Wiesn: Stadt ist bei hohen Preisen machtlos

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Gabriele Weishäupl, Oktoberfest-Chefin, setzt auf Selbstkontrolle der Wirte.

München - Die Stadt kann nichts gegen hohe Reservierungskosten auf dem Oktoberfest tun. Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl stellt klar, dass man den Wirten keine Preise diktieren könne.

Stattdessen setzt sie auf eine „freiwillige Selbstkontrolle“.

Die Stadt wünsche sich natürlich eine „vernünftige Preisgestaltung“ der Oktoberfest-Wirte, sagte Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD). „Aber wir können keine Preise festlegen – das ist schon kartellrechtlich ausgeschlossen.“ Der Stadtrat könne lediglich bei den Einzelpreisen für Bier, Hendl und andere Produkte prüfen, ob „der Tatbestand des Wuchers vorliegt“. Das sei jedoch nicht der Fall. Welchen Mindestverzehr ein Wirt in seinem Zelt für eine Reservierung verlange, könne die Stadt dagegen nicht beeinflussen.

So sieht es auch Tourismusamts-Chefin Weishäupl, die die hohen Reservierungspreise aber kritisiert. Einige kleine Wiesn-Zelte verlangen bis zu 80 Euro pro Person für einen Tisch am Abend. „Wir sind keine Preisfestsetzungsbehörde“, betonte Weishäupl. Sie habe die Wirte aufgefordert, das Tourismusamt bis zum 14. August über ihre Reservierungspraxis zu informieren. Sie werde die Angaben der Wirte dann an den Stadtrat und die Öffentlichkeit weitergeben. So könne die Stadt überhöhte Reservierungspreise aufdecken, wenn sie sie schon nicht verhindern könne. „Ich war selbst überrascht, als ich von den Preisen gehört habe“, sagte Weishäupl.

Die Wiesn-Chefin will nun an die Vernunft der Wirte appellieren. Bei einem Runden Tisch will sie anregen, „dass man mit dem persönlichen Preisgebahren den guten Ruf der Wiesn stützt“. Sie könne sich beispielsweise eine „freiwillige Selbstkontrolle“ der Wirte vorstellen. Über die Verträge der Stadt mit den Wirten lasse sich jedenfalls nicht festschreiben, zu welchen Bedingungen Wirte Tische reservieren dürfen.

Stadtrat Schmid hat aber auch Verständnis für die Nöte der kleinen Wiesn-Wirte. „Man kann die großen und die kleinen Zelte nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen.“ Die Wirte der großen Zelte verlangen in der Regel lediglich einen Mindestverzehr im Wert von zwei Mass Bier und einem halben Hendl pro Person.

Spitzenreiter bei den Preisen für eine Abendreservierung sind das Wein- und das Käferzelt, die jeweils 80 Euro pro Person im Voraus verlangen. Aber auch in Zelten, in denen sich nicht nur die Münchner Prominenz trifft, ist ein sicherer Sitzplatz teuer. In die Kritik war vor allem das Ammer-Zelt geraten, in dem Wirt Sepp Schmidbauer 65 Euro pro Person verlangt. „Dafür bekommt der Gast auch ein dreigängiges Menü serviert“, rechtfertigt er den Preis.

Philipp Vetter

Quelle: Oktoberfest live

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