Action: Bei Stefan raschelt es im Karton

+
Ein Wasserburger ganz unsichtbar! Der Geräuschemacher eines Filmstudios in München erzählt über seine Lieblingsbeschäftigung
  • schließen

Wasserburg – Mitten in einem Café in der Altstadt saugt Stefan alle Geräusche der nahen Umgebung auf. Er atmet tief durch und meint euphorisch: Ich fühl mich wie in meinem Studio. Gibt es auch stille Momente in seinem Job?

Donnern, galoppieren, knistern. Die Welt eines Spinners mit zu viel Fantasie? Keineswegs. Stefan ist Geräuschemacher in einem großen Filmstudio. Fantasie ist hier tatsächlich gefragt, muss sich Stefan doch genau überlegen, mit welchem Hilfsmittel er welches Geräusch einer Szene schenkt. Mittlerweile hat der Wasserburger wieder gut zu tun, doch seine Zunft wurde kurzzeitig etwas überschaubar.

„Bis vor 15 Jahren waren Geräuschemacher besonders wichtig für Film und Fernsehen, langsam werden aber immer weniger Menschen gebraucht, weil vieles oft direkt vom Computer über sogenannte Audioarchive kommt“, erklärt der 47-Jährige. Stefan war sich eigentlich sicher, dass sein Beruf zukunftssicher sein werde. „Geräusche werden schließlich immer gebraucht bei Film und Fernsehen“, erinnert sich Stefan. Doch in den vergangenen Jahren habe es kurzzeitig mal Angstsituationen gegeben. „Einige Produktionsleiter haben gemeint, dass die Geräusche auch einfach mit einem Computerprogramm gemacht werden könnten und wir Profis austauschbar seien“, erzählt der 47-jährige Wasserburger gegenüber wasserburg24.de.

Die Wichtigkeit der menschlichen Geräuschemacher stehe mittlerweile aber wieder außer Frage, ist Stefan überzeugt. „Die Auftragsbücher füllen sich, weil ein Mensch sich viel besser auf bestimmte Szenen einstellen kann und diese authentischer mit Geräuschen bespielt, als es aus der Konserve je möglich sein wird“. Nicht nur im Bereich der Hörspiele und Werbefilme sind Geräuschemacher wichtig, auch bei großen Filmproduktionen oder im TV tragen sie einen wichtigen Teil dazu bei, dass ein Film ansprechend wirkt.

„Das beste Beispiel ist eindeutig das durch den Schnee stapfen“, erklärt Stefan im Gespräch mit wasserburg24.de. Es müsse richtig knirschen, wenn der Schuh auf den Schnee treffe und sich das Geräusch in die Herzen des Filmpublikums bohre.

Welche Hilfsmittel müssen sein

Bilder müssen lebendig werden, doch mit welchen Materialien macht Stefan seine Geräusche? „Meist gilt es auszuprobieren, und vor allem, selbst gut zuzuhören“ ist sich der 47-Jährige sicher. In jede Szene müsse man sich als Geräuschemacher einfühlen, um dann mit Händen und Füßen die hörbaren Signale zu setzen, die oft über Spannung oder Langeweile beim Zuschauer entscheiden können. Den Spaziergang im Schnee mache er mit einem Beutel voll Speisestärke, den er gemütlich vor sich hin knete. Mit einem grobzackigen Kamm fährt er über den Rand eines Wäschekorbes, um eine Handbremse zu simulieren. Eine simple Papprolle benutzt Stefan, um einem gefährlichen Löwen Stimme zu geben, mit dem Daumen fährt er über die Innenseite eines nassen Weinbrandglases, um einen Frosch quaken zu lassen.

Der Klassiker: Pferdegalopp wird mit zwei Kokosnussschalen hergestellt, diese hufähnlich auf Sandsäcken bewegt, die Säcke liegen auf einer Steinplatte. „Ich bin zwar der Mann im Hintergrund, aber ich fühle mich als Teil des Filmteams, quasi als unsichtbarer Darsteller“, grinst Stefan am Kaffeetisch.

„Ich muss grade so schmunzeln, weil die Bedienung Turnschuhe mit weicher Sohle anhat, so kann man gar nichts von ihren Schritten hören“. Er würde ihr im Studio kräftige Klimperschritte verpassen, dass man beim Gehen gar nichts höre, sei für ihn direkt seltsam, so der erfahrene Geräuschemacher im Interview. Ausgesprochen und schon klirrt es in dem Café. Zwei Tassen und ein Teller fanden an der Theke den direkten Weg zum Fliesenboden. „Wunderschönes Geräusch, nicht wahr“, schwärmt der 47-Jährige. Wirklich still mag er es nach eigener Aussage übrigens nicht besonders gerne. "Ich sauge Lärm förmlich auf und genieße alles, was um mich herum passiert, das bringt mich auf Ideen für meine nächsten Vertonungsprojekte", so Stefan abschließend. Privat schlendert er gerne über Flohmärkte, entdeckt hier hin und wieder tolle Sachen, die er in seinem Sammelsurium der Töne bislang noch vermisst hatte. Abschalten fällt ihm wohl tatsächlich schwer.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser