Die Wiesn vor dem Kollaps

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Wegen Überfüllung geschlossen: Am Samstagnachmittag forderte die Festleitung ankommende Besucher auf, wieder nach Hause zu fahren.

München - Dramatische Appelle in der U-Bahn, bedrückende Enge auf dem Festgelände: Am Wochenende drängten viel zu viele Gäste auf die Wiesn. Selbst Gabriele Weishäupl nannte die Besuchermassen „grenzwertig.“

Sie hatte es kommen sehen. „Ich rechne mit einem gewaltigen Ansturm am letzten Wochenende, das hab’ ich im Gefühl“, hatte Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl prophezeit. Und tatsächlich: Am Samstag kamen sogar so viele Menschen auf die Wiesn, dass Polizei und Festleitung die Notbremse ziehen mussten.

Ab 16 Uhr forderten Durchsagen die ankommenden Wiesnbesucher schon in der U-Bahn zum Umkehren auf. „Fahrt’s wieder nach Hause, das ist kein Witz, das ist eine Durchsage der Münchner Polizei und der MVG. Dreht’s um!“, schallte es aus den Lautsprechern. „Kommt an einem anderen Tag wieder!“ Doch kaum jemand reagierte.

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

An den Zelteingängen ging schon seit dem frühen Morgen nichts mehr. Bereits um halb neun mussten die ersten Zelte wegen Überfüllung schließen. Selbst auf den kleinen Versorgungsstraßen drängten sich die Massen so dicht, dass man sich nur in der Menge mittreiben lassen konnte.

„Wir waren überall draußen, um Strömungen zu erkennen“, erklärt Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Per Hubschrauber verschafften sich die Beamten einen Überblick von oben. Und die 17 Videokameras auf dem Festgelände lieferten Bilder direkt aus dem Gedränge.

Auch über die Radiosender ließen Polizei und Festleitung am Nachmittag verbreiten, dass niemand mehr auf die Wiesn kommen soll. Die Münchner Verkehrsbetriebe mussten immer wieder den U-Bahnhof Theresienwiese schließen, weil der Bahnsteig völlig überfüllt war. „Wir hatten allein am Samstag 279 Einsätze“, sagt Wenger. „Das war die größte Zahl Einsätze, aber eine normale Wiesn.“

Das sieht Weishäupl ein wenig anders. Sie muss lange zurückdenken, wann sie zum letzten Mal einen solchen Ansturm auf die Wiesn erlebt hat. „Vor 14 Jahren gab es schon einmal einen Samstag wie diesen“, sagt sie. „Damals war das Fest an seinen Grenzen, heute ist es wieder so grenzwertig.“ Damals sei auch noch ein Heimspiel des FC Bayern im Olympiastadion dazugekommen.

Heuer platzte die Wiesn am letzten Samstag auch ohne Fußballfans aus allen Nähten. „Das heute sind zu viele Leute, das ist klar“, sagt Weishäupl. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, der mittlere Wiesnsamstag sei der besucherstärkste, hätten die vergangenen Jahre gezeigt, dass stets am letzten Samstag noch mehr Menschen auf die Theresienwiese drängten.

„Bei mehr als 500 000 Besuchern wird’s brenzlig“, sagte Weishäupl. Am Samstag kamen bis zu 600 000, ein Spitzenwert auch im Vergleich zu den letzten Wiesn-Samstagen der vergangenen Jahre. Wie ernst die Lage war, zeigt auch, dass zusätzlich zur täglichen Sicherheitsbesprechung mit Vertretern aller Behörden, eine weitere Sitzung um 17.30 Uhr einberufen worden war.

Die Historische Wiesn auf dem Südteil der Theresienwiese musste die Polizei kurzzeitig sogar sperren. Zwischen 14.15 und 15 Uhr waren die Kassen geschlossen, es gab keine weiteren Eintrittskarten. „Das war allerdings keine Reaktion auf die Situation innerhalb der Historischen Wiesn“, sagt Organisator Gerhard Hickel. Vielmehr hätten sich die Besucher rund um den Eingang und die Kassenhäuschen zu sehr gestaut. „Hier drin war es immer noch wie auf einer kleinen Insel.“ Insgesamt kamen am Samstag mehr als 43 000 zahlende Besucher auf die Historische Wiesn - so viele wie noch nie.

Philipp Vetter und Bettina Link

Quelle: Oktoberfest live

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