Im September 2014 ist Schluss

US-Truppenabzug: Große Erwartungen in Bamberg

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Ein Fahrzeug der Military Police ("Militärpolizei") auf dem Militärgelände der Vereinigten Staaten von Amerika in Bamberg.

Bamberg - Tausende US-Soldaten und ihre Familien verlassen Bamberg, 450 Hektar Militärfläche werden 2014 frei. Eine große Chance für die boomende oberfränkische Stadt. Doch die Konversion ist kompliziert.

Am 30. September 2014 wird es soweit sein. Dann werden die letzten US-amerikanischen Soldaten und ihre Familien Bamberg verlassen. In einer Stadt in der Stadt fallen dann die Grenzen. Denn das 450 Hektar große Militärgelände ist derzeit noch gut geschützt; als Bamberger Bürger konnte man da nicht einfach so hineinspazieren. Und drinnen gibt es fast alles, was die Soldaten und ihre Familien brauchten: Ärzte, Sportangebote, Kino, Geschäfte.

Bamberg bekommt mit dem Abzug der Truppen einen komplett neuen Stadtteil - "ein Zehntel des derzeitigen Stadtgebiets", sagt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Aber was wird damit geschehen? Die Stadt will die Fläche komplett übernehmen, wie Starke betont. Nur so sei eine ganzheitliche und erfolgreiche Planung der Konversion - also der Umwandlung von Militärgelände zur zivilen Nutzung - möglich. Flächen und Gebäude gehen zunächst an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) über, sie führt die Verkaufsverhandlungen.

Die Wohnungsnot in Bamberg ist groß. Immer mehr Studenten ziehen hierher, auch für Familien ist die schmucke Welterbe-Stadt attraktiv. Die Mieten steigen, Grundstückspreise ebenso. Und dann ziehen 2500 Soldaten und 4700 Angehörige weg - eine perfekte Lösung des Wohnungsproblems. Oder? Harald Lang, Verantwortlicher für das Konversionsmanagement bei der Stadt, dämpft die Erwartungen. "US-Familie raus, deutsche Familie rein - so wird das nicht funktionieren", sagt er.

Zunächst müssten die Immobilien alle erfasst und mögliche Mängel aufgenommen werden. Lang denkt hierbei an Gebäudeschadstoffe und an Munition im Boden. "Man weiß nicht, was da ist." In den Häusern seien beispielsweise die Wasserleitungen gechlort worden, regelmäßig sei der Kammerjäger gekommen. Auch ein neues Erschließungskonzept sei notwendig. "Das ist das übliche Procedere bei Konversionen", sagt Lang, der bereits für die Stadt Erlangen aktiv war, als dort die US-Armee abgezogen war. Dennoch werde man in der Stadt alles dafür tun, möglichst schnell die zivile Nachnutzung der US-Liegenschaften in die Wege zu leiten. An Verzögerungen habe niemand Interesse.

Aber auch bei der Wirtschaft weckt das freiwerdende Gebiet Begehrlichkeiten. Schon jetzt gebe es in der Stadt Probleme, bezahlbare Gewerbeflächen zu finden, sagt Lang. Bei einem großen Autozulieferer sei das Bamberger Militärgelände bereits im Rennen. Die Staat will auch die Bürger einbinden, es gibt bereits jetzt Vortragsreihen, Foren und viele Informationen im Internet. Schließlich stehe der größte Stadtumbau der Geschichte hervor, heißt es auf der Blog-Seite www.bamberg-ost.de.

Im Februar 2012 hatte die US-Armee ihre Entscheidung mitgeteilt, aus Kostengründen zwei bayerische Standorte - Schweinfurt und Bamberg - komplett zu schließen. Kritische Töne zur Konversion kommen von Umweltschützern. Der Bund Naturschutz (BN) fürchtet, dass wertvolle Naturflächen zu Gewerbegebieten umgewandelt werden. Vor allem die derzeit noch abgesperrten Flächen im sensiblen Hauptsmoorwald dürften keineswegs verbaut werden, sondern müssten besonders geschützt werden, fordert der Verband. Durch die Konversion würden ausreichend Flächen für Wohnraum und Gewerbe frei, betont BN-Chef Hubert Weiger. Man müsse nicht noch besonders schutzwürdige Flächen überbauen.

Lang versichert, dass man natürlich prüfen werde, wo die hochsensiblen Flächen auf dem Gelände seien. Bisher sei auch nicht klar, wo noch Munitionsreste im Boden stecken.

Auch der Flugplatz rückt in den Fokus der Umweltschützer. Das Gelände hat die US-Armee bereits freigegeben. Die Fläche weist laut BN eine "außergewöhnliche Vielfalt naturbelassener Lebensräume" auf. Magerrasen, Gebüsche, Hochstauden, Altgrasbestände oder Ginsterheiden seien in größerem Umfang erhalten. Deshalb solle dort ein Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Ein Flugbetrieb wie in bisherigem Umfang sei weiterhin möglich.

Von Kathrin Zeilmann, dpa

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