Auftakt Erörterungstermin DK1-Deponie Odelsham 

Thema Asbest: Rundumschlag gegen Zosseders geplante Deponie

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Asbesteinlagerungen wie hier auf dem Bild in sogeannten "Big Bags" in der geplanten DK1-Deponie in Odelsham beherrschten den ersten Tag des Erörterungstermins. 
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Wasserburg/Babensham - Der erste Tag des Erörterungstermins am 20. Februar in der Wasserburger Badriahalle war geprägt von kontroversen Diskussionen um Beschwerden, Bitten und Forderungen. Ziemlich schnell rückte das umstrittene Thema Asbest in den Mittelpunkt der Debatte. 

Themenseite DK1-Deponie Odelsham 

Am Dienstagvormittag startete der zweitägige themenbezogene Erörterungstermin in der Wasserburger Badriahalle. Vier Vertreterinnen der Regierung von Oberbayern als zuständige Genehmigungsbehörde im Planfeststellungsverfahren DK1-Deponie Odelsham nahmen sich den Einwänden von Behörden, Kommunen, Ämtern und Bürgern an. Viele Stühle blieben leer, im Schnitt waren es rund 50 Zuhörer in der Badriahalle, die kamen und wieder gingen. 

Neben den Mitgliedern der Bürgerinitiative Wasserburger Land sowie der Stadt Wasserburg und der Gemeinde Babensham, jeweils vertreten durch das Umweltnetzwerk Hamburg, meldeten sich unter anderem Vertreter des Bund Naturschutzes, des Landesamts für Umwelt und private Bürger oder betroffene Anwohner zu Wort. 

Firmeninhaber Simon Zosseder selbst war nicht anwesend und wurde von Florian Missmann und Clemens Knoch von der Firma Zosseder Abbruch und Entsorgung GmbH sowie dem technischen Planer der Deponie, Johann Roth, vertreten. 

Asbest spiele "untergeordnete Rolle" in der Bauschutt-Deponie

Mit der Anhörung von Toxikologe Dr. Hermann Kruse über die Gefährlichkeit asbesthaltiger Stoffe rückte das Baumaterial gleich zu Beginn des Erörterungstermin in den Fokus. "Asbest gehört zu den gefährlichsten Stoffen, die in der Umwelt als reines Naturprodukt vorkommen. Die Fasern sind seit 1930 bekannt und in vielen Häusern verbaut. Erst bei Abbrucharbeiten kommen sie zum Vorschein. Das Gefährliche ist dabei nicht die Aufnahme über das Trinkwasser, das weitaus größere Risiko für die Gesundheit von Menschen und insbesondere Kindern liegt im Einatmen des cancerogenen Stoffs", referierte Dr. Kruse, der als Beistand der Stadt Wasserburg anwesend war. 

Missmann bestätigte, dass die Deponie in Odelsham neben Schlacken, Mineralien, Betonabbrüchen und Schotter auch eine "festgeschriebene Menge an asbesthaltigen Baustoffen" aufnehmen soll, "im Großen und Ganzen handelt es sich bei dem geplanten Projekt aber um eine Aushub- und Bauschutt-Deponie, in der Asbest und Betongemische nur eine untergeordnete Rolle spielen". 

Bei einem nutzbaren Deponievolumen von 517.373 Kubikmeter auf 5,6 Hektar Grundstücksfläche seien laut Planer Roth insgesamt 65.000 Tonnen für asbesthaltiges Material eingeplant. "Das entspricht drei Prozent und 2000 Tonnen pro Jahr an Asbesteinlagerung", ergänzte Missmann die Daten. 

Geplant sei, an einem festgelegten Tag in der Woche die Asbestlieferung eines angemeldeten Lastwagen zu verlagern. Die Lieferung erfolge in bereits verpackten "Big Bags", Säcken in zwei Größenvarianten, die als flexible Schüttgutbehälter dienen. Die "Big Bags" müssen dabei laut Missmann "ordentlich verpackt" sein, bevor sie in der Erde abgesetzt und mit Abdeckmaterial zugeschüttet werden können. 

Horror-Szenario: Menschen mit Schutzanzügen neben Kindergartenkindern? 

An diesem Punkt meldete sich eine Anwohnerin der Deponie zu Wort: "Die Big Bags werden auf der Baustelle doch nicht unter Laborbedingungen verpackt - was passiert, wenn fahrlässig gearbeitet wird, ein Sack reißt und die Atmosphäre mit Asbestfasern belastet wird?" 

Bei Störfällen, so erklärte es der technische Planer Roth, werde die Kassette mit der Asbestlagerung komplett unter Wasser gesetzt, sodass sich die Partikel nicht in der Luft verteilen könnten. Außerdem wolle die Firma Zosseder im Falle einer Genehmigung als Betreiber keine unverpackten Asbestpäckchen von externen Firmen annehmen sondern ausschließlich das Material von eigenen Sammelstellen in der Deponie lagern. Aber, so fügte Missmann hinzu: "Keine Tätigkeit schließt einen Störfall komplett aus. Wir gehen von einem Prozent an vorkommenden Störfällen aus." 

An diesem Punkt hakte Günther Kleitsch von der Bürgerinititative Wasserburger Land ein: "Bei dieser Annahme entspräche das in etwa 13 bis 14 Störfälle im Jahr. Ich weise bei solchen Fällen auf die extreme Situation hin, in der Menschen mit Schutzanzügen und Mundschutz 500 Meter entfernt von einem Kindergarten Störfälle bereinigen? Da möchte ich diejenigen sehen, die ihre Kinder noch in diesen angrenzenden Kindergarten bringen. Daher stelle ich einen Antrag, Asbest aus dem gesamten Verfahren auszuschließen."

Eine Anwohnerin schloss sich dem Antrag Kleitschs zum Schutze der Kinder an - schließlich stünden Schulen und Krankenhaus im Umkreis von einem Kilometer Luftlinie zur Deponiefläche. Der Besitzer des angrenzenden Waldstücks befürchtete eine Kontaminierung seines Brennholzes sowie eine Gefährdung für ihn selbst bei Baumarbeiten. Er verlangte Bodenproben zum Vergleich in der Zukunft, um zu sehen, inwiefern die Asbestlieferungen seinen Grund kontaminieren könnten. 

Hans Brunnlechner vom Bund Naturschutz forderte, das Asbestgutachten ein zweites Mal durchzuführen, immerhin habe auch der Toxikologe die Ergebnisse des bestehenden Gutachtens angezweifelt

Ein Anwohner und Mitglied der Bürgerinitiative schlug vor, eine Videoüberwachung auf dem Gelände der Deponie anzubringen und eine Sprinkleranlage für Störfälle einzubauen. Roth erwiderte, er werde beide Vorschläge in die Planungen aufnehmen. 

"Sonst geht es uns wie in Tschernobyl..." 

Ein weiterer Anwohner äußerte im Laufe der Diskussion Bedenken in Bezug auf die Sicherheit der Bürger. "Wie können wir sichergehen, dass auf der Deponie alles ordnungsgemäß abläuft? Werden Störfälle denn auch bekannt gegeben? Sonst geht es uns wie in Tschernobyl, dass die Bürger nicht gewarnt werden im Fall einer Störung, damit keine Panik ausbricht!

Sodann wurde der Ruf nach Kontrollen laut. Das Landesamt für Umwelt als zuständige Überwachungsbehörde erklärte daraufhin, es gebe keine Eigen- und Fremdüberwachung des Betriebs. Der Deponiebetreiber habe eine sehr große Eigenverantwortung

Die Deponieverordnung schreibe dennoch regelmäßige stichprobenartige Kontrollen vor Ort vor, die sowohl angemeldet als auch unangekündigt erfolgen könnten. Sobald Beschwerden mit konkreten Anschuldigen vorliegen würden, folge unverzüglich eine anlassbezogene Vor-Ort-Kontrolle mit entsprechenden Konsequenzen bis hin zur Schließung des Betriebs, sollte sich ein Verstoß der Vorgaben bestätigen.

"2012 war noch von einer Kiesgrube die Rede..." 

Roger Diller von der Bürgerinitative Wasserburger Land sprach gegen Ende des ersten Erörterungspunkts "Fasern" von einer "Salami-Taktik": "Bei der geplanten Deponie handelt es sich nach wie vor um ein unvorstellbares Bauprojekt, zu Beginn im Jahr 2012 war von einer Kiesgrube die Rede, mich interessiert, was sich geändert hat und was denn nun wirklich geplant ist." 

Verena Sperling, Sprecherin der Regierung von Oberbayern erklärte, die Genehmigungsbehörde behandle den Antrag einer DK1-Deponie und betonte zum Schluss ausdrücklich, dass der Erörterungstermin nur der Anhörung diene und zu noch keiner Entscheidung führe. Nachanträge beispielsweise durch die Antragstellerin könnten im Falle einer Genehmigung erfolgen, würden jedoch eine neue Beurteilung und ein neues Antragsverfahren auslösen - je nach Art des Abfalls

Der Erörterungstermin in der Badriahalle läuft ganztägig themebezogen nach folgender Tagesordnung:

  • I. Emissionen/Immissionen Luft und Lärm mit den vier Unterpunkten Fasern, Staub, Lärm und Schwerlastverkehr
  • II. Belange des Gewässer- und Grundwasserschutzes mit den zwei Unterpunkten Deponiesickerwasser und Oberflächenwasser der Deponie
  • III. Voraussetzungen nach Deponierecht mit den sieben Unterpunkten Planrechtfertigugn/Deponiebedarf, Erschließung, Zuverlässigkeit des Deponiebetreibers, Sciherheitsleistung, Standsicherheit, Überwachung und Deponienachsorge/Verantworlichkeit
  • IV. Belange des Naturschutzes mit den fünf Unterpunkten Nähe zu Naturschutzgebieten, Artenschutz, Landschaftsbild, Bodenversiegelung und Rekultivierungskonzept
  • V. Eigentumsbetroffenheiten mit den beiden Unterpunkten Deponiegelände auf Grundstück Fl.-Nr. 1988 der Gemarkung Penzing und Oberflächenentwässerung über Grundstücke Fl.Nr. 1630, 2011 und 2012 der Gemarkung Penzing
  • VI. Bauplanungsrecht
  • VII. Beeinträchtigung Wohnqualität/Wertminderung und Freizeitwert
  • VIII. Belange des Denkmalschutzes
  • IX. Sonstiges

Am Mittwoch, 21. Februar wird der Erörterungstermin um 9 Uhr in der Badriahalle in Wasserburg fortgesetzt. Bürger und Einwänder müssen sich am Eingang ausweisen. 

**Wir bitten um Verständnis, dass wir nicht detailliert über alle Erörterungspunke im Einzelnen berichten können. Ebenso sind Pressevertretern Video-, Film- und Tonaufnahmen von der Regierung von Oberbayern untersagt worden.**

mb

Quelle: wasserburg24.de

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