"Verändert hat sich so ziemlich alles für uns" 

Wie geht es der Chiemgauer Band LaBrassBanda in der Corona-Krise?

Live-Auftritte und Konzerte sind für die Band LaBrassBanda aufgrund der Corona-Krise aktuell tabu. Langweilig wird es der Chiemgauer Band trotzdem nicht, wie sie im Interview mit chiemgau24.de erzählen. 
+
Live-Auftritte und Konzerte sind für die Band LaBrassBanda aufgrund der Corona-Krise aktuell tabu. Langweilig wird es der Chiemgauer Band trotzdem nicht, wie sie im Interview mit chiemgau24.de erzählen. 

Übersee - Keine Live-Auftritte mit Fans, verschobene Konzerte, Blick in eine ungewisse Zukunft - die Corona-Krise stellt auch Bands vor Herausforderungen. Was sich seit der Krise für die Musiker der Chiemgauer Band LaBrassBanda geändert hat, erzählt uns stellvertretend für den Rest der Band Posaunist Manuel Winbeck. 

Unter anderem auf dem Frühlingsfest in Wasserburg hätten die Jungs von LaBrassBanda in der letzen Mai-Woche live und in Farbe ihr neues Album vorgestellt. Doch das neuartige Coronavirus hat diesem - und damit allen in dieser Krisenzeit angesetzten Auftritten - jäh einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Absagen treffen wie viele Künstler vermutlich auch euch als Band hart. Was hat sich seit den Beschränkungen durch den Virus für euch geändert? 


Verändert hat sich so ziemlich alles für uns. Unsere komplette Tour wurde verschoben. Im Moment weiß keiner so genau, wann es wieder weitergehen kann mit Konzerten. Gerade in unserem Fall beruhen Konzerte sehr stark auf Interaktion: Die Menschen sollen aus sich rausgehen und ausgelassen feiern. Das ist mit Sicherheitsabstand und Atemmaske schwierig bis unmöglich. Deswegen liegt erstmal alles brach und auch wir sind von der weiteren Entwicklung abhängig. Ob wir dieses Jahr noch live spielen können weiß niemand. 


Was bedeutet die Krise für euer neues Album? Verschiebt sich nun alles nach hinten zu einem späteren Zeitpunkt oder arbeitet ihr im Hintergrund weiter?

In der ersten Phase des Lockdown haben wir die Bandtätigkeiten soweit wie möglich auf Null runtergefahren um die "Social Distancing"-Maßnahmen  - wie es so schön heißt - so sinnvoll wie möglich zu gestalten. Den Start des Studio-Albums, das zum jetzigen Zeitpunkt schon veröffentlicht wäre, haben wir auf Ende Juli verschoben. Das Album war zum damaligen Zeitpunkt allerdings schon sehr weit, die Arbeit lief daher weiter. Eine Release-Tour zum Auftakt wird aber noch nicht möglich sein.

Wie sieht derzeit der Alltag bei euch aus? Wie vertreibt ihr euch die Zeit ohne Konzerte und Live-Auftritte? 

Nützliche Links zu Corona:

Wir sind natürlich mehr zuhause. Das stellt aber für uns keine besondere Ausnahmesituation dar, in unserem Leben gibt es immer wieder starke Wechsel. In den Sommermonaten sind wir sehr viel auf Tour, als Ausgleich ist es in den Wintermonaten bisserl ruhiger. Von daher ist das für uns nichts Neues über längere Zeiträume einmal daheim zu sein und keine Konzerte als Zerstreuung zu haben. Wir hatten aus eigener Planung heraus schon vor der Corona-Krise keine Konzerte. Das ist freilich jetzt bisserl schade, weil es für uns weitergegangen wäre. Aber mit der Situation, dass es keine Auftritte gibt, können wir eigentlich gut umgehen. Jeder übt für sich daheim und schön langsam gehen die Proben auch wieder los. Damit verstreicht die Zeit auch. Die Räder stehen außerdem nicht still, ganz im Gegenteil: Im Büro ist sehr viel Arbeit angefallen aufgrund der Verschiebung der geplanten Termine bereiten wir viel Organisatorisches vor, darunter Fotoshootings und Pressetermine für die Zukunft. Erstmals seit dem Lockdown stehen auch wieder Proben an. Zusammenfassend: Wegen Corona ist zwar alles anders, aber genauso viel zu tun wie davor. 

Ein Verbot von Großveranstaltungen gilt in Deutschland bis Ende August 2020. Könnt ihr die Entscheidung der Regierung nachvollziehen?

Eine Aussage dazu zu treffen ist im Moment sehr schwierig. Je besser die Maßnahmen funktionieren und je mehr es gelingt die Infektionen einzudämmen umso weniger messbar ist die Frage ob das alles übertrieben war oder angemessen. Keiner weiß was passiert wäre, wenn anders entschieden worden wäre und ich möchte nicht spekulieren. Fakt ist, dass im Moment außer dem Versuch die Infektionen so gering wie möglich zu halten keine Maßnahmen vorhanden sind gegen dieses Virus gezielt vorzugehen. So wie die Regierung vorgeht ist es wahrscheinlich die einzige Handlungsmöglichkeit. Für uns stellt sich als Band die Frage, wie wir damit umgehen. Wir hatten Glück und konnten fast die komplette Tour ins nächste Jahr verschieben. Die frei gewordene Zeit versuchen wir eben so produktiv wie möglich zu nutzen und einfach das Beste daraus zu machen. 

Gibt es Alternativen oder habt ihr in der Krise anderweitige Aktionen geplant? Nutzt ihr beispielsweise verstärkt die sozialen Medien?  

Alternativen wie Online-Streaming von Auftritten gibt es und sie werden auch intensiv genutzt von allen Seiten. Social-Media-Geschichten gehören bei uns seit Jahren dazu, da hat sich keine große Intensivierung im Zuge der Krise ergeben. Eine groß angelegte Kampagne zu starten, um auf die aktuelle Situation einzugehen, erachten wir im Moment als bisserl schwierig. Zu versuchen die Intensität eines Live-Konzerts auf andere Art und Weise zu kompensieren ist in unserem Fall nicht so trivial. Denn Live-Konzerte stellen genau unsere Kern-Kompetenz dar, uns ist der direkte Kontakt zum Publikum wichtig oder auch, dass die Fans bei Konzerten nicht drüber nachdenken müssen, wie sie sich gerade bewegen oder ob sie aus sich raus gehen dürfen. Das ist ein zentraler Bestandteil unserer Show und lässt sich leider nicht so mir nix dir nix in einen Online-Stream verpacken. 

Stichwort Rettungspaket für Kunst und Kultur: Bekommt ihr als Band aufgrund der Corona-Krise finanzielle Unterstützung vom Staat? Könnt ihr damit Kosten decken? Und habt ihr Kontakt zu Musikerkollegen, wie es denen in der Krise ergeht?

Es laufen nach und nach Hilfszahlungen und -Pakete an. Die Koordination des Ganzen ist noch ausbaufähig. Wir verfolgen das aufmerksam und versuchen Interessen von Künstlern in unserem Netzwerk zu bündeln, sind in ständigem Austausch wie es den anderen geht und auch auf menschlicher Ebene verbunden. Wir achten darauf, dass keiner aus unserem Umfeld hinten runter fällt. Man tauscht sich aus und diskutiert über Ideen und Hilfsmöglichkeiten. Die Hauptkosten, die in unserer Branche anfallen sind die von der Tour selber, die sind aber mitsamt der Tour auf 2021 verschoben. Von daher können wir die laufenden Kosten schon irgendwie decken. 

Werfen wir zum Abschluss einen vagen Blick in die Zukunft: Wie denkt ihr, dass es weitergeht und was erhofft ihr euch in nächster Zeit?

Wir rechnen damit, dass Live-Konzerte in der Form wie wir sie spielen solange nicht möglich sein werden, bis ein Impfstoff oder eine entsprechende Behandlungsmöglichkeit gefunden ist. Da sind wir ein Stück weit auf die Arbeit der Wissenschaft und Forschung angewiesen. Es wird mit Sicherheit einige Initiativen geben - sowohl von uns als auch von anderen - wir man mit der akuten Situation umgehen kann: Macht es Sinn das Programm umzustellen oder Konzerte in anderer Form auf die Beine zu stellen? Welche Standbeine gibt es abseits vom Live-Geschehen und wie kann man sie einbauen? Da befinden wir uns gerade in einer Planungsphase, müssen aber die weitere Entwicklung abwarten. 

Seht ihr womöglich sogar Chancen in der Krise?

Chancen bestehen meiner Meinung nach darin zu erkennen, dass wir alle - und da geht's nicht nur unserer Branche so - die Gefahr einer solchen Pandemie immer ausgeblendet haben und jetzt zum ersten Mal erleben, dass der Virus so ziemlich alles auf den Kopf stellt. In Zukunft sollte man vielleicht insofern vorsorgen, dass es einen nicht mehr so kalt erwischt wie es diesmal der Fall war. Das Kerngeschäft von LaBrassBanda was wir am allerliebsten machen, das muss ich ganz klar und deutlich sagen, sind Live-Konzerte. Und das wird auch so bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

mb

Quelle: chiemgau24.de

Kommentare