Staatsministerin Melanie Huml zu Gast in Rosenheim

Ministerin Huml: "Leben bis zuletzt"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Melanie Huml zu Gast bei der Frauen-Union in Rosenheim
  • schließen

Rosenheim - Anlässlich ihres Besuchs bei der Frauen-Union referierte Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, neben der Versorgung vor Ort auch über das Thema Sterbehilfe

Zur ersten "Kulinarischen Kirchweih" der Frauen Union in Rosenheim hat am Montag Abend die Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, unter dem Motto "Ein funktionierendes Gesundheitswesen" über den aktuellen Stand in der Branche informiert und einen Ausblick auf die Themen der nächsten Jahre gewagt.

In ihrer kurzen Vorrede wies MdB Daniela Ludwig auf den aktuell unverändert hohen Stellenwert der Bereiche Gesundheit und Pflege im aktuellen Gefüge der Brennpunkte hin. Besonders die Zukunftsperspektive spiele hier eine wichtige Rolle, so die Bundestagsabgeordnete. Sowohl eine ordentliche Klinikversorgung inklusive leistungsfähiger Notaufnahmen als auch angemessene Leistungen bei der ambulanten und häuslichen Pflege, legten in der Vergangenheit den Grundstock für die "Gesundheitsregion Rosenheim" und müssten auch zukünftig auf einem hohen Niveau gehalten werden.

Tabuthema Sterbehilfe

"Auch das sensible Thema Sterbehilfe wird uns beschäftigen," so Daniela Ludwig weiter. Sie sprach sich in ihrer Einführung deutlich gegen die gewerbsmäßige Organisation sogenannter "Sterbe-Vereine" aus, sie fordere im Gegenteil, sich für eine würdevolle Betreuung alter und schwerkranker Menschen einzusetzen.

Auch Melanie Huml stellte sich im Folgenden ausdrücklich auf die Seite der Euthanasie-Gegner. "Leben bis zuletzt" müsse auch in Zukunft in Würde möglich sein. Es dürfe gegenüber alten und kranken Menschen keinesfalls der Eindruck entstehen, dass sie am Lebensabend oder nach gescheiterten Behandlungen ihren Angehörigen zur Last fallen, so die Ministerin. Als Alternative müsse man weiter die Palliativ-Versorgung ausbauen und Hospiz-Arbeit verstärken. Die Haltung mancher europäischer Nachbaren lehne die Politikerin vollkommen ab, auch beim Thema ärztlich-assistierte Sterbehilfe könne man keine Ausnahme zulassen. Der Grundsatz "an der Hand versterben, nicht durch die Hand" habe oberste Priorität, möglicherweise vorhandene Patienten-Verfügungen gelte es aber trotzdem zu respektieren so Huml.

Prävention und Versorgung vor Ort

Melanie Huml zu Gast bei der Frauen-Union in Rosenheim

Neben dem aktuell kontrovers diskutierten Thema Sterbehilfe gewährte Staatsministerin Huml aber auch einen Einblick in weitere Themen ihres Fachbereichs. Immer noch zu stiefmütterlich werde der Bereich Prävention in der Bevölkerung wahrgenommen, so Huml. Hier sehe sie die große Aufgabe, "die Leute mitzunehmen, sie zu überzeugen von sich aus die Angebote wahrzunehmen." "Wir müssen die Menschen da mitnehmen, wo sie sind", schlug sie deshalb vor der Zuhörerschaft in Rosenheim vor. Möglich wäre hier beispielsweise, eine ganze Abteilung am Arbeitsplatz geschlossen zum Arzt zu bewegen, so Ministerin Huml.

Die Situation und die Anzahl der Haus- und Fachärzte in der Rosenheimer Region hingegen schätze die Staatsministerin als "ausreichend und gut" ein. Auch die Pflegekräfte und Therapeuten hätten im Süden Bayerns einen sehr guten Ruf. In der Vergangenheit habe dies in anderen Regionen des Freistaats eine feinere Bedarfsplanung erst ermöglicht. Große Gebiete wurden auf die Versorgungsdichte überprüft, die Regierung sei zu dem Schluss gekommen, dass man in manchen Kommunen feiner differenzieren müsse. Eine Folge der Diskussion sei die Neu-Beplanung mancher Bereiche gewesen, wodurch in bestimmten Regionen eine adäquate Versorgung gewährleistet werden konnte, so Huml. Sie wolle sich auch weiter für eine hohe Dichte im Bereich der Hausärzte einsetzen, entsprechende Förderprogramme für die jungen Nachfolger der teils überalterten Ärzte sollen Anreize bieten, auch den Dienst auf dem Land wahrzunehmen. "Eine Förderung bedeutet dann nicht nur mehr Geld, sondern auch gestiegene Wertschätzung", erklärte die Ministerin.

"Krankenhäuser müssen selbstverantwortlich wirtschaften können"

"Jedes zweite Krankenhaus schreibt rote Zahlen", trotz sehr hoher Investitionskosten seitens der Regierung, so Melanie Huml. Diesem Trend wolle man einerseits mit Hilfe des Ausbaus der sogenannten "Telemedizin" entgegnen. Durch moderne Kommunikationsmittel sollen auch ländliche Häuser in der Lage sein, Patienten entsprechend gestiegener Bedürfnisse fachgerecht zu behandeln. Auf der anderen Seite gehe die Regierung aktuell besonders gegen das Problem der "doppelten Degression" vor. Wenn Krankenhäuser zusätzliche Patienten versorgten, müssen sie dafür Mehrleistungsabschläge hinnehmen, so Huml. Gleichzeitig sinken damit mittelfristig auch die Preise für sämtliche Krankenhausleistungen im jeweiligen Bundesland. Diese "doppelte Bestrafung" wirke dem Bestreben, eine gute Grundversorgung in der Fläche zu gewährleisten entgegen, so die Staatsministerin.

Altenpflege: Am Bett des Patienten

"Ein Drittel der pflegebedürftigen Menschen werden in Heimen, zwei Drittel werden zu Hause versorgt", so Melanie Huml über die aktuelle Situation in der Pflege. Immer noch würden die neuen Möglichkeiten des sogenannten "Pflegestärkungsgesetzes" nicht vollends ausgeschöpft. Sie forderte die Bürgerinnen und Bürger auf, das Angebot von Tages- oder Kurzzeitpflege zur Entlastung und Erholung besser wahrzunehmen. Des weiteren kündigte die Ministerin auch an, den "Pflegebedürftigkeitsbegriff" neu überarbeiten zu wollen. Besonders Demenzkranke müssten hier mehr berücksichtig werden, bei der Erkennung falle dieser Krankheitstypus schlicht zu oft durch das Raster, so Staatsministerin Melanie Huml. 

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser