In Traunstein flogen die Fetzen

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Rund 50 überwiegend junge Leute trafen sich am Ostersamstag auf dem Stadtplatz Traunstein zu einer Kissenschlacht. Der „Pillowfightday“, der im Rahmen von überwiegend in Internet-Communities organisierten Aktion stattfand wurde für knapp 140 Städte weltweit geplant und größtenteils durchgeführt.

Traunstein - Was haben Los Angeles, Kuala Lumpur, Peking, Tel Aviv und Traunstein gemeinsam? Sie alle sind Teil des „Pillowfightday“, des weltweiten Kissenschlacht-Tages.

Der "Pillowfightday" wurde für den Ostersamstag in knapp 140 weltweiten Städten ausgerufen und in denen wie in Traunstein die Federn flogen und sich meist völlig unbekannte Teilnehmer eine Massen-Kissenschlacht lieferten.

Pillowfightday auf dem Stadtplatz

Im Internet vor allem im weltweit vernetzten Facebook und anderen Internetforen angekündigt, trafen sich am Samstag Nachmittag nach der Einladung eines ominösen „Le Monsieur Tsinodéh“ rund 50, überwiegend jugendliche Kissenschlacht-Fans. In der Einladung im Facebook war zu lesen: „Bringt nur weiche Kissen mit ...Findet euch am Besten kurz vorher am Stadtplatz ein, ohne euch auffällig zu verhalten. Um Punkt 16 Uhr ertönt dann ein Startsignal.“ So lief es dann auch ab und Punkt 16 Uhr ging es los: Die Kissenschlacht-Kämpfer rissen ihre mitgebrachten Kissen aus ihren Taschen, Rucksäcken und Jacken hervor und das Kampfgetümmel war sofort in vollem Gange: Jeder gegen Jeden, Unbekannt gegen Unbekannt, Freund gegen Freund im „Kampfgewühl“ verbissen um den Sieg kämpfend, der doch nicht zu „erkämpfen“ war, weil es praktisch keinen Sieger geben konnte. So mancher „Pillowfighter“ hatte seine speziellen Techniken, oder eine zweite Waffe in Form eines Ersatzkissens dabei. Denn zugeschlagen wurde zumeist, bis die Federn flogen und die Kissen aufplatzten. Die Besiegten beendeten den Kampf, die Sieger stürzten sich meist in die nächste „Schlacht“, wobei „besiegt“ gleichbedeutend mit „unbewaffnet“ war, sprich: Das Kissen war kaputt und man schaute einfach den anderen „Pillowfightern“ zu. Nach dem ersten Kampf, hatten die Jugendlichen offensichtlich nicht genug und ein Teilnehmer versuchte etwas Ordnung in die Aktivitäten zu bringen: Zwei Gruppen standen sich gegenüber, ein Teilnahmer gab das Signal und los ging es mit einer 2. Runde bis die Kissen komplett leer waren.

„Flashmobs“ (auf Deutsch übersetzt: „Blitzpöbel“) heissen die Art von scheinbar spontanen Veranstaltungen, die in der Regel auf öffentlichen Plätzen stattfinden und – meist junge Teilnehmer ansprechend – im Internet in verschiedenen Foren und Newsgroups organisiert werden und in denen es überwiegend weniger um das „Was“ man tut geht, sondern dass eine gemeinsame Aktion geplant und spontan umgesetzt wird. Dabei steht zumeist weniger eine politische Botschaft als der „Spassfaktor“ - und den schienen auf dem Traunsteiner Stadtplatz sowohl die rund 50 Teilnehmer als auch in etwa ebenso viele Zuschauer gehabt zu haben.

„Flashmob“ - ordnungstechnisch nicht unproblematisch

 Ordnungstechnisch sind die „Flashmobs“ nicht unproblematisch. Handelt es sich doch bei diesen „Spontanzusammenkünften“ um eine nicht offiziell angemeldete Veranstaltung – eine Situation, die auch wenig Zustimmung im Ordnungsamt im Rathaus Traunstein findet, obwohl es sich bei den sogenannten „Flashmobs“ überwiegend um eine Grauzone bzw. eine moderne Art von mehr oder weniger spontan organisierten Veranstaltungen handelt.

In der Facebook-Einladung zur Traunsteiner Veranstaltung heisst es „entsorgt hinterher euren Müll selbständig.“ Gerade das Thema „Müll“ war auch gerade vor dem Hintergrund des Georgi-Ritts am Ostermontag etwas, was im Vorfeld zu dem „Pillowfightday“ nicht unbedingt Begeisterung im Rathaus hervor rief, in der man sich trotzdem nicht zu einem direkten Einschreiten gegen die Veranstaltung durchgerungen hatte, aber die Polizei Traunstein im Vorfeld über die Veranstaltung informierte. Ein Polizeiauto war am Samstag am Stadtplatz nicht erkennbar. Die Teilnehmer in Traunstein hatten auf alle Fälle ihren Spass und der „Federkrieg“ gegen den unbekannten Gegner forderte im Gegensatz zu vielen echten Kämpfen in den Straßen und Plätzen rund um den Globus keine Verletzten – dazu waren die „Waffen“ des Kampfes einfach zu weich und der Spaß eindeutig im Vordergrund. Nach einer halben Stunde des Austobens war alles vorbei, der „2. Pillowfightday“ war zu Ende.

„Endlich mal was los in der Stadt“ meinte die Teilnehmerin Isabella aus Traunstein. “Es sollte öfters solche Tage geben, wo man so richtig Kind sein darf“ fügte die „Pillowfighterin“ Leandra aus Oberteisendorf hinzu. Die 50 Kissenschlachtteilnehmer waren nach gut einer Stunde auf dem Stadtplatz genauso schnell wieder verschwunden, wie sie zuvor aufgetaucht waren.

Aufräumen Fehlanzeige!

 An der Ordnungsliebe der Kissenschlacht-Teilnehmer hat es allerdings nicht gelegen, dass vor Allem am Ostersonntag die Aktion bei wenig Nichtteilnehmern auf viel Gegenliebe stoßen wird. Weggeworfene Kissenhüllen über einem überfüllten Mülleimer - oder einfach an der Kirchenmauer abgelegt - dürften genauso wenige Freunde finden, wie die Tausende von kleinen Federn, die sich in den Ritzen des Kopfsteinpflasters, in den Blumenbeeten oder in den Eingangsbereichen der Geschäfte festfingen. Nur wenige der Teilnehmer räumten den „Müll“ anschließend wieder weg.

Das Säubern des Stadtplatzes bzw. das Verteilen der Federn übernahm der Wind und einige engagierte Ministranten, die als Nichtteilnehmer Schaufel und Besen in die Hand nahmen und die Aufgabe erfüllten, die eigentlich die Verursacher hätten übernehmen sollen. Das "Timing", eine solche Veranstaltung nun ausgerechnet am Vortag des für viele Christen bedeutenden Ostersonntags durchzuführen, dessen Wochenende in Traunstein durch den Georgi-Ritt am Ostermontag noch zusätzlich Bedeutung für die Stadt hat, findet ihren Ansatz wohl zwischen Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit.

awi

Quelle: rosenheim24.de

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