US-Abzug aus Grafenwöhr steht offenbar fest

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Zu seiner Zeit als Verteidigungsminister besuchte Karl-Theodor zu Guttenberg den Truppenübungsplatz Grafenwöhr.

Grafenwöhr - Die Sparpläne des Pentagons treffen die Oberpfalz. Lange ist spekuliert worden, jetzt scheint der Abzug einer US-Brigade aus Grafenwöhr festzustehen. In der Region herrscht große Sorge.

Der Abzug der 172. US-Infanteriebrigade aus Grafenwöhr in der Oberpfalz scheint beschlossene Sache zu sein. Nach einer Internet-Veröffentlichung des US-Verteidigungsministeriums sollen zwei schwere Brigaden aus Europa abgezogen werden. “Die einzigen zwei schweren Brigaden, die wir haben, sind die 170. und die 172. Brigade“, erläuterte ein Sprecher der US-Army in Heidelberg am Freitag. Die 170. Infanteriebrigade ist in Baumholder (Rheinland-Pfalz) stationiert. Damit bleiben offenbar das 2. Kavallerieregiment im oberpfälzischen Vilseck sowie die in Italien stationierte US-Brigade erhalten.

In Grafenwöhr bangen die Menschen um die wirtschaftliche Zukunft der Region. “Es trifft uns hart, wenn eine Brigade weggeht, auch wirtschaftlich“, sagte der Bürgermeister von Grafenwöhr, Hellmuth Wächter (SPD), am Freitag. Er hoffe aber, dass die Zahl der Soldaten durch wechselnde Einheiten aufrechterhalten werde. Der Betriebsratsvorsitzende der Zivilangestellten in der US-Garnison Grafenwöhr, Klaus Lehl, sagte: “Es wird eine enorme Schwächung der Kaufkraft der Region geben.“ Außerdem befürchtet er, dass durch den Abzug in den kommenden Jahren bis zu 700 der bisher rund 2000 deutschen Zivilstellen bei der US-Armee verlorengehen.

An einen kompletten Ausgleich durch rotierende Truppen glaubt Lehl nicht. “Da wird ein bisschen Sand in die Augen gestreut“, sagte er. “Selbst wenn das Kontingent erhöht wird, wird das nie einen Ausgleich für die Brigade schaffen.“ Der 172. Brigade in Grafenwöhr gehören rund 3800 Heeressoldaten an. Ihr Abzug bedeutet nicht die Schließung der Garnison, die als dauerhafter Standort gilt. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums sollen die abgezogenen Brigaden durch rotierende Truppen ersetzt werden.

Es war schon länger bekannt, dass zwei der vier in Europa stationierten US-Brigaden abgezogen werden sollen. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Washington bestätigte US-Verteidigungsminister Leon Panetta dies noch einmal - ohne jedoch konkret zu werden. Der geplante Abzug ist Teil der Sparpläne des Pentagons. Die US-Streitkräfte sollen kleiner, zugleich aber flexibler werden. Das Augenmerk liegt künftig stärker in Asien und im Nahen Osten.

lby

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