Paar ließ sich untersuchen

Trotz Bio-Ernährung: Urin von Trostbergern mit Glyphosat belastet

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Trostberg - Sie ließen sich untersuchen - jetzt haben sie es schwarz auf weiß: Der Urin eines Trostberger Pärchens ist übermäßig stark mit Glyphosat belastet.

Die beiden wohnen am Land bei Trostberg und ließen einen Urintest machen - das Ergebnis: 1,29 beziehungsweise 0,64 Nanogramm Glyphosat pro Milliliter Urin, wie das Trostberger Tagblatt berichtet. Der Rückstandshöchstwert für Pestizide im Trinkwasser beträgt aber gerade mal 0,1 Nanogramm pro Milliliter. Obwohl sich die beiden laut Trostberger Tagblatt fast ausschließlich von Lebensmitteln mit Bio-Zertifikat ernähren, ist ihr Urin trotzdem mit dem Pflanzengift belastet. 

Von 79 Prozent der Untersuchten war Urin zu stark belastet

Die Trostberger machten bei der "Urinale" mit: Über 2000 Bürger aus ganz Deutschland ließen 2015 und 2016 von einem akkreditierten Labor aus Leipzig zum Kostendeckungsbeitrag von 50 Euro ihren Urin untersuchen. Bei 79 Prozent der Probanden wurde der Rückstandshöchstwert der Pestizide im Urin bis zu einem 42-Fachen übertroffen. Laut der Studie ergaben die Urinproben von Kindern und Jugendlichen dabei die höchsten Messwerte. Auch eine Ernährung mit Bio-Lebensmitteln schütze nicht vor der Belastung.

"Offenbar ist es nicht möglich, in Deutschland zu leben, ohne beständig Pestizide aufzunehmen", schlussfolgern die Initiatoren der Studie, eine Bürgerinitiative gegen Ackergifte. Wie das Glyphosat in den menschlichen Körper gelangt, ist noch nicht eindeutig nachgewiesen. Auch eine Aufnahme über die Atemluft könne also nicht ausgeschlossen werden. Interessant auch: Auch ein Angehöriger des Pärchens aus dem Chiemgau ließ sich laut Trostberger Tagblatt untersuchen - er lebt in einer städtischen Siedlung, sein Urin überschritt den Grenzwert zwar ebenfalls um das Fünffache, doch war deutlich weniger belastet, als von dem Pärchen, das am Land lebt. 

Wie aussagekräftig sind die Zahlen?

Doch was sagen die Werte aus? Überschritten wurden in der Studie lediglich die Nachweisgrenzen, die so niedrig angesetzt sind, dass man kein einziges Schadstoffmolekül in Urin finden dürfte - Trinkwasser gehört schließlich zu einem der am besten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland. Das "Bundesinstitut für Risikobewertung" (BfR) wies bereits darauf hin, dass Glyphosat fast vollständig chemisch unverändert vom menschlichen Körper wieder ausgeschieden werde und sich nicht im Körper anreichere - und warnte hinsichtlich der Urinuntersuchungen bereits vor Panikmache: Es sei "doch gut, wenn der Urintest zeigt, dass das Glyphosat unverändert durch den Körper geht, anstatt zu akkumulieren", so BfR-Präsident Andreas Hensel.

Außerdem kam das BfR zum Ergebnis, dass Glyphosat wahrscheinlich nicht krebserregend sei. Doch es gibt auch gegenteilige Studien, wie die der Internationalen Krebsforschungsagentur von 2015: Demnach dürfte der Unkrautvernichter wohl durchaus krebserregend sein. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Patrick Pleul

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