Inline-Skaterin (18) starb

Todes-Raser entschuldigt sich vor Gericht

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Vor Gericht zeigte der Todes-Raser Reue.

München - Mit einem 300 PS starken Auto ist ein 27-Jähriger durch Nürnberg gerast. Er hat eine Inline-Skaterin angefahren, die noch an der Unfallstelle starb. Jetzt wurde der Fahrer verurteilt.

Weil er im Sommer eine Inline-Skaterin angefahren und getötet haben soll, muss sich ein Raser vor dem Amtsgericht Nürnberg verantworten. Der 27-Jährige ist unter anderem wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Beim Prozessbeginn am Freitag sagte er: „Es tut mir leid, dass ich so einen schrecklichen Unfall verursacht habe.“ Er habe bei seinen Beschleunigungsfahrten auf der Großen Straße - einer früheren NS-Aufmarschstrecke - nicht auf die Geschwindigkeit seines 300 PS starken Autos geachtet. An den Unfall könne er sich nicht genau erinnern. „Es ist alles so schnell geschehen.“ Vor dem Unfall habe er „dreieinhalb Flaschen Bier“ getrunken. Er hatte nach dem Unfall 1,49 Promille im Blut.

Die 18 Jahre alte Inline-Skaterin wurde von dem Auto gerammt und rund 70 Meter weit geschleudert. Sie starb noch an der Unfallstelle.

Ein Zeuge sagte, der Angeklagte sei mit einer „Wahnsinns-Geschwindigkeit“ unterwegs gewesen, die „völlig überzogen“ gewesen sei. Laut Anklage fuhr der 27-Jährige am 11. Juni mindestens doppelt so schnell wie die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Der Wagen erfasste die 18 Jahre alte Skaterin, die mit ihrer Schwester die Straße überqueren wollte. Die junge Frau wurde etwa 70 Meter weit geschleudert und starb noch an der Unfallstelle. Die 24 Jahre alte Schwester des Opfers erzählt, das Auto sei so schnell da gewesen, in der Zeit habe man kaum mit dem Finger schnippen können. Sie habe nicht in die Richtung ihrer Schwester geschaut, weil sie diesen Anblick nicht in Erinnerung behalten wollte. „Mir war klar, was passiert ist.“ Während ihrer Aussage ist die blonde Frau noch sehr gefasst. Doch als der Sachverständige die Details des Unfall erläutert, fließen bei ihr die Tränen.

Die große Ausdehnung der Unfallstelle sei sehr untypisch gewesen, sagt der Gutachter. „In dieser Form habe ich innerorts so was noch nie erlebt.“ Sämtliche Diagramme, die er sonst für seine Berechnungen benutze, seien an ihre Grenzen gekommen, „weil solche Unfälle in der Regel nicht in diesen Geschwindigkeitsbereichen stattfinden“. Er geht davon aus, dass das Auto bei der Kollision mindestens 129 Stundenkilometer fuhr, womöglich sogar 145. Eine Vollbremsung habe der Fahrer nicht gemacht. Wäre er mit Tempo 50 unterwegs gewesen, hätte er noch bremsen können.

Der Mann wurde schließlich zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Das Amtsgericht sprach den 27-Jährigen am Freitag unter anderem wegen fahrlässiger Tötung schuldig. Die Tat sei nicht einfach ein tragischer Unfall gewesen, sondern ein schweres Vergehen, sagte Richter Siegfried Spliesgart in seiner Urteilsbegründung. „Wenn ich mich betrunken in mein Auto setze und mit 129 Stundenkilometern über die Große Straße brettere, kann ich es nicht vermeiden, jemanden tot zu fahren.“ Der 27-Jährige habe gleich aus mehreren Gründen nicht fahren dürfen: Weil er betrunken war, weil das Auto nicht zugelassen und außerdem nicht versichert war.

Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und elf Monate Haft gefordert, die Verteidigung drei Jahre und einen Monat.

Der Vertreter der Nebenklage sagte, die Familie werde das Urteil akzeptieren. Das Plädoyer des Nebenklagevertreters rührt sogar Prozessbeobachter zu Tränen. Rechtsanwalt Uwe Wirsching erzählt von der jungen Frau, die im Sommer kurz nach einem Einser-Abitur in Nürnberg ums Leben kam. „Sie war ein fröhlicher aufgeweckter Mensch und hatte viele Freunde“, sagt Wirsching über die 18-Jährige. Und er mutmaßt, wenn sie an diesem Freitag im Amtsgericht Nürnberg gewesen wäre, hätte sie sogar womöglich Mitleid mit dem Angeklagten gehabt.

Der Verteidiger des 27-Jährigen kündigte dagegen an, in Berufung zu gehen. Seiner Ansicht nach ist die Strafe zu hoch.

dpa

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