Stevens zweites Leben

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Unzertrennlich: Jenny (20) und ihr schwerstkranker Bruder Steven (18).

Rosenheim/Gstadt - Jenny, Steven und Johnny sind nicht nur wegen ihrer amerikanischen Namen ein außergewöhnliches Trio. Die schwere Krebserkrankung von Steven hat die drei Geschwister zusammengeschweißt.

Dass Steven noch lebt, Jenny das Abitur geschafft hat und auch Johnny seinen Weg machen wird, haben sie nicht nur ihrer tapferen Mama zu verdanken, sondern auch der Björn-Schulz-Stiftung. "Ihr habt großen Anteil am Glück meiner Kinder", sagt Mutter Angela den Betreuern der Stiftung, die sie und ihre Familie seit Jahren stützen und begleiten. Und wer Steven in die Augen schaut, der kann in seinem ernsten Blick ablesen, dass der junge Mann eine schlimme Kinder- und Jugendzeit durchlebt hat. Auch heute kämpft er noch mit den Folgen einer schweren Krebserkrankung. Im Alter von drei Jahren hatten die Ärzte einen tennisballgroßen Gehirntumor in seinem kleinen Hinterkopf festgestellt. Und das eigentlich zu spät: Trotz Operation und schwerster Bestrahlung hatten sie den Buben schon aufgegeben.

Die Mama aber kämpfte weiter, rückte nicht vom Krankenbett des Kleinen, und Steven überlebte wie durch ein kleines Wunder. Nach und nach - im wörtlichen Sinn Schritt für Schritt - brachte die Mutter ihrem Sohn das Laufen und Sprechen ein zweites Mal bei. Obwohl dem Buben seit der Operation ein erheblicher Teil seines Gehirns fehlt, entwickelte er sich zu einem wahren Ass in der Schule - unter anderem in Mathe.

Für Menschen, die ein ähnliches Schicksal trifft wie Jenny, Steven, Johnny und Angela, wird derzeit der Irmengardhof in Mitterndorf bei Gstadt zu einer Nachsorge- und Ferieneinrichtung umgebaut. Jeder Cent aus der OVB-Weihnachtsaktion "Gemeinsam für krebskranke Kinder" fließt in das Projekt.

Die alleinerziehende Mutter - die Ehe zerbrach an der ständigen Angst und dem Kampf um Stevens Zukunft - konnte die Familie finanziell nur mit großer Mühe über Wasser halten. An Nachsorge oder einen Urlaub wäre ohne die Björn-Schulz-Stiftung nicht einmal im Traum zu denken gewesen. Dafür war kein Geld vorhanden.

Deshalb ist Angela U. sehr dankbar, dass ihre Kinder in das Nachsorgehaus der Stiftung an die Nordsee fahren konnten: "Besonders auf Steven hatten die Nachsorgeaufenthalte große Wirkung. Sie stärkten seinen Körper, seine Seele, denn er kämpft immer noch mit den Folgen, unter anderem der Bestrahlung."

Steven ist inzwischen auf einem Auge blind, hat auf dem zweiten nur noch 45 Prozent Sehkraft. Seine Wachstumshormone konnten sich nicht ausbilden. Er hat die Größe und den Körperbau eines Zwölfjährigen - und einige innere Organe funktionieren nur eingeschränkt. Aber: Er lebt - und daran hatte vor 15 Jahren außer der Mutter kaum jemand geglaubt.

Seine Schwester Jenny war sechs Jahre alt, als ihr kleiner Bruder so schwer erkrankte. Der erste Schock, die Angst, die Rückschläge, das ständige Hoffen und Bangen, das "Leben" im Krankenhaus - das alles prägte ihre Kindheit. Johnny, der Kleinste, kam erst zur Welt, als Steven schon wieder gesund zu werden schien. Er ist heute 14 Jahre alt - ein anständiger und aufgeweckter Bub. Wie sein kranker Bruder liebt er die große Schwester sehr, die schon früh viel Verantwortung für die zwei Kleineren übernehmen musste. Jenny hat 2009 das Abitur gemacht. Jetzt will sie Sozialpädagogik studieren.

"Nie hätte ich meinen Kindern einen Urlaub ermöglichen oder einen Ferienaufenthalt finanzieren können - erst recht nicht für alle drei zusammen", erinnert sich die Mutter. Das Stiftungshaus an der Nordsee ist zwar fein, aber klein. Wenn der Irmengardhof am Chiemsee saniert und umgebaut ist, können dort 30 Familien Urlaub machen - ein Segen für viele Betroffene mit krebs- oder schwerstkranken Kindern, die nicht nur gegen einen Schicksalsschlag, sondern auch finanziell ums Überleben kämpfen. ls/ff

OVB-Weihnachtsaktion 2010

- Schon über 187 000 Euro

auf dem Spendenkonto;

- Spenderliste auf Seite 45.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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