Weihnachtsaktion der OVB-Heimatzeitungen

Zwei Lausbuben mit viel Charme

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Vincent und Frederik (rechts): Die beiden Lausbuben eroberten die Herzen des Lehrerteams im Sturm.

Oberaudorf - Ihr Schicksal hat sie zusammengeschmiedet: Frederik und Vincent sind Downsyndrom-Kinder. Von klein auf besuchten die Buben gemeinsam Förder- und Spielgruppen, Kindergarten, Schule.

Seit Herbst erobern die beiden Lausbuben mit ihrem Charme die Herzen des Lehrerteams der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal im Sturm.

Es wäre falsch, die Dinge mit einer rosaroten Brille zu sehen. Natürlich sei die Diagnose, die die Ärzte gleich nach der Geburt gestellt haben, für die ganze Familie vorsichtig formuliert "relativ schwierig" gewesen, erinnert sich Frederiks Mama Gaby Dahnk. Ihr Kopf war voller Fragen: Wie soll das Leben weitergehen? Können wir ein normales Familienleben führen? Was ist mit den Geschwistern? Was kommt auf uns zu? Wird mein Sohn je als vollwertiger Mensch gesehen?

Die Gesellschaft tue sich schwer mit Behinderten, stellt die Mutter fest. Die schönsten Erlebnisse, etwa mit einem Neugeborenen im Kinderwagen durch die Stadt zu spazieren, hätten ihren Zauber verloren. Wie kleine Nadelstiche beschreibt sie damals durchaus gut gemeinte Bemerkungen wie: "Der schaut ja gar nicht so schlimm aus."

Gerade deshalb sei eine "gelebte Inklusion", wie sie an der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal praktiziert werde, so wichtig, betont sie. Die Kinder müssten von klein auf den Umgang mit behinderten Menschen oder Menschen mit besonderen Fähigkeiten lernen. Es gehe darum, Berührungsängste in der Gesellschaft abzubauen - und das schon frühestmöglich in der Kindheit.

Auch in diesem Punkt setzt sich die neue Private Grundschule, der die OVB-Weihnachtsaktion "Menschen mit Behinderung mitten unter uns" gewidmet ist, von bisherigen Konzepten ab: Hier wird bewusst der Kontakt zur Dorfgemeinschaft gesucht. Jüngstes Beispiel ist die Teilnahme der "Musik AG" am großen Kinderkonzert "Tönchen, Töne, Tannenduft". Den Auftritt in der übervollen Oberaudorfer Pfarrkirche bewältigten behinderte und nicht-behinderte Kinder mit Bravour.

Der Weg ins Leben begann für Vincent mit einem dramatischen Kampf gegen den Tod. Er kam mit dem für Downsyndrom-Kinder typischen Herzfehler zur Welt: Nur eine aufwendige Herz-OP, die aufgrund der Gefäßentwicklung noch vor dem sechsten Lebensmonat im Münchner Herzzentrum durchgeführt werden musste, rettete dem Buben das Leben. Mutter Vera Stalla: "Die ersten Monate nach der Geburt begleitete uns Stunde um Stunde, Tag für Tag die Angst, Vincent könnte sterben. In dieser Extremsituation war seine Behinderung für uns zweitrangig. Uns beschäftigte die eine Frage: Wird unser Sohn überleben?" Das Wunder geschieht. Sogar zwei Blutvergiftungen übersteht der Bub.

Heute, neun Jahre später, empfindet Vera Stalla diese Erfahrung von Krankheit und Todesnähe als tief prägend. "Man sieht das Leben anders", sagt die dreifache Mutter.

Nicht der gerade Weg, sondern der Umweg sei das Normalste auf der Welt, so ihre Überzeugung. Zusammen mit seinem Freund Frederik geht Vincent jetzt in der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal einen neuen Weg. Vincent und Frederik fühlen sich in der Schule "absolut angenommen", wie es Vera Stalla formuliert. Die gesamte Familie befinde sich deshalb derzeit in einer "Hochphase". Die neue Schule markiere für alle einen neuen Lebensabschnitt. Vincent müsse sich nicht mehr verbiegen, müsse sich nicht mehr verändern, um am Schulleben teilhaben zu können. Der Bub kann so sein wie er ist.

Die neue Schulstunde beginnt: Frederik bleibt im Klassenzimmer, Vincent muss zum Turnen in die Turnhalle. Kurz umarmen sich die Buben, dann sausen sie den Gang entlang. Beide winken sich noch schnell lachend zu - sie wissen um das feste Band ihrer Freundschaft.

eg/OVB-Heimatzeitungen

Quelle: rosenheim24.de

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