Autobumser: Unschuldslämmer im Netz der Widersprüche

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In Mühldorf standen nun erneut vier Beteiligte vor Gericht, eine 42-jährige Frau kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Die Prozesse gegen die weiteren Angeklagten wurden vertagt.

Mühldorf - Nach der Verurteilung der Drahtzieher der sogenannten Autobumser-Bande war das Verfahren noch längst nicht abgeschlossen. Nun standen erneut vier Beteiligte vor Gericht.

Eine 42-jährige Frau kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Die Prozesse gegen die weiteren Angeklagten wurden vertagt.

Die Nervosität und Unsicherheit steht Anna W. (Name von der Redaktion geändert) ins Gesicht geschrieben, als sie im Amtsgericht Mühldorf auf ihr Urteil wartet. Der 42-Jährigen wird vorgeworfen, im August 2007 einen Autounfall inszeniert und anschließend die Versicherung betrogen zu haben.

Für einen Betrag von 2000 Euro hatte die vierfache Mutter behauptet, einem Gastwirt aus Heldenstein - dem Kopf der Bande - an einer übersichtlichen Kreuzung die Vorfahrt genommen zu haben. Der Porsche-Fahrer war damals angeblich beim Ausweichmanöver gegen ein Verkehrsschild gefahren. Der inzwischen in Traunstein zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilte Straftäter bestritt im Zeugenstand vehement, den Unfall getürkt zu haben. Er wies darüber hinaus eine nachträgliche Beschädigung des Wagens mit Hilfe des - ebenfalls bereits verurteilten - Kfz-Meisters aus Perach zurück.

Gegenüber der Versicherung hatte der Gastwirt einst angegeben, sein silberner Porsche habe durch das "Rollen" gegen ein Verkehrsschild einen Schaden in Höhe von 29.500 Euro davongetragen. In den Augen des Gutachters eine äußerst fragwürdige Darstellung: Demnach sei es nahezu unmöglich, auf der wenig befahrenen Straße mit einer 90-Grad-Kurve mehr als 25 Stundenkilometer zu fahren, was eine derart starke Kollision nahzu ausschließt.

Auch sonst sind die Ausführungen der Zeugen ein Paradebeispiel dafür, mit welcher Dreistigkeit Falschaussagen vor Gericht möglich sind. Mit einer unglaublichen Ruhe und Gelassenheit treten die Bandenmitglieder auf. Trotzdem: Das sorgfältig gestrickte Netz aus Lügen wird ihnen letztlich doch zum Verhängnis. Immer öfter widersprechen sich die Aussagen des Kfz-Meisters und des ehemaligen Gastwirts. Am Ende wird ihr Erinnerungsvermögen auf unerklärliche Weise zunehmend schlechter, bis sie zu den Vorfällen nahezu keinerlei Aussagen mehr treffen wollen. Mehr als einmal droht Richter Thorsten Hengel mit einer Vereidigung.

Anna W. verfolgt den Prozessverlauf noch relativ gelassen, erst als der 39-jährige Kronzeuge in den Zeugenstand tritt, steigt ihre Anspannung spürbar. Ohne Skrupel donnert er die Fakten auf den Tisch. "Es wurde mir ausdrücklich von einem der Täter gesagt, dass es ein gestellter Unfall war", sagt er. Es folgen weitere Anschuldigungen gegen den Kopf der Bande und den Kfz-Meister aus Perach. "Niemand braucht mehr Angst haben vor denen, ich werde dafür sorgen", verspricht er.

Da platzt dem Lebensgefährten von Anne W. im Besucherraum der Kragen: " Jetz' gähsd aber obe vom Gas!" Die Verwarnung des inzwischen gereizten Richters Thorsten Hengel ist unmissverständlich.

Bis zuletzt ist sich Anna W. keiner Schuld bewusst, zeigt keine Reue. Die Freiheitsstrafe von 13 Monaten - ausgesetzt zur Bewährung - nimmt sie ebenso zur Kenntnis wie den Hinweis, dass sie die Kosten des Verfahrens tragen muss. Das wird deutlich teurer als das, was ihr der Versicherungsbetrug je eingebracht hätte.

Die Prozesse gegen weitere Mitglieder der Autobumser-Bande werden am Mittwoch, 11. Mai, fortgesetzt.

sh/sr/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: rosenheim24.de

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