+++ Eilmeldung +++

Mehrere Standorte betroffen

Verdacht des Abgasbetrugs: Ermittler durchsuchen Daimler 

Verdacht des Abgasbetrugs: Ermittler durchsuchen Daimler 

Verhandlungen wegen Landesmuseum

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Donaumarkt in Regensburg: Hier soll das Museum der bayerischen Geschichte gegründet werden.

Regensburg - Sehr modern soll es werden, das Museum der Bayerischen Geschichte. Einen flotteren Namen soll es bis zu seiner geplanten Eröffnung im Jahr 2018 auch bekommen.

Eigentlich könnte sich Richard Loibl entspannt zurücklehnen. Der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte hat dem Freistaat in diesem Jahr die bisher erfolgreichste Landesausstellung beschert. Fast 600 000 Menschen sahen im Sommer auf Herrenchiemsee die Schau über das Leben von König Ludwig II.

Doch zum Ausruhen hat der Historiker keine Zeit. Seit Mittwoch steht fest: Regensburg wird Sitz des neuen Museums der Bayerischen Geschichte. 2018 soll das Haus an der Donau seine Pforten öffnen. Eines weiß Loibl schon jetzt: „Es soll etwas sehr Modernes werden.“

25 bayerische Städte hatten sich um das Museum beworben. Die Kriterien eines Expertenrats waren unter anderem: symbolträchtiger Ort, gute Erreichbarkeit auch für Schulklassen, repräsentative Einbettung möglichst in einem historisches Umfeld und Mindestgröße des Geländes von 10 000 Quadratmetern.

Das alles hat Regensburg am Donaumarkt zu bieten. Der Standort in direkter Nähe zum gotischen Dom und zur Steinernen Brücke war lange Zeit als Gelände für eine Stadthalle im Spiel. Das Lieblingsprojekt von Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) scheiterte jedoch an gleich drei Bürgerentscheiden.

„Doch jetzt schaut es ganz gut aus“, glaubt Loibl die Stimmung in Regensburg zu kennen. Seitens der Stadt sei ihm signalisiert worden, dass dieses Mal kein nennenswerter Widerstand von Bürgerinitiativen zu erwarten sei. „Unser Auftrag war, einen Ort für das Museum zu finden, der eine hohe Besucherfrequenz zulässt“, erläutert Loibl. Zudem soll der Standort bayernweit zentral liegen, was ebenfalls auf Regensburg zutrifft.

Eine gute Verkehrsanbindung spielte bei der Auswahl eine wesentliche Rolle. Die Stadt liegt im Schnittpunkt zweier Autobahnen und ist auch mit dem Zug bequem zu erreichen.

Das größte Kapital von Regensburg aber ist seine Geschichte. Die erste Hauptstadt Bayerns war von 1663 bis 1806 Sitz des Immerwährenden Reichstages, der Ständevertretung im Heiligen Römischen Reich. Ihr vorbildlich restaurierter mittelalterlicher Kern zieht Jahr für Jahr die Touristenströme an. Und seit der Erhebung der Altstadt zum Unesco-Welterbe im Jahr 2006 zwängen sich noch mehr Gäste durch die engen Gassen. Loibl: „In Sachen Geschichte hat Regensburg allen anderen Bewerbern einiges voraus.“

Das Museum der Bayerischen Geschichte soll freilich einen städtebaulich modernen Kontrast zur Altstadt setzen. Aus einem international ausgeschriebenen Architektenwettbewerb soll bis Ende 2012, so die Zeitvorgabe von Loibl, ein futuristisch anmutendes Museumsmodell hervorgehen. Auf 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und noch einmal so viel Nutzfläche will er die bayerische Geschichte multimedial und eingerahmt in zahlreiche Veranstaltungen darstellen.

Alles in allem schätzt der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte in Augsburg die Baukosten auf rund 60 Millionen Euro. Der Freistaat als Hausherr des Museums wird mit etwa 50 Millionen den Löwenanteil beisteuern, der überwiegende Rest kommt von der Stadt, die einen am Donaumarkt liegenden alten Stadel zur Verfügung stellt. Wie ehrgeizig das Projekt auch im Regensburger Rathaus verfolgt wird, zeigt sich darin, dass bereits die Bauplanung für das Areal läuft.

„Sie sehen einen entspannt lächelnden, dankbaren und zufriedenen OB vor sich“, sagt Schaidinger denn auch nach der Entscheidung des Kabinetts in München. „Ich freue mich schon sehr.“ Die Domstadt habe stets im Zentrum bayerischer Interessen gestanden. „Wir wissen, dass der Freistaat von uns Beiträge zur Realisierung erwartet“, sagt der Oberbürgermeister mit Blick auf die Vertragsverhandlungen. Die Stadt werde selbstbewusst in die Gespräche gehen.

Vergessen ist seit Mittwoch jedenfalls der Streit um den Standort für das Museum. Als Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kürzlich bei einer Veranstaltung in der Donaustadt vorpreschte und den Regensburgern mehr als nur Hoffnungen auf das Museum machte, hagelte es Kritik. Die Opposition und selbst Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) sprachen von einem unglücklichen Start. „Die Informationspolitik war unterirdisch“, ätzte Isabell Zacharias, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Und der mit seiner Bewerbung unterlegene Würzburger Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD) schimpfte auf das Auswahlverfahren: „So gewinnt man keine Fans, aber viele enttäuschte Bürgerinnen und Bürger.“

Auswahlkriterien hin oder her - Loibl hält den Eröffnungstermin 2018 allemal für ein ehrgeiziges Ziel: „Da darf nicht viel dazwischenkommen.“ Das Jahr ist mit Bedacht gewählt. 1918 endete der Erste Weltkrieg, im selben Jahr wurde der Freistaat Bayern als demokratische Republik gegründet. Bis zur Eröffnung hundert Jahre danach ist vielleicht auch ein flotter klingender Name als der Arbeitstitel „Museum der Bayerischen Geschichte“ für das Haus an der Donau gefunden. Loibl würde gerne die Bürger von Regensburg mitreden lassen. „Vielleicht fällt denen etwas Besseres ein.“

dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser