15-Jähriger nach Messerangriff in Gewahrsam

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Albaching - Nachdem er seine Mutter und Polizeibeamte mit einem Messer bedrohte, wurde ein 15-Jähriger in eine psychologische Klinik eingeliefert. Was geschieht mit straffälligen Jugendlichen?

UPDATE 9.45 Uhr: Wie sieht die strafrechtliche Seite aus?

Was passiert mit einem jugendlichen Straftäter, der gerade den „Kinderschuhen“ entwachsen ist? Wie zum Beispiel der Fall des 15-Jährigen aus dem Gemeindebereich Albaching?

Der Tatbestand liest sich umfangreich: Ein 15-jähriger aus dem Gemeindebereich Albaching hat am Mittwoch scheinbar seine Mutter mit einem Küchenmesser attackieren wollen, im Anschluss sperrte er sie in dem Zimmer ein, in das sich die Frau flüchten konnte. Auch die verständigten Polizeibeamten wurden von dem Teenager offenbar mit dem Messer bedroht, anschließend wurde der Teenager von den Polizisten überwältigt. Zu größeren Verletzungen aller Beteiligter soll es nicht gekommen sein.

Was wird dem 15-Jährigen vorgeworfen? Im Gespräch mit der Polizei in Wasserburg erfährt wasserburg24.de, dass es sich um mehrere Tatbestände handelt. „Es wird sehr wahrscheinlich wegen Bedrohung und versuchter Körperverletzung ermittelt“, heißt es von den Beamten der Polizeiinspektion Wasserburg. Weil er seine Mutter eingesperrt habe, werde dem Albachinger zusätzlich auch Freiheitsberaubung vorgeworfen. Ebenso liege eine Bedrohung der Beamten oder aber der Tatbestand des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vor, erklärt ein Polizist weiter. Eine Reihe verschiedener Straftaten sei gegeben.

Keine Untersuchungshaft

„Bei Jugendlichen ist es meist nicht praktisch umsetzbar, eine Untersuchungshaft anzuordnen“, berichtet die Polizei gegenüber wasserburg24.de. „Ihm wurde die Freiheit entzogen, in dem er in einer psychologischen Klinik untergebracht worden ist, die Unterbringung in einem Untersuchungsgefängnis ist in so einem Fall nicht vorgesehen“, erläutern die Experten. Der Teenager sei gerade dem Kindesalter entwachsen, sein Fall werde mit Jugendstrafrecht behandelt, während den Ermittlungsarbeiten bleibe er vermutlich in der Klinik und werde dort betreut. Bis zu einem Alter von 14 Jahren ist ein Kind nicht strafmündig, der 15-Jährige wird jedoch belangt, er muss sich für seine Taten verantworten.

Was passiert in einer psychologischen Klinik mit einem straffälligen Jugendlichen? 

Viele Kliniken halten sich bedeckt, was bei straffällig gewordenen Teenagern gemacht wird. Dr. Rolf Huebner, ein erfahrener Psychologe, der nach seinem Studium seit zehn Jahren in der Forensik mit jugendlichen Straftätern arbeitet, erklärt im Interview mit wasserburg24.de: „Wenn die Polizei uns einen jungen Straftäter in die Abteilung bringt, wird zunächst ein normales Aufnahmeverfahren angewendet." Es werde notiert, welche Vergangenheit und aktuellen Alltag der Patient habe, beziehungsweise hatte. „Es kann aber auch sein, dass wir lediglich von der Polizei einige Informationen erhalten zur jüngsten Vergangenheit oder dem Tatbestand und mehr über den Jugendlichen zunächst gar nicht wissen“, so Huebner. Dann sei es eine klassische Betreuung und die Erarbeitung eines Gutachtens werde besonders wichtig. „Jeder Patient wird bei uns beobachtet und die Besonderheiten des Jugendlichen aufgelistet“, erklärt der Psychiater. Jeder Mensch habe Eigenheiten, und nach bestimmten Situationen muss ein Patient oft erst mit den Ereignissen fertig werden, berichtet Huebner. Es würden ein Gedankengang und auch die Alltagshandlungen genau ausgearbeitet werden, was die Persönlichkeit des straffälligen Jugendlichen ins Detail brächte. „In erster Linie ist es für die weiteren Ermittlungen wichtig, den Jugendlichen besser zu kennen und ein Gutachten zu erstellen“, schließt Huebner seine Ausführungen ab. Sofortige Therapiemaßnahmen kämen vorerst nicht in den Vordergrund.

Im Falle des 15-jährigen Albachingers wird vermutlich so verfahren, wie der Experte erklärt hat, die Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft wurden aufgenommen.

Von Seiten der Gemeinde reagierte man verwundert auf die Tat. „Wir haben es gerade gelesen und können uns bislang gar nicht vorstellen, dass in unserem Ort so etwas geschehen sein soll“ heißt es. Die umliegenden Schulen haben wasserburg24.de mitgeteilt, dass der 15-Jährige nicht Schüler in der Region sei. Vermutlich begann er auch schon eine Lehre, nähere Informationen liegen nicht vor. Ebenso wenig, ob die Familie schon längere Zeit in Albaching wohnt oder erst kürzlich zuzog.

Die Erstmeldung:

Ein Jugendlicher mit 15 Jahren aus dem Landkreis Rosenheim versuchte am Mittwochnachmittag zuerst seine Mutter mit einem Küchenmesser zu attackieren. Als diese in ein Zimmer flüchten konnte, sperrte er sie dort ein. Als die verständigten Polizeistreifen am Anwesen der Familie eintrafen, wurden diese ebenfalls mit dem Küchenmesser bedroht.

Der Jugendliche konnte durch die Beamten überwältigt werden, ohne dass es hierbei glücklicherweise zu größeren Verletzungen kam. Die Hintergründe der Tat sind noch ungeklärt. Der 15-Jährige wurde in psychologische Betreuung gegeben, heißt es von der Polizei.

Polizei Wasserburg/mw/redro24

Quelle: rosenheim24.de

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