US-Militärhistoriker zieht Demjanjuks Alibi in Zweifel

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Bruce Menning

München - Ein US-Militärhistoriker sieht Diskrepanzen zwischen einer Alibi-Aussage des mutmaßlichen Nazi-Verbrechers John Demjanjuk und den geschichtlichen Tatsachen.

Während die Staatsanwaltschaft dem 90-Jährigen vorwirft, 1943 im Vernichtungslager Sobibor am Mord von 27 900 Juden beteiligt gewesen zu sein, behauptete Demjanjuk in früheren Aussagen, bis Sommer 1944 Kriegsgefangener der Deutschen im Lager Chelm gewesen zu sein. Diese Angabe des Angeklagten passe nicht zur Geschichte, sagte der 66- jährige Militärhistoriker Bruce Menning am Dienstag vor dem Landgericht München II.

In Chelm seien schon am 1. April 1944 nur noch 464 Gefangene gewesen, im Sommer sei die Stadt von der Roten Armee eingenommen und das Lager befreit worden. “Selbst wenn man den Aussagen eines langen Aufenthalts Glauben schenkt, ist er begrenzt auf Frühjahr 1944“, betonte Menning, der als Sachverständiger an einem US- Verfahren gegen Demjanjuk in Cleveland teilgenommen hatte.

Eines der Hauptbeweismittel der Anklage in München ist ein SS- Dienstausweis, “abkommandiert am 27.3.43 Sobibor“ ist darauf notiert. Demnach wäre Demjanjuk bei weitem nicht so lange in Chelm gewesen, wie er angegeben hatte.

Menning zog auch Demjanjuks in einem früheren Prozess in Israel gemachte Aussage in Zweifel, als Kriegsgefangener vier bis sechs Wochen bei Eisenbahn-Reparaturarbeiten geholfen zu haben. “Ich glaube nicht, dass ein Historiker das kategorisch ablehnen kann, aber angesichts der fortschreitenden Militäroperation scheint diese Angabe unwahrscheinlich zu sein.“ Denn zu Hause wie an der Front fehlte es den Deutschen massiv an Arbeitskräften. Deshalb begann schon früh die Rekrutierung von ausländischen Helfern, unter anderem bei den Minderheiten unter den Gefangenen. Dabei hätten die Deutschen nach bestimmten Qualifikationen Ausschau gehalten, gesucht waren demnach Arbeiter auf Ölfeldern und Mechaniker. Demjanjuk war vor seiner Einziehung zur Roten Armee Ende 1940 oder Anfang 1941 Traktorfahrer auf einer Kolchose gewesen.

Im Krankenbett, die Augen mit einer Sonnenbrille geschützt, nimmt Demjanjuk seit Ende November an dem Prozess teil. Nach einer hitzebedingten Prozesspause hatte das Gericht unter Vorsitz von Richter Ralph Alt Demjanjuk vor zehn Tagen zwangsvorgeführt, um ein Platzen des Verfahrens zu verhindern.

dpa

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