Wettbewerbshüter eingeschaltet

Etikettenschwindel bei der "Steer Weisse"

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Mühldorf - Die "Steer Weisse" stammt nicht aus Mühldorf - das musste Braumeister Rudi Steer nun einräumen. Nun befasst sich die Wettbewerbsbehörde mit dem falschen Etikett.

Es ist das zweite Weißbier in Mühldorf, kommt mit Bügelverschlussflasche und Holzkiste urig daher, ist nur im persönlichen Kontakt mit dem Bräu in dessen Bräustüberl zu kaufen und hat viele Liebhaber: Die "Steer Weisse", gebraut in der Museumsbrauerei von Rudi Steer auf dem ehemaligen Turmbräugeländen in Mühldorf.

"Wenn die Leute beschissen werden, ist das nicht gut"

Spätestens heute dürfte Steer Post von der Wettbewerbsbehörde erhalten, die ihn auffordern wird, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen, dass das Bier nicht aus Mühldorf kommt obwohl Steer das behauptet. Diese Vorwürfe hat der Verband "Private Brauereien München" an die Wettbewerbshüter weitergegeben, belegt mit Zeitungsartikeln, Anzeigen, dem Flaschen-Etikett und dem Internetauftritt der Museumsbrauerei.

"Steer darf nicht den Eindruck erwecken, dass er das Bier selbst und in Mühldorf braut", sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Dr. Werner Glossner. Nach seiner Ansicht schätzen viele Verbraucher regionale Produkte und seien bereit, mehr dafür zu bezahlen, wenn sie den Produzenten kennen. "Wenn die Leute beschissen werden, ist das nicht gut." Der Vertrieb eines Bieres mit dem eigenen Namen sei jederzeit möglich, allerdings müsse die Herkunft geklärt sein.

Steer gibt auf Anfrage zu, dass sein Weißbier nicht in Mühldorf hergestellt wird und er es nicht selbst braut. "Wie sich das auf meiner Internetseite eingeschlichen hat, weiß ich selbst nicht. Das muss man ändern", sagt er.

Auf der Internetseite heißt es zum Beispiel über die "Steer-Weisse": "Handgebrautes Weißbier aus Mühldorf am Inn". Und: "Nach vielen Wanderjahren in verschiedenen Brauereien zog es Steer nach Mühldorf zurück. Hier braut er sie heute wieder, seine zu Recht berühmte "Steer-Weisse". Auch auf dem Etikett ist die "Museumsbrauerei Steer, Weißbergerstraße, Mühldorf" als Quelle angegeben, obwohl dort in den letzten Jahrzehnten kein Tropfen Bier gebraut worden ist.

Fast identisch mit dem "Unertl Weißbier"

Ob er die "Steer Weisse" in der Brauerei Unertl in Haag produzieren lässt, dazu will Steer nichts sagen. Auch nicht dazu, ob sie mit dem "Unertl Weißbier" aus Haag identisch ist. Nur, dass es nicht in Mühldorf hergestellt wird, das gesteht er ein.

Alois Unertl, Chef der Haager Brauerei, ist auf Nachfrage offener: "Ja, er braut bei uns." Früher habe Steer in Mühldorf selbst produziert, bis es sein Vermieter untersagt habe. "Vorübergehend brauen wir für ihn." Das Bier sei weitgehend das selbe, sagt Unertl, in der "Steer Weissen" seien aber ein "paar Zellen mehr Hefe" drin.

Steer hält an seinem Vorhaben fest, irgendwann in Mühldorf zu brauen. "Ich habe die Gegebenheit noch nicht", sagt er, obwohl er dazu 2013 von der Wies in die Weißgerberstraße und die ehemalige Turmbrauerei umgezogen ist. "Ich würde gerne dort brauen, es geht nicht so recht vorwärts." So habe er noch keinen Bauantrag gestellt, nach seinen Angaben die Voraussetzung dafür, dass er die Arbeit aufnehmen darf.

"Unertl Alkoholfrei" kommt aus Stein

Auch Mühldorfs Weißbierbrauerei Unertl stellt nicht alle Biersorten in Mühldorf her. Laut Brauereichef Wolfgang Unertl wird das alkoholfreie Weißbier in der Brauerei Schlossbrauerei Stein hergestellt, allerdings streng nach Rezept und Vorgaben aus Mühldorf. Auch das "Oberland Export Weißbier" werde dort produziert.

Als Grund nennt Unertl die Pasteurisierung des Bieres, die für das alkoholfreie Bier und das Export-Weißbier notwendig sei. "Wir können in Mühdorf das Bier nicht haltbar machen, weil wir es für die übrigen Biere nicht brauchen." Unertl betont: "Daraus haben wir aber nie ein Geheimnis gemacht."

hon/Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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