"Wolf in die Karpaten oder in den Zoo"

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Übersee - Die Stärkung der Almbauern, auch hinsichtlich des künftigen Umgangs mit Wolf und Bär, waren das Thema eines Fachgesprächs zwischen dem Abgeordneten Klaus Steiner und oberbayerischen Almbauern.

Die Stärkung der Almbauern, auch hinsichtlich des künftigen Umgangs mit Wolf und Bär, waren das Thema eines Fachgesprächs des zuständigen CSU-Abgeordneten für Forst- und Almwirtschaft im bayerischen Landtag, Klaus Steiner, mit oberbayerischen Almbauern im "Gasthof Hinterwirt" in Übersee.

In der teils sachlichen, teils emotionalen Diskussion beklagten die Betroffenen vor allem falsche Darstellungen von fachfremden Personen. Beifall erntete die Äußerung des ehemaligen Amtstierarztes Dr. Rainer Grimm: "Wir haben nichts gegen den Wolf, aber er soll in die Karpaten oder in den Zoo gehen."

Dieses Gespräch sei kein "Schaulaufen" oder eine "Schön-Wetter-Veranstaltung", betonte Steiner. Ihm gehe es darum, die Argumente der Almbauern zu hören, um einen geeigneten politischen Weg in die Zukunft zu finden.

Aktueller Anlass der Zusammenkunft waren laut Steiner die jüngsten Widerstände gegen die Almbauern im Landtag im Anschluss an die kürzliche Änderung des Bundeswaldgesetzes. Um an EU-Fördergelder für die Almbauern zu kommen, waren ehemalige Berg- und Schutzwälder, die gleichzeitig als Weideland genutzt werden, zu "Nichtwäldern" erklärt worden.

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Diese Widerstände bestätigten Steiner zufolge einmal mehr "den Generalverdacht von Umweltverbänden, selbst ernannten Naturschützern, aber auch Teilen der Politik, dass die Almbewirtschaftung umweltfeindlich ist". Genau das Gegenteil sei aber der Fall, so der Landtagsabgeordnete. Er wies vielmehr auf das Bemühen der Almbauern hin, die einzigartige Kulturlandschaft mit ihrem hohen ökologischen Wert zu erhalten, hochwertige Nahrungsmittel herzustellen sowie die klein strukturierte bäuerliche Landwirtschaft und damit den Tourismus und den Erholungsraum für Einheimische zu stärken.

Um diese harte Arbeit zu unterstützen, forderte Steiner die Möglichkeit einer zeitgemäßen Bewirtschaftung ("Der Almwegebau darf keinen jahrelangen Krieg mehr auslösen.") und eine generelle rechtliche Absicherung der Almwirtschaft. Maria Stöberl, Geschäftsführerin der "Forstberechtigten im Chiemgau", wies in diesem Zusammenhang auf ein uraltes Almgesetz hin, "das in keinster Weise mehr zeitgemäß ist".

Auch der Umgang mit Wolf und Bär gehöre laut Steiner zu den berechtigten Forderungen der Almbauern nach Planungs- und Bewirtschaftungssicherheit. "Mo-mentan haben wir eine ausweglose Situation, denn alles, was gemacht wird, ist falsch", bedauerte der Überseer. Gleichzeitig warnte er aber vor Scheindebatten, die an der Realität vorbeigingen.

Das größte Problem in Sachen "Wolf" ist nach seinen Worten der teilweise nur etwa 15 Kilometer schmale bayerische Alpengürtel. Hier einen Lebensraum für den Wolf ins Auge zu fassen, der täglich 30 bis 40 Kilometer unterwegs ist, sei schlichtweg absurd.

"Lebensraum für Wolf einfach zu klein"

Das Gebiet sei nicht nur dicht besiedelt, sondern auch ein stark genutzter Wirtschafts- und Tourismusraum mit breit gefächerten Freizeitangeboten, wie Fahrrad- und Wanderwegen, Loipen, Pisten und vieles mehr.

Hinzu kämen die großen Verkehrsachsen, wie die Inntal-Autobahn, Bundes- und Kreisstraßen. "Bär Bruno soll allein dreimal die Autobahn überquert haben", sagte Steiner. Man tue dem Wolf keinen Gefallen, denn man habe einfach keinen Lebensraum für ihn.

Völlig unvereinbar mit einem Wolfsgebiet sieht der CSU-Politiker die Weidewirtschaft. Neben 40 bereits gerissenen Schafen, machten vor allem in Panik geratene und abgestürzte Rinder Sorgen. Wirksame Vorsorgemaßnahmen wie Schutzzäune, Hirten oder Hunde sind nach Steiners geschilderten Expertenmeinungen mit einem zu großen Aufwand an Kosten, Arbeit und Personal verbunden. Auch Entschädigungszahlungen lösten das Problem nicht, "weil die Almbauern statt Geld ihre Herden aufbauen und Zuchterfolge sehen wollen".

Auf die Folgen von Schaf- und Wildrissen, Rinderabstürzen, Einbrüchen in Wildgatter und Herdenberunruhigungen wies Georg Mair, Vorsitzender der oberbayerischen Almbauern, hin: "Da wird ein ganzer Berufszweig total wegbrechen." Langfristig sah der Schlechinger Bürgermeister Sepp Loferer noch schlimmere Folgen voraus. Nach den Einbußen in der Almwirtschaft befürchtet er Einbrüche im Tourismus, die Aufgabe von Höfen und letztlich sogar massive Abwanderungen. Wie etliche andere Almbauern, kritisierte der Bürgermeister zudem die fachfremden Entscheidungsträger in München.

Mit dem Tierschutz brachte Tierarzt Dr. Grimm einen zusätzlichen Aspekt in die Diskussion. Bei den durchaus üblichen Mehrfachrissen von bis zu sieben Schafen pro Angriff, würden die Tiere grausigst zerfetzt. Oft könnten schwer verletzte Tiere noch flüchten und litten tagelang Höllenqualen bis endlich der Tod eintrete. Darüber hinaus wies der Tierarzt auf die stets präsente Tollwut-Gefahr durch den Wolf hin.

Andere Diskussionsbeiträge befassten sich mit den Gefahren für Bergwanderer und Mountainbiker oder regten eine Bildungsoffensive "Landwirtschaft" für die Stadtbevölkerung an, um breitere Bevölkerungsschichten für die Problematik zu sensibilisieren.

vd/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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