Sepp Daxenberger ist tot

Traunstein - Wenige Stunden vor der Beerdigung seiner Frau ist  Sepp Daxenberger gestorben. Der Grünen-Politiker erlag in der Nacht im Krankenhaus von Traunstein im Alter von 48 Jahren seinem Krebsleiden.

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Krebs: Daxenberger gibt Amt auf

Daxenberger, einer der bekanntesten und beliebtesten bayerischen Grünen, starb drei Tage nach dem Krebs-Tod seiner Frau Gertraud. Das sagte Landtags-Fraktionschefin Margarete Bause. Das Paar hinterlässt drei Söhne: Felix (20), Kilian (17) und Benedikt (12). Nicht nur bei den Grünen, sondern auch bei den anderen Parteien und in Daxenbergers Heimatort Waging herrschte tiefe Trauer über das Schicksal der Familie. “Das ist eine Tragödie, die sprachlos macht“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Die Beerdigung von Gertraud Daxenberger fand am Mittwoch wie geplant statt. Sepp Daxenberger wird am Samstag in Waging beerdigt. Pater Paulo Kunrath aus Brasilien wird die Trauerfeier leiten. Der frühere Landtags-Fraktionschef litt seit 2003 an einem Plasmozytom, einem bösartigen und aggressiven Tumor, der hauptsächlich das Knochenmark befällt. In den vergangenen Monaten hatte sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert. Im Juni trat er wegen seiner Krankheit vom Fraktionsvorsitz zurück, kurz darauf erlitt er einen Schlaganfall.

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Sepp Daxenberger: Seine Karriere in Bildern

Daxenberger wehrte sich mit aller Kraft gegen den nahenden Tod - eigentlich wollte er auch nach seinem Rückzug von der Fraktionsspitze im Landtag aktiv bleiben und sich um kommunale Themen kümmern. Doch war er nur noch einmal stark genug, an einer Fraktionssitzung teilzunehmen. Die letzte Therapie war “sehr schmerzhaft, sehr anstrengend, aber nicht erfolgreich, zumindest nicht von Dauer“, sagte er bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte im Münchner Maximilianeum.

Die Grünen beriefen eine kurze Pressekonferenz zu Daxenbergers Tod ein, aber die Landesvorsitzende Theresa Schopper und die parlamentarische Geschäftsführerin Ulrike Gote waren zu traurig, um viele Worte zu machen. “Wir hoffen, dass die Kinder die Kraft haben, mit diesem Schicksalsschlag fertig zu werden“, sagte Gote. “Er war einfach ein guter Freund“, sagte Schopper und brach in Tränen aus.

Der gelernte Schmied und Bio-Bauer Daxenberger war im Landtag wegen seiner freundlichen und offenen Art über die Parteigrenzen hinaus sehr beliebt. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Todesnachricht traf eine Woge von Beileidsbekundungen bei den Grünen ein. “Ich habe den Mensch Sepp Daxenberger sehr gemocht und den Politiker außerordentlich geschätzt“, sagte Seehofer.

Kondolenz:

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In der letzten Phase seiner Erkrankung war Daxenberger auch für seine Parteifreunde nicht mehr zu sprechen und lag auf der Palliativstation des Traunsteiner Krankenhauses. “Es war kein Kontakt und kein Besuch mehr möglich“, sagte Bause. “Es ist entsetzlich. Vielleicht hat er keine Kraft mehr gehabt, zu kämpfen.“ Daxenberger soll am Samstag auf dem Friedhof von Waging beigesetzt werden. Die Grünen wollen außerdem zwei Kondolenzbücher im Landtag und in der Münchner Landesgeschäftsstelle auslegen.

Auch in Daxenbergers oberbayerischem Heimatort Waging herrscht tiefe Betroffenheit. Der Waginger Bürgermeister Herbert Häusl: „Ich habe viele Jahre als zweiter Bürgermeister mit dem Sepp zusammengearbeitet, da entsteht auch eine Freundschaft - mich hat die Nachricht sehr erschüttert. Ich habe gewusst, dass es ihm sehr schlecht geht – aber er hat sich immer wieder aufgerappelt, ich dachte er schafft es wieder.“ Häusl wurde erster Bürgermeister der Gemeinde, nachdem sich Daxenberger 2008 von diesem Amt zurückgezogen hatte. Zuvor war er dessen Stellvertreter gewesen.

Daxenberger, Biobauer und erster grüner Bürgermeister in Bayern, kämpfte seit sieben Jahren gegen den Krebs. Im Juni war er deshalb vom Fraktionsvorsitz zurückgetreten, kurz darauf erlitt er einen Schlaganfall. Die letzte Therapie war “sehr schmerzhaft, sehr anstrengend, aber nicht erfolgreich, zumindest nicht von Dauer“, sagte er damals. “Ich habe die letzten Monate oft ein sehr schlechtes Gewissen gehabt“ - weil er viele Termine nicht mehr wahrnehmen konnte.

Ein Kämpfer gibt nicht auf

Die Liste der Erfolge von Sepp Daxenberger (47) ist lang: erster grüner Bürgermeister in Bayern, erster grüner Landeschef, Fraktionsvorsitzender im Landtag. Der dreifache Familienvater war gelernter Landwirt und Schmied. Einer, der meint was er sagt und lebt, wofür er steht. Nach der Krebsdiagnose Ende 2003 und Chemotherapien schien die Krankheit im Griff. Im Jahr 2006 erlitt der grüne Vorzeige-Politiker dann einen Rückfall. In Interviews betont Daxenberger stets, wie wichtig ihm die Politik ist. Die Arbeit gebe ihm Selbstbestätigung und Selbstvertrauen und sei – ­neben seiner Familie – der Grund, nicht aufzugeben.

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