Serie: Graffiti in Wasserburg

Graffiti? "Meine Kunst tut keinem weh"

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Graffiti im Stadtgebiet Wasserburg. Ist es Kunst oder Sachbeschädigung?
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Wasserburg – Graffiti in Wort und Bild. Es gibt sie an Unterführungen, Brücken und auch an den Wänden von Parkhäusern. Was für die Stadt Ärger und Arbeit bedeutet, ist für die Macher das Zeigen ihrer Ausdrucksstärke.

„Individuelle Verzierungen“, der Weg, sich auszudrücken, der Spiegel der Seele. Für viele Graffitisprayer ist es ein besonderes Bedürfnis, sich der Öffentlichkeit zu zeigen, und dennoch geheimnisvoll und unentdeckt bleiben zu können. „Mich reizt das Verbotene gar nicht“ erzählt René aus dem Stadtgebiet von Wasserburg. Er hat sich sein Verlangen, sich mit Motiven zu verewigen, bis vor acht Jahren regelrecht selbst gestillt. „Ich war drei Jahre lang ganz wild darauf, mir Skizzen zu zeichnen und diese Motive, die zu meiner Stimmung passten, irgendwo großflächig aufzusprayen“, erzählt René gegenüber wasserburg24.de.“Mir hat es die Bestätigung gegeben, dass ich mich anderen zeigen kann, obwohl niemand wissen sollte und auch immer noch nicht soll, wer ich bin“, betont der mittlerweile 26-Jährige. René ist sich sicher, dass Motive und Bilder malen nicht gleich den Tatbestand der Sachbeschädigung darstellen. „Meine Kunst tut keinem weh“ ist sich der Graffitisprayer sicher. Er verdeutlicht, dass es sehr wohl ein Unterschied sei, ob man Kunst auf die Brückenpfeiler sprühe oder hässliche Sprüche und Parolen. "Mit Menschen, die hetzende Sätze an Wände schmieren, möchte ich nicht in einen Topf geworfen werden", so René.

Wann wird gesprüht?

 „Meist werden die Graffiti-Werke im Dunkeln oder zu besonders früher Morgenstunde gefertigt“, erzählt René. Genau dies mache den Reiz aus, sich einen Standort zu suchen, der im Vorbeifahren gut zu sehen sei oder eben stark frequentiert werde. „Da sind Brücken einfach sehr beliebt“ so der 26-Jährige.

Ein besonderes Erkennungsmerkmal brauche jeder geheime Graffitikünstler, wie er sich selbst bezeichnet. „Egal ob ein Schriftzug, der immer gleich geschwungene Buchstabenformen hat oder ein Bild, das sich mit einem Kürzel wie bei einem Maler einheitlich zeigt, es ist wichtig, dass die eigene Handschrift zu sehen ist“ meint René. Mit dem Sprayen hat er aufgehört, ein Motiv von „Damals“ ist noch da. „Ich fahre manchmal ganz stolz daran vorbei und denke gerne zurück, was ich mich getraut habe und wie viel Spaß und zugleich Nervenkitzel es brachte, dieses Bild entstehen zu lassen“. Er könne die jungen Menschen, die er auch aktuell hinter den Motivsprayern vermutet, verstehen und fordere die Stadt auf, sich mehr über eine legale Möglichkeit der Graffiti-Kulisse Gedanken zu machen und den Unterschied zu sehen, was politische und menschenverachtende Parolen sind und was witzige Motive und harmlose Claims. „Nicht alle Graffitisprayer sind gefährlich oder schaden dem Gemeinwohl“, so René. Manchmal stecke nur die fehlende Ausdrucksmöglichkeit dahinter, die es in einer Stadt wie Wasserburg durchaus geben solle. „Wasserburg ist bunt, heißt es immer. Aber wie bunt darf sie für unsere jungen Menschen wirklich sein“ gibt René abschließend zu bedenken.

Warum der Reiz vor dem Unerlaubten immer wieder sehr groß sei, bringt der junge Mann kurz und knapp: „Nur auf Papier zu malen wäre nicht dasselbe für einen Graffitisprayer“. Es fehle dann an der öffentlichen Darstellung, vorher gebe ein überzeugter Sprayer keine Ruhe.

Im zweiten Teil der Artikelserie wollen wir am Mittwoch die Stadt Wasserburg zu Wort kommen lassen. Die Mitarbeiter haben Arbeit, Mühe und Ärger mit den Graffitis. Außerdem bleibt die rechtliche Frage. Was wird in welcher Form geahndet? Dies erklärt die Polizei am Donnerstag.

Quelle: rosenheim24.de

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