Ein Oberaudorfer-Tank gegen die Cholera

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Haiti im Januar 2011: Es fehlt an fast allem in Leogane, auch an sauberem Trinkwasser. Die Cholera breitet sich aus.

Rosenheim/Port-au-Prince - Heute vor einem Jahr bebte die Erde auf Haiti. Seither gibt es wenige gute Nachrichten aus dem zerstörten Karibikstaat. Aber es gibt Zeichen der Hoffnung, durch die Hilfe aus Oberaudorf.

Heute vor einem Jahr bebte um 16.57 Uhr die Erde auf Haiti. Die verheerenden Folgen - 250.000 Tote, 300.000 Verletzte, über eine Million Obdachlose - machten die Welt fassungslos. Seither gibt es wenige gute Nachrichten aus dem zerstörten Karibikstaat. Das Chaos ist groß, der Wiederaufbau läuft schleppend, die Cholera breitet sich aus. Aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung - "zum Beispiel unseren Wassertank in Leogane", sagt Ulrich Brunner, Apotheker aus Oberaudorf.

Mit dem Wort "unser" meint Brunner die Vereinigung "Apotheker ohne Grenzen Deutschland", deren Vorsitzender er ist. In Leogane, unmittelbar am Epizentrum des Erdbebens, ist das Elend besonders groß. Der Apotheker aus dem Inntal war Anfang 2010 einer der ersten ehrenamtlichen Helfer im Katastrophengebiet. Ihm sind bis heute zahlreiche Kollegen von "Apotheker ohne Grenzen" (850 Mitglieder) gefolgt.

Nachhaltige Hilfe aus dem Raum Rosenheim: In Leogane wird eine Gesundheitsstation und in Les Cayes ein "Haus Rosenheim" in einem SOS-Kinderdorf errichtet.

Ihr Auftrag zunächst: Medikamente in die Lazarette schaffen und so schnell wie möglich verteilen. Aber den Apothekern geht es auch - wie schon beim Einsatz nach dem Tsunami in Asien - um nachhaltige Aufbauhilfe. Seit Monaten treibt Brunner deshalb den Bau einer Gesundheitsstation in Leogane voran. Ein schwieriges Unterfangen, schließlich kam zur ersten noch eine zweite Katastrophe hinzu: der Ausbruch der Cholera.

Die Zahl der Infizierten wird auf mehrere hunderttausend Menschen geschätzt. "Glücklicherweise nimmt die Seuche bei den meisten Erkrankten einen milden Verlauf. Die Todesrate liegt bei acht bis zehn Prozent", so Brunner. Immerhin hat die Cholera dafür gesorgt, dass die Hilfspakete sofort durch den Zoll kamen. Noch vor Monaten war so manche Lieferung im Flughafen hängengeblieben.

In Haiti wird heute des verheerenden Erdbebens von vor einem Jahr gedacht. Um genau 16.53 Uhr Ortszeit soll das gesamte Leben in dem Karibikstaat stillstehen, um an die Toten zu erinnern. Über den Erdbebengebieten sollen Tausende von weißen Luftballons aufsteigen. Danach sind in den Städten von den Behörden organisierte Aktivitäten unter dem Motto "Feier des Lebens" geplant.

Anteilnahme und Hilfsbereitschaft waren nach dem Erdbeben auch in der Region groß. Ein Teil der Spendengelder - darunter 10.000 Euro vom OVB-Medienhaus - floss in "Emergency Health Kits", der Rest in den Aufbau einer Gesundheitsstation mit Trinkwasseranlage in Leogane. Die "Kits" sind speziell für Katastrophen entwickelte Notfallpakete. Sie enthalten unter anderem Medikamente, Verbandmaterial und Wasserentkeimungstabletten. Mit nur einem Paket (Kosten: 8000 Euro) kann man bis zu 10.000 Menschen drei Monate lang versorgen.

Inzwischen sind die ersten sichtbaren Schritte auf dem Weg zum Gesundheitszentrum gemacht. Die seit acht Jahren ungenutzten Wasserhähne und Toiletten im Gebäude wurden angeschlossen. "Auch die Wasserversorgung auf dem Gelände steht", verkündet Brunner zum Jahrestag des Bebens. "Wir haben zwar noch kein Loch bohren können, da die Geräte wegen der vielen Zeltstädte nicht aufs Grundstück kommen. Der 2000-Liter-Tank wird aber regelmäßig per Lkw befüllt."

Im Zeitplan ist ein weiteres Rosenheimer Hilfsprojekt für Haiti. Rund 80.000 Euro hat ein Freundeskreis um Initiator Georg Zanetti aus Raubling gesammelt. Das Geld ist für das "Haus Rosenheim" bestimmt, das ein neues SOS-Kinderdorf in Les Cayes bereichern soll. "Baubeginn ist im März", so Zanetti gestern zum OVB.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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