkmals, das an die Gefallenen der Bayerischen Eisenbahntruppe im 1. Weltkrieg erinnert, hatte er aus den Wörtern "Ruhm" und "Ehre" das Wort "Unehre" gemacht und die entnommenen Buchstaben an Verteidigungsministerin von der Leyen geschickt.

Quelle: rosenheim24.de

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