Serie - Teil 2: "Ab wann bin ich süchtig?"

Mein Selbstversuch: 24 Stunden ohne Smartphone

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Franziska Osterhammer musste einen Tag ohne ihren ständigen Begleiter auskommen. 

Rosenheim - Das Smartphone ist omnipräsent, mehrere Stunden verbringen wir täglich am Display. Wie ist es, wenn man dann einfach mal für 24 Stunden nicht erreichbar ist? Unsere Reporterin Franziska Osterhammer (18) macht den Selbstversuch:

Es ist immer dabei: Das Smartphone. Egal, ob wir auf den Zug warten oder unterwegs zu einem Termin sind, in jeder freien Minute wird das Handy gezückt. Ein wahrer Zeitfresser also. In meiner Generation, die auch gerne „Generation Smartphone“ genannt wird, ist es besonders schlimm: Eine Studie der Uni Bonn zeigte, dass junge Erwachsene im Alter zwischen 17 und 25 Jahren im Schnitt ganze drei Stunden pro Tag am Smartphone verbringen. 

Serie: "Ab wann bin ich süchtig? 

Teil 1: 5 praktische Tipps gegen die Smartphone-Sucht

Ich selbst bekenne mich da schuldig im Sinne der Anklage. Immerhin lege ich mein Handy weg, wenn ich mich mit anderen unterhalte oder konzentriert arbeiten will, sobald jedoch etwas freie Zeit ist, bin ich sofort wieder online

Natürlich erleichtert es mir aber auch oft meinen Alltag: Will ich zum Beispiel wissen, ob mein Zug pünktlich ist, nutze ich eine App. Könnte ich wohl auch ganz ohne Smartphone „überleben“? Ich starte einen Selbstversuch. 

Ein typischer Tag MIT Smartphone

Um einen Vergleich zu einem Tag mit normaler Handynutzung zu haben, lade ich mir die App „Moment“ für iPhone herunter. Sie läuft automatisch im Hintergrund mit und misst die Zeit, die man am Bildschirm verbringt. 

Der erste Griff zum Handy erfolgt am Freitag unmittelbar nach dem Aufwachen – um den Wecker auszuschalten. Danach bleibt es erst noch für eine knappe halbe Stunde aus, bevor ich es am Frühstückstisch wieder entsperre. Während ich esse, checke ich diverse Social Medias, darunter Instagram (meine persönliche Sucht) und Facebook

Dann geht es in die Arbeit. Während der Zugfahrt bleibt mein Handy in der Tasche, da ich mich mit einer Freundin unterhalte, und auch im Büro bleibt es aus, abgesehen von ein paar Minuten in der Mittagspause. Bis dahin sieht meine Handybilanz daher auch gar nicht so schlecht aus. Man soll aber ja bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben... 

Der Feierabend beginnt nämlich daheim erst mal mit einer langen Handyphase. Wie mir die App danach mitteilt, habe ich stolze 32 Minuten am Stück am Display verbracht. Am restlichen Abend summieren sich dann die Minuten. 

Als ich am Ende des Tages die App checke, erfahre ich, dass ich insgesamt zwei Stunden und 35 Minuten am Handy verbracht habe. Das ist zwar etwas weniger als der durchschnittliche junge Erwachsene, aber immer noch eine stolze Zahl für einen Tag, an dem ich schließlich auch rund acht Stunden gearbeitet habe. 

Screenshot "Moment"

Bevor ich schlafen gehe, wird mir schon etwas komisch bei dem Gedanken, die nächsten 24 Stunden kein einziges Mal auf mein Handy zu schauen. Wie es mir wohl gehen wird, so ganz ohne Instagram und WhatsApp? 

Mein Experiment: Ein Tag OHNE Smartphone

Am Samstag beginnt mein Tag eigentlich ganz normal – nur etwas früher. Ein entspannter Samstagvormittag beginnt bei mir meistens nämlich erst mal am Handy, ohne bleibt mir da gar nichts anderes übrig, als gleich aufzustehen. Da fällt mir erst auf, wieviel Zeit ich eigentlich habe, wenn ich den Vormittag nicht nur am Smartphone verbringe

Kurzerhand beschließe ich daher, ein neues Fitnessstudio auszuprobieren, um meine neu entdeckte Zeit sinnvoll zu nutzen. Dabei werde ich vor das erste Problem gestellt: In der Zeitung finde ich keine Öffnungszeiten. Könnte man jetzt einfach googeln, wäre die Sache innerhalb weniger Sekunden gelöst

Ich beschließe, einfach mal loszufahren. Und ich habe Glück: Das Fitnessstudio hat offen. Manchmal macht man es selbst komplizierter, als es tatsächlich ist.

Am Nachmittag verändert sich nicht viel, nur ab und zu zuckt meine Hand reflexartig in Richtung Smartphone, das ausgeschaltet am anderen Ende des Tisches liegt. Ich bleibe aber standhaft und das Handy ausgeschaltet. 

Erst am Abend wird es langsam etwas zäh. Man kann nur bedingt irgendwelche alten Magazine lesen, bevor man sich zu Tode langweilt. Auch der Fernseher bleibt ausgeschaltet, wenn schon, denn schon. Da ich natürlich mangels WhatsApp nicht weiß, was meine Freunde so vorhaben, liege ich schon um halb elf im Bett. Eigentlich, denke ich mir, war es trotzdem wirklich nicht dramatisch, einfach mal nicht erreichbar zu sein. 

Mein Fazit

Das bestätigt sich auch am Sonntagmorgen, als ich zum ersten Mal wieder auf mein Smartphone schaue. Was war am Samstag alles los? Eine Freundin hat mich bei einem Video auf Facebook markiert, in einem Gruppenchat gibt es mehrere neue Nachrichten wegen einem Kinobesuch am nächsten Wochenende und ich habe 15 neue Mails - 13 davon sind aber Newsletter und Werbung. Etwas wirklich wichtiges ist somit nicht passiert.

Was ich aus dem kleinen Experiment für mich selbst gelernt habe? Ich bin definitiv nicht süchtig, trotzdem schadet es nicht, das Handy in Zukunft einfach öfters mal wegzulegen. Die dadurch entstehende Langeweile wirkt nämlich entspannend. Was man auch oft unterschätzt, ist die Zeit, die einem durch das Gerät gestohlen wird. Ein kompletter Verzicht ist aber auch keine dauerhafte Lösung. Dafür ist das Smartphone dann doch einfach zu praktisch...

fso

Quelle: rosenheim24.de

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