Showdown an der Urne

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Am Sonntag sind Bayerns Wahlberechtigte wieder an die Urnen gerufen.

Rosenheim/Landkreis - Der Countdown läuft: 9,4 Millionen Bayern haben am kommenden Sonntag die Wahl - sind sie FÜR oder GEGEN einen echten Nichtraucherschutz?

Stimmen sie mit "Ja", wird der Entwurf des Volksbegehrens zum Nichtraucherschutz Gesetz. Stimmen sie mit "Nein", bleibt das am 1. August 2009 in Kraft getretene Gesundheitsschutzgesetz in Kraft.

Der Gesetzentwurf des Volksbegehrens, für das sich 13,9 Prozent aller stimmberechtigten Bayern ausgesprochen haben, wendet sich gegen die im August 2009 vom Bayerischen Landtag beschlossene Lockerung des Gesundheitsschutzgesetzes.

Eine Ja-Stimme bedeutet demnach die Zustimmung für den Gesetzentwurf des Volksbegehrens, eine Nein-Stimme bedeutet dagegen die Beibehaltung der geltenden Regeln zum Nichtraucherschutz (in der geänderten Fassung vom 1. August 2009).

Dossier:

Nichtraucherschutz

Die Wahllokale haben am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Mitzubringen haben die Wähler ihren Wahlschein sowie den Personalausweis. Im Landkreis Rosenheim sind 187.000 Bürger in 46 Gemeinden aufgerufen, ihr Kreuz zu machen, in der Stadt Rosenheim sind es 41.500. Wichtig: Jeder Wähler darf nur ein Kreuz machen! Ein Muster des Stimmzettels gibt es derzeit im Internet unter www.bayern.de/stimmzettel.

Auch in der OVB-Redaktion wurde in den vergangenen Tagen heftig über die Volksabstimmung und das Für und Wider des strengeren Nichtraucherschutzgesetzes diskutiert. Hier zwei Meinungen.

Ich stimme mit "Ja"

Qualmen darf fast jeder, Alkohol trinken darf auch fast jeder. Ebenso Autofahren und Fußball-WM gucken. In Deutschland haben wir einen großen Spielraum für persönliche Freiheit.

Wo dieser nach dem Gefühl der Menschen zu sehr eingeschränkt wird, gehen sie auf die Barrikaden. Das ist gut so. Manchmal nimmt die Auseinandersetzung regelrecht verwegene Züge an. Nicht nur politische Streithähne gehen rabiat aufeinander los, manch tiefer Riss geht durch die Familien, weil der Streit Raucher - Nichtraucher schnell grundsätzlich wird.

Nun soll ein Gesetz die Nichtraucher maximal schützen. Gut so, zumal ich noch nie geraucht habe und Zigarettenqualm - egal wo - widerlich finde. Obendrein droht mir als "Passivraucherin" ein vier mal höheres Krebsrisiko. Das muss ich nicht haben.

Jedem Raucher muss klar sein, dass seine Freiheit zu qualmen, wo und wieviel er will, bei meiner Freiheit, saubere Luft zu atmen, aufhört. Da stimme ich doch Kant und seinem "kategorischen Imperativ" voll zu, der da sagt, dass keiner dem anderen etwas zumuten darf, was er nicht selbst erleiden will.

Und auch das finanzielle Argument sticht hier: Wieso muss die Allgemeinheit im Rahmen der Gesundheitsfürsorge für Krebskranke oder Patienten mit klassischen "Raucherbein" zahlen, die mit Wissen um die mögliche Folgen fleißig geraucht haben?

Also: Ja zum Nichtraucherschutz. Außerdem ist fast ganz Europa dabei.

Sigrid Knothe (Oberbayerisches Volksblatt)

Ich stimme mit "Nein"

Das Leben in einer Wohlstandsgesellschaft wie der unseren ist toll. Verbeamtete Bürokratie schreibt Jugendlichen vor, ab welchem Alter sie ein Sonnenstudio besuchen dürfen. Eine Versicherungspflicht für Luftfahrzeuge sorgt dafür, dass ausgelassene Kinder im Herbst ihre Drachen nicht zu wild steigen lassen.

Und nun soll also Vater Staat dafür sorgen, dass wir uns nicht ungehindert dem Nikotin aussetzen - entweder aktiv, indem wir bewusst in einem öffentlichen Raum zum Glimmstängel greifen, oder passiv, indem wir einen Ort aufsuchen, an dem sich Raucher aufhalten.

"Wir sind von Bürokratie umzingelt, wir können kaum noch atmen", sagte einmal ein weiser Staatsmann. Schöner könnte man es nicht formulieren. Denn was die wohlmeinenden Gesundheitsschützer in ihrem Übereifer vergessen: Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen. Er weiß, was er will und was für ihn gut ist. Seit Jahren geht der Trend in Deutschland hin zu mehr Gesundheitsbewusstsein, die Zahl der Raucher sinkt stetig. Was also soll ein Gesetz daran ändern?

Man erinnere sich: Als in den 1920er Jahren in den USA die Prohibition regierte, wurde dadurch nicht weniger Alkohol getrunken. Das Problem des Alkoholkonsums ließ sich nicht per Gesetz lösen, sondern nur durch die Vernunft der Menschen. Und wenn der Staat schon meint, in das Verhalten seiner Bürger eingreifen zu müssen, warum tut er es nicht durch Erhöhung der Tabaksteuer?

Der berühmte Marlboro-Mann stand jahrelang für die Freiheit des Zigaretten-Rauchens. Die Werbung ist heute aktueller denn je.

Stefanie Zipfer (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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