„Wer schlägt, der geht!“

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Rosenheim - Zehn Jahre Gewaltschutzgesetz in Deutschland. Auch in Rosenheim möchten die Beauftragten der Polizei für Frauen und Kinder diese besser vor Gewalt schützen.

Das Jahr 2012 zählte gerade einmal zwei Tage, da war bereits das erste Todesopfer in Folge von häuslicher Gewalt zu beklagen. In Mühldorf wurde eine 35-jährige Frau von ihrem Partner im Streit erstochen.

Im vergangenen Jahr ereigneten sich im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 1.207 Fälle von Gewalt zwischen (ehemaligen) Lebenspartnern, davon vier mit tödlichem Ausgang.

Eine Vielzahl, der mit 85% überwiegend weiblichen Opfer, erlitten Körperverletzungen bzw. mussten sexuelle Handlungen bis zur Vergewaltigung erdulden. Einige waren nach Ende der Beziehung auch massiven Nachstellungen (Stalking) durch den Ex-Partner ausgesetzt.

Was können Opfer tun, um derartige Gewalt und deren Folgen in ihrem Leben zu verhindern?

Stellen Sie einen Antrag nach dem Gewaltschutzgesetz!

Das 2002 geschaffene Gewaltschutzgesetz räumt dem Opfer ein, gerichtliche Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt und Nachstellungen zu beantragen und Ansprüche auf eine gemeinsam genutzte Wohnung geltend zu machen. Nach dem Motto „Wer schlägt, der geht“ kann das Gericht dem Täter z.B. verbieten

  • die (gemeinsame) Wohnung zu betreten oder sich im Umkreis dieser aufzuhalten
  • bestimmte Orte aufzusuchen, an denen sich das Opfer gewöhnlich aufhält
  • Kontakt zum Opfer aufzunehmen mittels Email, Fax, SMS, Telefon usw.
  • ein Zusammentreffen mit dem Opfer herbeizuführen.

Diese sogenannte Schutzanordnung/Kontaktverbot ist befristet (drei bis sechs Monate, Folgeanträge sind möglich). Die Opfer oder deren Rechtsvertretung können den dazu erforderlichen Antrag beim Familiengericht des jeweils zuständigen Amtsgerichts stellen (Rechtsantragstelle).

Was ist, wenn der Täter sich nicht an die Anordnung hält?

Letztes Jahr wurden 60 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd verfolgt, weil der Täter sich nicht an die Auflagen gehalten hatte. Dem Täter droht dann neben einer Geldstrafe nämlich auch eine Freiheitsstrafe! Voraussetzung für eine gerichtliche Ahndung ist allerdings, dass das Opfer von selbst keinen Kontakt zum Täter aufnimmt und Zuwiderhandlungen konsequent bei der Polizei anzeigt.

Die Beauftragte für Frauen und Kinder beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd, Kriminalhauptkommissarin Katharina Spöttl, Tel. 08031/2001088, informiert Betroffene von häuslicher und/oder sexueller Gewalt sowie Stalking über den Ablauf eines Strafverfahrens, über Opferrechte und gibt individuelle Verhaltenstipps für mögliche Gefährdungssituationen. Sie stellt auf Wunsch den Kontakt zu anderen Polizeidienststellen oder zu externen Beratungsstellen oder zu Frauenhäusern her.

Wichtig ist, dass ein Opfer sich möglichst frühzeitig an eine dieser Stellen wendet. Gerade in Trennungssituationen besteht für das Opfer eine erhöhte Gefahr vom Ex-/ Partner verletzt oder getötet zu werden.

Zögern Sie daher nicht die „110“ zu wählen und die Polizei zu rufen, wenn Sie sich in einer akuten Gefahrensituation befinden!

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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