Weniger Arbeitslose, Stimmung wird schlecht

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Nürnberg - Die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat geht wieder zurück - trotzdem ist nicht alles im Lot. Denn auf Jahressicht hat die Erwerbslosigkeit erneut zugenommen. Negative Einflüsse der Eurokrise drohen.

Die Wirtschaft fürchtet Auswirkungen der Euro-Krise auch auf den bayerischen Stellenmarkt.

Die Arbeitslosigkeit in Bayern ist im September wieder gesunken, doch die Stimmung trübt sich ein - auch wenn die Lage noch sehr gut ist. Derzeit sind rund 237 500 Menschen auf Stellensuche, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Das sind 4,8 Prozent weniger als im August. Nach zwei Monaten mit steigender Arbeitslosigkeit sank auch die Quote wieder um 0,2 Punkte auf 3,5 Prozent. Doch auf Jahressicht haben sich die Zahlen erneut verschlechtert, und die Wirtschaft blickt skeptisch in die Zukunft.

„Die Situation auf dem bayerischen Arbeitsmarkt hat sich etwas eingetrübt“, räumte Regionaldirektions-Chef Ralf Holtzwart ein. Zwar sei die Zahl der Jobsucher mit Beginn des Herbstaufschwungs wie üblich gesunken. „Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit jedoch um 6986 Personen beziehungsweise 3,0 Prozent gestiegen.“ Damals war auch die Quote mit 3,4 Prozent etwas niedriger als jetzt.

„Dieser Anstieg ist vor allem auf die schwächelnde Konjunktur zurückzuführen“, erläuterte Holtzwart. „Die Euro-Schuldenkrise hat zu Unsicherheit aufseiten der Unternehmen geführt.“ Entsprechend kräftig sank auch die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern - und das über fast alle Branchen hinweg. Zwar ist das Niveau mit insgesamt fast 71 300 Gesuchen weiterhin sehr hoch. Doch liegt diese Zahl zum ersten Mal seit Februar 2010 wieder unter der des Vorjahresmonats.

Trotz der konjunkturellen Abkühlung erwartet Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) vorerst weiterhin eine stabile Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft sieht das anders: Die nachlassende Konjunktur werde sich in den kommenden Monaten bemerkbar machen, betonte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Mittelfristig rechne er mit einer lang andauernden Stagnation in Südeuropa, die sich auf die gesamte EU auswirken werde. „Dies bedeutet vor allem für die deutsche Exportwirtschaft einen spürbaren Nachfragerückgang - mit entsprechenden Folgen für den Arbeitsmarkt.“

Vor allem Bayern und Baden-Württemberg, die beiden Spitzenreiter unter den Bundesländern, sind stark exportorientiert. Doch noch steigt die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Freistaat an. Nach den jüngsten Daten vom Juli haben inzwischen fast 4,83 Millionen Bayern einen regulären Job, das ist der höchste Wert in einem Juli seit Beginn der Statistik im Jahr 1999. Im Vergleich zum Vorjahr legte die Beschäftigung um 2,7 Prozent zu.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser