Beschwerden werden geprüft

Ist neue Werbung einer bayerischen Brauerei wirklich frauenfeindlich?

Die Eichstätter Brauerei Hofmühl muss sich mit Sexismus-Vorwürfen auseinandersetzen. Ein aktuelles Werbefoto gibt Anlass zur Kritik.

Eichstätt - Zum Bayern-Klischee gehören Bier und Frauen im Dirndl. Eine Brauerei in Eichstätt hat damit  eine Werbe-Kampagne gestartet und wird deswegen jetzt mit Sexismus-Vorwürfen konfrontiert. Sicher nicht zum ersten Mal werden Frauen in Bier-Werbungen gezeigt, in Zeiten einer #metoo-Debatte kann das aber schnell falsch verstanden werden.

Dabei hat sich die Hofmühl-Brauerei gar nichts dabei gedacht. „Das ist doch nicht sexistisch gemeint und auch nicht anrüchig", sagt Geschäftsführer Stephan Emslander gegenüber dem Donaukurier. Es geht bei den Vorwürfen um dieses Bild: Eine Frau hält einen Bierkasten und wird von oben fotografiert, sodass der Blick auf ihr Dirndl-Dekolletee fällt. Der zweideutige Slogan dazu lautet: „Auf den Inhalt kommt es an.“

Das Foto ist das Februar-Motiv eines Kalenders, den die Brauerei verlost hat. Nach Veröffentlichung auf Facebook gibt es von verschiedenen Seiten Kritik. Beim Deutschen Werberat soll sogar eine Beschwerde eingegangen sein, weshalb der Fall nun geprüft werde. Geschäftsführerin Julia Busse sagt laut Donaukurier: „Keinesfalls möchten wir die Darstellung von bayerischen Frauen in Dirndln verbieten, aber es kommt doch sehr auf den Fokus an und wie die Werbung von den Betrachtern verstanden wird.“

„Sexy ist nicht sexistisch“

Da der Fokus bei dem umstrittenen Foto eindeutig auf den Brüsten der Frau liege, könnte es tatsächlich als sexistisch eingestuft werden. Dafür gelte ein anderes Foto der Brauerei mit einer fast nackten Frau, die komplett von Kronkorken umgeben ist, als erotische Darstellung mit künstlerischem Aspekt. „Der Werberat hat nichts gegen nackte Haut. Sexy ist nicht sexistisch“, stellt Busse klar. Problematisch sei es nur dann, wenn eine Frau oder weibliche Körperteile als Blickfang inszeniert und damit herabgewürdigt werden. Bei diesem Foto sei das nicht der Fall:

Ist die Kritik berechtigt?

Bei den Facebook-Usern stoßen die Kritiker mehrheitlich auf Unverständnis. „Ist ja unglaublich, über was man sich alles aufregen kann“, schreibt zum Beispiel Wolfang S.

Die Brauerei hat jedenfalls schon auf die Vorwürfe reagiert und zwar mit einem weiteren Bild. Die gleiche Stelle mit gleichem Bierkasten nur ohne Frau im Dirndl und mit dem Zusatz: „Uns kommt es wirklich nur auf den Inhalt an.“

Der Geschäftsführer der Brauerei sieht ein, dass man angesichts der allgemeinen Sexismus-Debatte berücksichtigen müsse, dass die Menschen empfindlicher auf Werbung reagieren. In den nächsten zwei Wochen soll vom Werberat entschieden werden, ob die Brauerei das Bild nicht mehr verwenden darf.

Rubriklistenbild: © dpa

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