Das dramatische Fischsterben in der Alz

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Der Chemie-Unfall in Gendorf (großes Kreuz) hat in der Alz bis zur Inn-Mündung (kleines Kreuz) ein Fischsterben ausgelöst.

Burgkirchen/Gendorf - Ein Unfall mit verseuchtem Löschwasser hat in Gendorf ein dramatisches Fischsterben in der Alz ausgelöst. NEU: VIDEO-INTERVIEW zu den Hintergründen.

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Werk Gendorf: Feuer im Produktionsgebäude

In der Alz wurden heute am frühen Vormittag im Bereich zwischen dem Werk GENDORF und Emmerting vermehrt tote Fische gefunden. Das Werk GENDORF schließt einen Zusammenhang mit dem Brandereignis vom 6. März in einem Produktionsgebäude der Clariant zur Herstellung von Waschmittelrohstoffen im Industriepark Werk GENDORF nicht aus.  

UPDATE! Um 12.30 Uhr gab das Werk GENDORF eine Pressekonferenz:

Tote Fische an der Alz.

Dr. Bernhard Langhammer, der Geschäftsleiter des Werks, sprach vom Fischsterben im großen Ausmaß: Vom Werk Gendorf bis zur Mündung des Inns sei die Alz kontaminiert, vermutlich in Zusammenhang mit dem Brand vom Vorabend. Das Werk vermutet kontaminiertes Löschwasser als Ursache für die Wasserverschmutzung. Bei einer Fließgeschwindigkeit der Alz von 0,6m/Sekunde sei aber bereits jetzt nichts mehr nachweisbar oder messbar.

Im Falle eines Notfalls sollten eigentlich alle Wässer in die dafür vorgesehenen Rückhaltebecken fließen, mechanische Schieber sollten die Wässer dann in den Becken einschließen. Vom Werk seien alle hierfür notwendigen Maßnahmen getroffen worden, weswegen ein technischer Defekt an einem der Schieber vermutet wird. Eingeräumt wurde lediglich, dass installierte Messgeräte früher hätten anschlagen müssen.

Momentan flösse vom Werk nur noch das Wasser der Kühlwasserkreisläufe in die Alz, alle anderen Abwässer flössen in die Rückhaltebecken.

Die Pressekonferenz und erste Sanierungsmaßnahmen an der Alz:

Fischsterben in der Alz - Pressekonferenz

Dr. Martin Burger vom Wasserwirtschaftsamt gab bekannt, dass alle Fischgrößen von der Vergiftung betroffen seien. Eine Weiterleitung in den Inn könne nicht ausgeschlossen werden, die Verbundwerke seien informiert. Zudem würden die toten Fische bereits vom Landesamt für Umwelt untersucht.

Die Polizeimeldung zum Brand und zum Fischsterben

Dr. Dipl. Biol. Manfred Holzner, Vorstand im Bezirksfischereiverein Mühldorf - Altötting e. V., sagte gegenüber innsalzach24: "Über den Schaden kann man derzeit noch nichts sagen, aber es sind potentiell gut 20 Fischarten in der so genannten Eschenregion betroffen, darunter die Esche, Nase, Barbe. Problematisch wird es natürlich die Fischbestände wieder aufzubauen." Das Fischereirecht organisiere dort die Wacker Chemie AG.

Nach unbestätigten Informationen sollen bereits tote Fische von bis zu zwei Kilogramm in der Alz entdeckt worden sein. Geschätzte 150 Kilogramm tote Fische seien auf einem Abschnitt von 100 Meter der Alz zu finden!

Hannes Schneider, Leiter der Polizeiinspektion Altötting, erklärte, dass überprüft werden müsse, inwieweit die Sachlage strafrechtlich belangbar ist. Ein Polizeihubschrauber sei bereits am Vormittag die Alz abgeflogen, um eine erste Schadenseinschätzung geben zu können.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat inzwischen die Ermittlungen in diesem Fall aufgenommen. Unterstützend wurde das Landeskriminalamt mit seiner Abteilung des kriminaltschnischen Institutes, Fachgebiet Chemie herangezogen. Die Beamten sind bereits vor Ort und nehmen chemische Untersuchungen vor.

Auf der Pressekonferenz wurde eine Gefahr für die Bevölkerung ausgeschlossen. Das Trinkwasser sei nicht von der Kontaminierung betroffen. Das Grundwasser müsse hingegen noch intensiv untersucht werden.

Dr. Peter Blickle, Standortleiter Clariant in Gendorf, und Martin Siebert, Leiter der Werksfeuerwehr Gendorf, äußerten sich nochmal speziell zum Brand des Vorabends. Der Brand sei auf dem Dach eines 17 Meter hohen Gebäudes ausgebrochen, in dem der chemische Stoff Amin hergestellt wird. Dieser Stoff brenne ausschließlich in einer Reaktion mit Sauerstoff. Wie aber das Amin, das zur Produktion von Waschmittelrohstoff benötigt wird, in die Nähe des Dachs gelangen konnte, sei derzeit noch völlig unklar.

Bilder des Brandes vom Dienstagabend:

Brand in Gendorf

Die Firma gab bereits am Vormittag in einer Pressemitteilung bekannt, dass alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Alz getroffen seien und dass die Einleitung von möglicherweise kontaminiertem Abwasser in die Alz gestoppt wurde.

Die zuständigen Behördenvertreter sind informiert und vor Ort. Für weitere Information wurde das Bürgertelefon (Tel. 0 86 79-7 61 11) besetzt.

Polizeisprecher Stefan Sonntag erklärt im Video-Interview die Hintergründe:

2006: Alz mit PFT belastet

Das Wasser der Alz ab Gendorf war 2006 bereits einmal mit Chemikalien kontaminiert und sorgte für Schlagzeilen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wies damals eine Belastung mit PFT (Perfluorierte Tenside) nach. Von einem Umweltskandal wollte das Bayerische Landesamt für Umwelt in diesem Zusammenhang aber nicht reden. Für die Einleitung des mit PFT-belasteten Abwassers lag eine Genehmigung vor. PFT stehen im Verdacht krebserregend zu sein.

rr/ju/eh/mb

Quelle: innsalzach24.de

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