Starbulls-Fan sieht sich als Bauernopfer

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"Ich habe doch nichts gemacht": Patrik Flatscher kämpft gegen das Stadionverbot und um seinen guten Ruf.

Rosenheim - Seit den Ausschreitungen beim Starbulls-Spiel in Regensburg hat Patrik Flatscher zwei Anzeigen und ein Stadionverbot am Hals. Doch er sieht sich als Bauernopfer.

Mehr als daneben benommen haben sich einige Starbulls-Fans vor vier Wochen beim Zweitliga-Spiel in Regensburg. Patrik Flatscher (23) gehörte nicht dazu. Er war nur zur falschen Zeit am falschen Ort - und fühlt sich jetzt als Bauernopfer, der seinen Kopf für die wahren Störenfriede hinhalten muss.

Nun hat er Anzeigen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Hausfriedensbruchs am Hals - und als Draufgabe erhielt er noch ein Stadionverbot in Rosenheim.

Daneben benommen: Starbulls-Fans in Regensburg.

Immer gut drauf, höflich und keine Spur aggressiv: Flatscher gilt unter seinen Freunden und Bekannten in der Rosenheimer Eishockey-Szene als Vorzeige-Fan. Noch nie hatte er Ärger mit der Polizei, noch nie ist er bei einem Spiel aus der Rolle gefallen. Dass er als treuer Anhänger von den Klubverantwortlichen nicht einmal die Chance bekam, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, enttäuscht ihn schwer. "Auf solche Fans können wir gerne verzichten", steht im Hausverbots-Schreiben der Starbulls. Diesen Satz empfindet der Großhandelskaufmann wie einen Schlag ins Gesicht.

Weil eine Kopie des Briefes auch an die Stadt Rosenheim als Stadioneigentümerin und an die Polizei in Rosenheim ging, sieht sich der 23-Jährige um seinen guten Ruf gebracht, fordert neben der Rücknahme des Stadionverbots eine Entschuldigung vom Verein. Zudem erstattete er "Anzeige gegen unbekannt", weil ihn Regensburger Sicherheitskräfte brutal gepackt und wie einen Schwerverbrecher behandelt hätten, klagt er.

Einsatztaktisch gesehen war das scharfe Vorgehen der Regensburger Polizei im Rosenheimer Fan-Block angemessen und erfolgreich. Schließlich wurde der Mann, der kurz vor Spielbeginn während der Schweigeminute für den verstorbenen Eishockeynationalspieler Robert Dietrich eine Nebelkerze gezündet hatte, gefasst. Der Qualm war so stark, dass sogar der Feueralarm ausgelöst wurde. "Die Polizei drängte einen Teil des Rosenheimer Fan-Blocks (etwa 30 Personen) aus der Arena und stellte die Personalien fest", berichtete die Mittelbayerische Zeitung. Dabei sei es zu Rangeleien zwischen Fans und Ordnern gekommen. Nach der Räumung mussten die Rosenheimer Fans schon während des Spiels mit dem Bus die Heimreise antreten - begleitet von einer Polizei-Eskorte.

Auch Flatscher war mit dem Fan-Bus angereist. Weil er sich aber vor dem Spiel mit einer Bekannten traf, die in Regensburg studiert, und sie zum Mitkommen überredete, lief das Spiel schon, als er sich auf seinen Stehplatz stellte. So bekam er von dem Wirbel nichts mit, der Rauch in der Donau-Arena hatte sich schon verzogen. Nur die vielen Polizisten und Security-Leute, die teilweise auch filmten, fielen ihm auf. "Und dass manche von ihnen an uns vorbei nach oben gingen und einige Fans aus dem Stadion zerrten", so Flatscher.

Irgendwann traf es auch ihn. "Verlassen Sie sofort das Stadion", forderte ihn ein Polizist auf. "Warum?", fragte der Fan: "Ich habe nichts gemacht und für die Karte bezahlt." Es kam zu zwei kurzen Wortwechseln - dann packten zwei Polizisten den Fan am Arm, zerrten ihn nach draußen, brachten ihn am Seiteneingang zu Boden, drückten ihm ein Knie in den Rücken, einen Fuß auf den Kopf. "Beruhigen Sie sich", brüllten die Beamten. "Ich bin ruhig, bitte brecht mir nicht die Arme", röchelte Flatscher, um Luft ringend. Wenig später wurde er ins Freie geschubst. Erst dort erfuhr er von einem weiteren Polizisten den Grund für die Räumung, woraufhin ihm der 23-Jährige widerwillig seine Personalien gab.

Der Fan verließ mit seiner Bekannten das Gelände, telefonierte mit seiner Mutter, die ihm dazu riet, sich die Personalien der zwei Polizisten zu holen, die ihn so hart angepackt hatten. So klopfte er nochmals an die Stadiontür und fragte sich mühsam bis zum Einsatzleiter durch. Aber der Schuss ging nach hinten los. Der 23-Jährige musste sich fürs Polizeifoto an die Wand stellen und hat sich nun wegen der Rückkehr in die Arena auch noch wegen Hausfriedensbruchs zu verantworten, obwohl es ein Polizist war, der ihn zum Einsatzleiter brachte.

Wieder daheim in Rosenheim, flatterten jetzt nicht nur die Anzeigen, sondern auch das Starbulls-Hausverbot fürs Kathrein-Stadion ins Haus. "Das ist rufschädigend, ich hatte mit der Rauchbombe nichts zu tun und habe auch nicht Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet", ist der Betroffene empört über das Schreiben. Unsere Zeitung versuchte gestern, zwischen den Starbulls-Verantwortlichen und dem Fan zu vermitteln. Vorstand Wilhelm Graue signalisierte gegenüber dem OVB Gesprächsbereitschaft. Laut Graue wurden nach dem Regensburg-Debakel zwei Stadionverbote verhängt - gegen den Zünder der Rauchbombe und Flatscher. Möglicherweise habe man im zweiten Fall zu schnell reagiert, räumte der Jurist ein, der sich jetzt mit dem Fan an einen Tisch setzen wird.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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