Automobilzulieferer aus der Region in Waldkraiburg

Nachbesserungen bei Verkehrs- und Digitalinfrastruktur gefordert

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Von links: Christian Graf von Bentzel-Sternau, Vorsitzender des Vorstands, TachoEASY AG, Rohrdorf und Vorstandsjunior im Vorstand Südost-Bayern des bayme; Irene Wagner, Geschäftsführerin psm protech GmbH & Co. KG, Marktschellenberg; Dr. Dietmar Klein, Mitglied des Vorstands der vbw Bezirksgruppe München-Oberbayern

Waldkraiburg/Rohrdorf/Marktschellenberg - Mehrere Vertreter der regionalen Automobil- und Zulieferindustrie beklagen Mängel bei der Verkehrs- und Digitalinfrastruktur.

Beim Pressegesprächs der vbw Bezirksgruppe München-Oberbayern im Rahmen über Chancen und Herausforderungen der Automobil- und Zulieferindustrie in Ober- und Südostbayern ging es vor allem um die Folgen der Diesel-Debatte und die Einstellung des Verbands dazu. Aber auch aus Sicht der Unternehmer notwendige Nachbesserungen bei der Verkehrs- und Digitalinfrastruktur waren Thema.


"Wenn wir den Automobilstandort thematisieren, kommen wir ganz zwangsläufig auch auf die Verkehrsinfrastruktur zu sprechen", erklärte Dr. Dietmar Klein, Mitglied des Vorstands der vbw Bezirksgruppe München-Oberbayern. Diese müsse ein schlüssiges Verkehrskonzept für alle Beteiligten bieten, wobei die Interessen der Wirtschaft an Möglichkeiten zum Export, der Arbeitnehmer beim Pendeln und aller anderen Bewohner, die öffentliche Einrichtungen erreichen müssen, berücksichtigt werden müssten. 

Ausbau an Autobahnen und Schienennetz nötig


Es gälte, die Projekte zügig fertigzustellen. "Über den mindestens sechsspurigen Ausbau der A8 und Verbesserungen im Schienenverkehr, insbesondere zur Anbindung des Münchener Flughafens, muss Oberbayern in nationale und internationale Verkehrsnetze eingebunden bleiben." Leistungsfähige regionale Verkehrsnetze - insbesondere bessere ÖPNV-Angebote - müssten die wirtschaftlichen Perspektiven von Unternehmen im ländlichen Raum sowie die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen und Bildungsangeboten absichern. Erst kürzlich hatte sich die regionale Wirtschaft für das im Kreis Mühldorf geplante ÖPNV-Konzept ausgesprochen. 

Dr. Dietmar Klein, Mitglied des Vorstands der vbw Bezirksgruppe München-Oberbayern

Der im Jahr 2016 neu aufgestellte Bundesverkehrswegeplan 2030 berücksichtige für Oberbayern wichtige Projekte, die durch ihre Einordnung in den vordringlichen Bedarf oder den vordringlichen Bedarf zur Engpassbeseitigung besondere Priorität genießen und somit eine schnellere Realisierungschance haben. Beim Ausbau der A8 brauche es mindestens den sechsspurigen Ausbau auf der gesamten Strecke Rosenheim-Salzburg. Es gäbe hier bereits wichtige Fortschritte. "Mit dem Ausbau der A94 werden das Chemiedreieck sowie das Bäderdreieck im Inntal endlich an den Großraum München angebunden werden." 

Klein: Dritte Startbahn nötig

Viel zu tun sei noch im Schienenverkehr. "Wesentliche Bedeutung für das bayerische Schienennetz hat der auf Bestandsstrecken auszubauende Ostkorridor von Hamburg über Magdeburg nach Hof und Regensburg." Mit einer Verlängerung über Regensburg hinaus nach Landshut, Mühldorf und Salzburg könnte eine bessere Anbindung des Chemiedreiecks an das europäische Schienennetz gewährleistet werden. Der Verband fordere die rasche Zweigleisigkeit und Elektrifizierung der Strecke. Auch die IHK betont regelmäßig die Notwendigkeit dieser Ausbaumaßnahmen.

Irene Wagner, Geschäftsführerin psm protech GmbH & Co. KG, Marktschellenberg

Zentrales Element für den Erfolg des Standorts sei auch der Luftverkehr, daher fordere die vbw schon lange den Ausbau der dritten Startbahn am Münchner Flughafen, "um die gute Stellung des Airports im internationalen Wettbewerb zu erhalten." Gerade die stark exportorientierten bayerischen Unternehmen bräuchten neue Verbindungen und die Stärkung der Drehkreuzfunktion. Daher würde auch das im Koalitionsvertrag vorgesehene Moratorium bei dessen Bau bedauert. 

Unternehmer: Auch Digitale Infrastruktur mit Nachbesserungsbedarf

"Neben den Problemen bei der Verkehrsinfrastruktur mangelt es auch bei der digitalen Infrastruktur", erklärte Christian Graf von Bentzel-Sternau, Vorsitzender des Vorstands, TachoEASY AG, Rohrdorf und Vorstandsjunior im Vorstand Südost-Bayern des bayme. "In ländlichen Regionen ist das Mobilfunknetz extrem schlecht."

Christian Graf von Bentzel-Sternau, Vorsitzender des Vorstands, TachoEASY AG, Rohrdorf und Vorstandsjunior im Vorstand Südost-Bayern des bayme.

Dem schloss sich auch Irene Wagner, Geschäftsführerin psm protech GmbH & Co. KG, Marktschellenberg an: "Unser Standort ist in einer sehr ländlichen Region. Wir fordern bei der Telekom zehn M/bit und davon kommen dann sechs bei uns an, womit dann all unsere Computerarbeitsplätze laufen sollen." Sie würden auch an Systemen zur Fernwartung ihres Werks in Ungarn arbeiten. "Derzeit gibt's davon nur Wackelbilder." "Manche Bauern haben schon Glasfaseranschlüsse und bei uns dauert's noch", klagt Wagner, "Die Lokalpolitik würde uns ja gerne helfen, aber mit der Telekom ist es schwierig." 

Erst Anfang des Jahres hatte der Fall eines Unternehmers aus Unterreit für Schlagzeilen gesorgt, der existenzgefährdenden Probleme mit dem Netzbetrieb der Firma beklagte. 

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