Erörterungstermin zur DK1-Deponie Odelsham 

Horror-Szenario Abrutsch des Deponiehügels

+
Ist der Untergrund der Fläche, die für die DK1-Deponie geplant ist, wirklich standfest? Es sind noch so einige Fragen diesbezüglich offen. 
  • schließen

Wasserburg/Babensham - Der erste Tag der weiterführenden Erörterung bezog sich vorwiegend auf das Deponierecht. Vor allem die Punkte Standsicherheit der Deponie und die Überwachung des Betriebs rückten in den Mittelpunkt der Diskussion. 

Nachdem im ersten Teil der Erörterung die Frage, wie zuverlässig die Firma Zosseder als Deponiebetreiber ist, behandelt wurde, drehten sich die vier restlichen Unterpunkte am 11. April um die Themen Sicherheitsleistung, Standsicherheit, Überwachung und Deponienachsorge/Verantwortlichkeit

Was passiert eigentlich, wenn ein rund 30 Meter hoher Deponiehügel auf einmal abrutscht? Diese Frage rückte bei Einwender und Anwohner der geplanten Deponie, Hans Brunnlechnerm, rasch in den Fokus. "Im Vergleich mit anderen Bauwerken liegen wir hier in der höchsten Klasse, die den Grundsätzen des Erd- und Grundbaus der Geotechnik untergeordnet ist", erklärte er und untermauerte seine Argumente mit fiktiven Szenarien, die seiner Meinung nach prinzipiell realistisch seien, wenn der natürliche Untergrund sowie die Verfüllungsschicht überlastet seien: "Falls sich Erde in Bewegung setzt, kommt es zu einer Gefährdung für Mensch und Umwelt. Risse erhöhen die Sickerrate, es kann zu Setzungen kommen, welche Basis- und Oberflächenabdeckung sowie die Entwässerung gefährden." 

Alle Inhalte zur DK1-Deponie

Ein Deponiehügel sei, so führte Brunnlechner weiter aus, "technisch aufwendig mit sehr hohen Anforderungen" und gab den Anwesenden einen kurzen Exkurs in die Technik: Der Deponiebetreiber müsse unter anderem immer ein Augenmerk auf Richtlinien und Grundsätze wie bodenmechanische Identifizierung und Klassifizierung, dem Verfüllmaterial an sich, das Spannungs- und Formänderungsverhalten, Bohrungen, Schürfungen oder der Druck- und Raumsondierung haben. 

LfU: "Standsicherheit extrem wichtig"

Christian Posch von der "Chrystal Geotechnik GmbH" hat im Auftrag der Firma Zosseder Gutachten erstellt: "Wir haben vor der Grubenverfüllung den Zustand der Fläche geprüft. Die Standsicherheit an diesem Standort ist - ohne die zusätzliche Deponie-Belastung - generell gut. Die Böden sind tragfähig und haben eine hohe Festigkeit sowie eine geringe Setzungsneigung. Das alles sind günstige Verhältnisse für die Errichtung einer Deponie auf dem Gelände."

Johann Roth, technischen Planer der Deponie, fügte daraufhin an, eine Deponie lebe von dem Standort auf dem sie stehe und Andreas Schweizer vom Landesamt für Umwelt musste sich eingestehen: "Die Standsicherheit ist extrem wichtig. Wir werden Untergrund und Verfüllung nochmals von einem Statiker prüfen lassen, da gerade was die Verfüllung anbelangt, noch einige Fragen offen sind. Im Notfall gibt es immer noch die Möglichkeit des Bodentauschs." Auch in punkto Verdichtung seien laut Roth noch nicht alle Fragezeichen verschwunden.

"Sie haben Planungen, die auf Schätzungen basieren. Mit fiktiven Daten kann man doch keine Genehmigung für die Errichtung einer Deponie erhalten", fragte sich Hans Brunnlechner und erntete dafür Applaus aus den Publikumsreihen. Klaus Koch vom Umweltnetzwerk Hamburg vertritt die Stadt Wasserburg und die Gemeinde Babensham und wetterte: "Ich empfinde es ungeheuerlich, dass die Firma Zosseder ihre Planungen hier nur lückenhaft darstellt." 

Mehrmals Kontrollen auf der Deponie 

Martin Maier vom Landesamt für Umwelt erklärt in Bezug auf die Überwachung, die Behörde werde ein- bis zweimal pro Jahr Überwachungen durchführen. Man könne sogar versichern, dass es - im Falle einer Genehmigung - zu Beginn des Betriebs öfters zu Überwachungen und Kontrollen kommen werde. Außerdem sei der Deponiebetreiber dazu verpflichtet, einen Deponie-Jahresbericht abzugeben. 

Wie Maier auf Nachfrage einer besorgten Anwohnerin versicherte, würden Beschwerden immer bearbeitet und etwaigen Hinweisen auf Missständen nachgegangen werden. "Gibt es konkrete Hinweise, nehmen  wir uns der Sache auf jeden Fall an." 

Die Erörterung wird am 12. April fortgeführt. Interessierte betroffene Bürger sowie Einwender haben die Möglichkeit, den ganztägigen Termin der Erörterung jederzeit zu besuchen. Der Punkt III. "Voraussetzungen nach Deponierecht" wurde am 11. April vollständig abgehandelt. Am Donnerstag wird die Erörterung mit dem fünften Unterpunkt von IV. "Rekultivierungskonzept" um 9 Uhr fortgesetzt.

Die themenbezogene Tagesordnung:

  • I. Emissionen/Immissionen Luft und Lärm mit den vier Unterpunkten Fasern, Staub, Lärm und Schwerlastverkehr 
  • II. Belange des Gewässer- und Grundwasserschutzes mit den zwei Unterpunkten Deponiesickerwasser und Oberflächenwasser der Deponie 
  • III. Voraussetzungen nach Deponierecht mit den sieben Unterpunkten Planrechtfertigugn/Deponiebedarf, Erschließung, Zuverlässigkeit des Deponiebetreibers, Sicherheitsleistung, Standsicherheit, Überwachung und Deponienachsorge/Verantworlichkeit 
  • IV. Belange des Naturschutzes mit den fünf Unterpunkten Nähe zu Naturschutzgebieten, Artenschutz, Landschaftsbild, Bodenversiegelung und Rekultivierungskonzept 
  • V. Eigentumsbetroffenheiten mit den beiden Unterpunkten Deponiegelände auf Grundstück Fl.-Nr. 1988 der Gemarkung Penzing und Oberflächenentwässerung über Grundstücke Fl.Nr. 1630, 2011 und 2012 der Gemarkung Penzing 
  • VI. Bauplanungsrecht 
  • VII. Beeinträchtigung Wohnqualität/Wertminderung und Freizeitwert 
  • VIII. Belange des Denkmalschutzes 
  • IX. Sonstiges

Inhalte der bisherigen Erörterung:

mb

Quelle: wasserburg24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser