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Wird schon der kommende Winter zum Problem? Wie lange das Gas noch reicht

Was wird aus den Gas-Preisen?
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Was wird aus den Preisen? 

Russland drosselt die Gas-Exporte, die deutsche Energiepolitik purzelt durcheinander. Alte Kohlekraftwerke werden nun reaktiviert, über die Kernkraft wird neu gestritten. Wird schon der kommende Winter zum Problem?

München/Berlin – Robert Habeck gibt das Kohle-Kommando. Auf Geheiß des grünen Bundeswirtschaftsministers sollen sich alle Betreiber von Kohlekraftwerken darauf gefasst machen, ihre Anlagen wieder hochzufahren. „Das ist bitter, aber es ist in dieser Lage schier notwendig, um den Gasverbrauch zu senken“, sagt Habeck. Ein Überblick über die Lage:

Wie voll sind die Gasspeicher? Die Gasspeicher in Deutschland sind zu rund 57 Prozent gefüllt. Das neue Gesetz schreibt einen Füllstand von 80 Prozent zum 1. Oktober, von 90 Prozent zum 1. November und von 40 Prozent zum 1. Februar vor. Mit dem Gesetz werden die Speicherbetreiber in Deutschland verpflichtet, ihre Lager schrittweise zu füllen.

Und wie lange reicht das? Laut dem Branchenverband Ines können die Speicher in Deutschland insgesamt Gas mit einem Energiegehalt von maximal rund 256 Terawattstunden speichern. Das entspricht etwa einem Viertel des jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland. „Dieses Speichervolumen allein kann Deutschland zwei bis drei durchschnittlich kalte Wintermonate mit Gas versorgen“, sagt die Bundesregierung. Der derzeitige Füllstand würde im Winter also gut ein bis anderthalb Monate reichen – theoretisch. Denn zu beachten ist, dass dieser Verbrauch bei einer „Gasmangellage“ noch deutlich sinken würde; die Preise steigen ja auch stark. Hinzu kommt, dass bei einem Wegfall russischer Gaslieferungen weiterhin Pipeline-Gas etwa aus Norwegen und den Niederlanden fließen dürfte; vielleicht auch verflüssigtes Erdgas (LNG) über Anlande-Terminals im Ausland.

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Warum hilft es, jetzt Kohlekraftwerke zu aktivieren? Gas steht dann im Winter zum Heizen zur Verfügung und für in der Industrie unablässige Prozesse, statt dass es für die Stromgewinnung genutzt wird. Habeck will deshalb möglichst schnell Kohlekraftwerke, die nur eingeschränkt laufen, demnächst stillgelegt werden sollen oder sich in einer Reserve befinden, aktivieren. Ein Gesetz soll laut Ministerium am 8. Juli vom Bundesrat beschlossen werden. Die Reserve-Braunkohle-Kraftwerke könnten in einem relativ überschaubaren Zeitraum wieder angefahren werden, sagt die Chefin des Energie-Verbandes BDEW, Kerstin Andreae.

Wie viel bringt das? 2022 sollten ursprünglich Braunkohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1694 Megawatt stillgelegt werden sowie Steinkohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 3173 Megawatt. Dazu kommen 3444 Megawatt von bereits stillgelegten Kraftwerken, die als Reserve für Versorgungsengpässe quasi auf „Standby“ stehen. Zum Vergleich: Die drei letzten Atomkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim und Emsland, die spätestens zum Jahresende vom Netz gehen, bringen eine Nettoleistung von 4055 Megawatt.

Ist das der Abschied vom Kohleausstieg 2038? Nein, der stärkere Einsatz von klimaschädlichen Kohlekraftwerken soll laut Gesetzentwurf bis März 2024 begrenzt sein. Bis zum Sommer 2024 könnte der Anteil russischen Gases nach früheren Angaben des Ministeriums schrittweise auf 10 Prozent des Verbrauchs in Deutschland gedrückt werden. Derzeit liegt er bei 35 Prozent, vor dem Ukraine-Krieg bei 55. An einem früheren Kohleausstieg will Habeck nicht rütteln. Die Ampel will diesen „idealerweise“ auf 2030 vorziehen.

Was wird aus den Preisen? Der Energieexperte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geht trotz der Kohlekraftwerke von weiter steigenden Gaspreisen aus. Sollte es zu einer weiteren Reduzierung der Gaslieferungen aus Russland oder gar einem Lieferstopp kommen, werde es „einen erheblichen Druck auf die Gaspreise geben“. Sieverding hält eine Verdrei- oder gar Vervierfachung der Endkundenpreise gegenüber dem Vorkrisenniveau für möglich. „Es droht sehr schlimm zu werden.“

(mit Material der dpa)

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