Leben aus den Fugen geraten

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Wasserburg - Der Streit um einen Polizeieinsatz im August 2012 in der Wasserburger Innenstadt hat einen traurigen Höhepunkt gefunden. Die beteiligte Frau (32) wollte sich am Wochenende das Leben nehmen!

Die Frau, die angeklagt ist, Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet zu haben, wollte sich am Wochenende das Leben nehmen. "Aus Verzweiflung", so ihr ebenfalls angeklagter Lebensgefährte.

Lesen Sie auch:

"Seit August ist unser Leben auf den Kopf gestellt. Und seit dem Wochenende ist nochmal alles schlimmer geworden." Der 52-jährige Wasserburger fragt sich derzeit häufig, was passiert wäre, wenn er an jenem Abend im vergangenen August mit seiner Lebensgefährtin einfach zu Hause geblieben wäre. Oder mit ihr in ein anderes Lokal gegangen wäre. Oder früher nach Hause gegangen wäre. "Wäre, wäre, wäre - letztlich bringt uns diese Überlegung heute auch nicht weiter", sagt er resigniert.

Voraussichtlich im Frühjahr - ein genauer Termin steht laut Amtsgericht Rosenheim noch nicht fest - muss er sich wegen versuchter Körperverletzung und Widerstands gegen Polizeibeamte vor Gericht verantworten, seiner 32-jährigen Lebensgefährtin wird außerdem noch versuchte Gefangenenbefreiung vorgeworfen.

In einer ersten Verhandlung hatten die Beamten selbst bereits ihre ursprünglich erhobenen Anschuldigungen, vor allem gegen die 32-Jährige, erheblich abgeschwächt. So habe die 37 Kilo schwere und knapp 1,50 Meter kleine Frau beispielsweise nur mit den Beinen gestrampelt und nicht - wie in der Anklage formuliert - versucht, dem Beamten "ihr Knie in den Unterkörper zu rammen."

Auch der 52-Jährige, der an jenem Sommerabend laut eigener Aussage nur einen Streit zwischen Jugendlichen und den Polizisten hatte schlichten wollen und so ins Visier der Beamten geraten war, kann sich nach den jüngsten Zeugenaussagen durchaus Hoffnung auf einen Freispruch machen.

Was jedoch schon nach der damaligen Verhandlung klar war: Die 32-Jährige leidet sehr unter den gegen sie erhobenen Vorwürfen. "Bis zu diesem Abend haben wir ein ruhiges, zufriedenes Leben geführt", erinnert sich der Lebensgefährte. Beide seien bis damals noch nie mit der Polizei in Konflikt geraten, hätten sich noch nie etwas zu Schulden kommen lassen. "Seitdem aber hat sich alles radikal geändert." Vor allem die 32-Jährige fühle sich "wie in einem Kugelhagel".

Ein Bild aus glücklichen Zeiten: Doch seit August hat sich das Leben dieses Paares radikal geändert.

Nicht nur die Tatsache, dass sie als "Schlägerin" dastehe und dafür oft sogar angefeindet werde, habe ihr zu schaffen gemacht. Auch die finanzielle Belastung, die mit dem Prozess einher geht, trieb die Frau laut ihrem Freund in die Verzweiflung. "Unsere Rechtsschutzversicherung zahlt nur für Streitfälle, bei denen wir der Kläger sind", erklärt der Wasserburger. Bislang hätten die beiden - als Beschuldigte - ihre Anwälte daher aus eigener Tasche bezahlen müssen. Für die 32-Jährige, die ihr Geld als Servicekraft in einem Restaurant verdient, sind 1000 Euro daher sehr viel Geld. "Sie spart wie verrückt", sagt ihr Freund. "Aber wir wissen ja alle nicht, wie lange sich die Sache noch hinzieht!"

Warum die Staatsanwaltschaft bei der ersten Verhandlung im Februar das Angebot des Verteidigers, gegen eine sogenannte Geldauflage das Verfahren gegen die Frau einzustellen, nicht angenommen hatte, wollte sie gestern nicht kommentieren. "Im Moment nehmen wir alle Vorwürfe in Sachen Polizeigewalt sehr ernst - und zwar in beiden Richtungen", erklärt ein Sprecher. Er sei sicher, "dass in dem Fall ein angemessenes Urteil fallen wird".

Dass die junge Frau dieses noch erleben wird, ist laut ihrem Lebensgefährten nur sehr viel Glück zu verdanken. "Es war knapp", sagt er, "es ist ihr einfach alles zu viel geworden." In der Nacht zum Freitag gegen 4.30 Uhr hatte er erleben müssen, wie seine Partnerin vom Rettungsdienst aus der gemeinsamen Wohnung getragen wurde. Mittlerweile sei die 32-Jährige wieder zu Hause und versuche sich zu erholen.

Stefanie Zipfer (OVB-Heimatzeitungen)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Privat/pa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion

Live: Top-Artikel unserer Leser