Gefälschtes OP-Besteck auf der Wiesn-Wache?

München - Auf der Wiesn 2010 sollen chirurgische Instrumente mit gefälschtem Prüfsiegel zum Einsatz gekommen sein. Jetzt hat die Stadt München Anzeige gegen die Produktionsfirma erstattet.

Das Rote Kreuz wollte voriges Jahr auf der Wiesn alles besser machen, nachdem das städtische Gesundheitsreferat (RGU) 2009 Hygienemängel auf der Sanitätsstation entdeckt hatte. RGU und BRK setzten auf Einweg-Instrumente. Jetzt ist der Lieferant aber ins Zwielicht geraten, es gibt Zweifel, ob die Geräte steril waren. Rostige Scheren, angebrochene ungekühlte Salben und unverpackten Mullbinden waren dem RGU 2009 bei einer Kontrolle auf der Wiesn-Wache des BRK aufgefallen. Alles sollte besser werden, darum schrieb das Amt dem BRK 2010 vor, Einweg-Geräte zu verwenden.

Als Lieferant für Scheren, Pinzetten, Klemmen und Tupfer wählte das BRK die Medizinproduktefirma Batu Medical AG, die auch die Residenz-Klinik am Odeonsplatz belieferte, nachdem es dort ebenfalls Hygienemängel gab.

So haben Sie die Wiesn noch nie gesehen

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Das Schönheitsinstitut ging pleite, Batu-Chef Frank Turau wollte es weiterführen. Doch jetzt hat er erstmal mächtigen Ärger am Hals. Die Firma hatte angegeben, ihre in Pakistan produzierten Medizinartikel würden von der Firma Medcert zertifiziert – dumm nur, dass dort die Firma Batu nie als Kunde geführt wurde.

Auch das RGU fiel auf die Zertifikate herein. Gesundheitsreferent Joachim Lorenz: „Sollte sich nun herausstellen, dass es sich um gefälschte Zertifikate handelt, dann ist dieses Vorgehen an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten.“ Das RGU erstattete am Freitag Strafanzeige wegen des Verdachts des Betrugs, der Urkundenfälschung sowie des Verstoßes gegen das Medizinproduktegesetz und verständigte die Regierung von Oberbayern als übergeordnete Behörde.

Das BRK übergab seine verbliebenen Batu-Bestände einem Sachverständigen, der nun prüft, ob die Instrumente steril sind. Auch wenn es keine Hinweise auf eine Verschmutzung der Geräte gebe, sagt BRK-Sprecher Peter Behrbohm: „Wir sind sehr besorgt.“ Batu-Chef Turau wollte sich gegenüber der tz nicht äußern: „Keine Auskunft, danke!“

Johannes Welte

Quelle: Oktoberfest live

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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