Dr. Marcel Huber unterschreibt jetzt Grün

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Das war's: Gestern räumte Staatskanzleichef Huber seinen Schreibtisch im Büro neben dem Ministerpräsidenten, heute zieht er als Minister in das Umweltministerium um.

Mühldorf - Der Ampfinger CSU-Politiker Dr. Marcel Huber hat eine neue Ernennungsurkunde in seinen Unterlagen: als Minister im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit.

Damit steht Huber erstmals ganz vorne und muss Politik nicht nur machen, sondern auch verkaufen.

Jetzt ging es schneller als erwartet: Sie sind nicht mehr Chef der Staatskanzlei. Gehen Sie gerne?

Auch wenn ich mich auf das neue Amt freue, gebe ich die Aufgabe in der Staatskanzlei nicht gerne auf. Denn ich habe mich in die Themen sehr gut eingearbeitet von der Bundeswehr bis zum Medienbereich. So eine verantwortungsvolle Aufgabe lässt man nur ungern zurück. Für jemandem mit meinem Hintergrund - ich bin ursprünglich Umweltpolitiker - ist es natürlich eine erfreuliche Herausforderung, der ich mich sehr gerne stelle.

Als Staatssekretär und Staatskanzleichef standen Sie stets hinter dem Minister oder dem Ministerpräsidenten. Haben Sie jetzt ein neues Karriereziel erreicht?

Ich darf jetzt mit Grün unterschreiben (In Behörden und Ministerien unterschreibt der Amtsvorstand mit Grün, Anm. der Red.). Aber Spaß beiseite: Ich habe mich in der Staatskanzlei sehr, sehr wohlgefühlt. Die Dinge diplomatisch vorzubereiten und im Hintergrund zu wirken, war durchaus reizvoll. Die Aufgaben im Umweltministerium sind mir natürlich fachlich sehr viel näher und ich freue mich sehr darauf.

Damit stehen Sie zum ersten Mal in der ersten Reihe. Ist das ein deutlicher Schritt oder im Politbetrieb nur eine Nuance?

Als Staatssekretär oder hinter dem Ministerpräsident in der Staatskanzlei war ich eher im Hintergrund tätig. Als Minister muss man nicht nur die Arbeit im Hintergrund gut machen, sondern sie auch gut verkaufen, Marketing dafür betreiben. Das ist eine neue Herausforderung, der ich mich jetzt stellen werde.

Welches Thema wird im neuen Ministerium das Wichtigste?

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Es ist ein Doppelamt: Gesundheit und Umwelt. Beides sind Schlüsselbereiche für die Zukunft, keines ist wichtiger als das andere. Es geht darum, die Gesundheitsversorgung auf dem Niveau zu halten, das wir haben, sie muss finanzierbar sein und die Möglichkeiten der modernen Medizin allen zugänglich machen. Im anderen Bereich steht vor allem die Energiewende auf der Agenda, aber auch bei den Themen Klimawandel und Erhalt der Artenvielfalt ist sehr viel Diplomatie erforderlich.

In diesen Bereichen prallen sehr unterschiedliche Interessen aufeinander.

Es gilt, einen Ausgleich zwischen den tatsächlich oft auseinander strebenden Interessen zu schaffen. Da sind einerseits auf der Basis einer gut funktionierenden Wirtschaft Wohlstand, soziale Sicherheit, Bildung und ein hervorragendes Gesundheitssystem. Andererseits müssen wir gleichzeitig dafür sorgen, dass wir unseren Nachkommen eine intakte Natur hinterlassen. Diesen Interessensausgleich immer weiter überzeugend hinzubekommen, ist nicht ganz einfach. Die Protagonisten der beiden Seiten sind oft auch ideologisch geprägt und das Ministerium steht genau in der Mitte um eine Lösung zu finden, die für die Bevölkerung von großer Bedeutung ist.

Werden Sie am Kurs Ihres Vorgängers Markus Söder festhalten?

Der Kurs bleibt. Von den Zielen her sind wir nicht auseinander. Ich habe 2007 mit der Fraktion ein Positionspapier zur Gentechnik erarbeitet, das eine sehr distanzierte Haltung zur Grünen Gentechnik beschreibt und das jetzt von Markus Söder umgesetzt wurde. Ein Ministerium wird immer auch durch die Person geprägt. Und Söder und Huber sind nun mal unterschiedliche Charaktere.

Wie hat Ihre Frau auf die neue Aufgabe reagiert?

Meine Frau hat mich in der Rolle, die ich zuletzt hatte, sehr gern gesehen. Sie hat auch den Eindruck gehabt, das passt sehr gut. Wir werden uns beide an die neue Situation gewöhnen.

Mit schnellen Wechseln ist Ihre Familie ja vertraut?

Ja. Es ist die vierte Ernennungsurkunde, die ich seit 2007 bekommen habe.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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