Homosexualität auf dem Land:

"Lasst die Leute leben, wie sie sind!"

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Homosexualität auf dem Land: Toleranz oder "ewig-gestrige" Sichtweise?
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Großkarolinenfeld - Was in den Medien und auch in weiten Teilen der Bevölkerung in Ordnung ist, sorgt mancherorts noch immer für Aufregung, ja sogar offene Anfeindungen - Homosexualität:

Seit rund neun Monaten lebt Holger (Name von der Redaktion geändert) mit seinem Lebensgefährten nun schon in Großkarolinenfeld. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kolbermoor hatten sich die beiden ursprünglich aus Baden-Württemberg stammenden Männer bewusst für das Landleben in der knapp 7.000-Seelen-Gemeinde entschieden. Beide arbeiten tagsüber in München und verbringen die Abende und Wochenenden in der Gemeinde. Dass die beiden Männer ein Paar sind, hat bisher niemanden ernsthaft gestört. Bis vor knapp vier Wochen:

Woher kommt der Hass gegen Homosexuelle?

"Eines Morgens haben wir Schmierereien auf unserer Mülltonne und dem Briefkasten entdeckt: "Raus aus Karolinenfeld ihr scheiß schwulen Schweine" und noch andere Sachen waren da zu lesen", berichtet Holger im Gespräch mit rosenheim24.de. "Bei dem ersten Vorfall, haben wir gelacht und sagten: Naja wir fühlen uns nicht angesprochen und was auf der Mülltonne steht, das ist auch Müll", berichtet Holger weiter.

Kurzerhand hatte er die Schmierereien entfernt, nur um wenig später festzustellen, dass neue Parolen an seinem Eigentum auftauchten. Ein Prozess, der sich nun mittlerweile seit vier Wochen wiederholt.

Sachbeschädigung, Beleidigung oder auch Nachstellung: Wiederholte Schmierereien in Großkarolinenfeld 

"Wir wissen nicht woher das kommt. Wir verstehen nicht, wie man in der heutigen Zeit noch so einen Hass auf homosexuelle Menschen haben kann. Mein Partner und ich zeigen in der Öffentlichkeit nicht einmal, dass wir ein Paar sind, da uns bewusst ist, dass die Gesellschaft manchmal etwas hinterher ist" zeigt sich Holger fassungslos und gleichzeitig verängstigt.  

Auch auf offener Straße sei es im Folgenden zu Anfeindungen und Beschimpfungen gekommen. "Haben nicht homosexuelle Menschen genauso ein Recht auf Freiheit wie alle anderen Menschen auch? Lasst doch die Leute leben, wie sie sind," drückt Holger sein Unverständnis gegenüber den Schmierfinken und Schreihälsen aus. Mittlerweile haben Holger und sein Partner Anzeige bei der Polizei erstattet, gegen Unbekannt.

Beleidigung, Sachbeschädigung und Nachstellung

Christian Langenmair, Pressesprecher am Polizeipräsidium in Rosenheim, sieht in diesem Fall gleich mehrere, mögliche Tatbestände erfüllt. Neben Beleidigung und Sachbeschädigung, käme unter Umstanden im geschilderten Fall auch eine Nachstellung, umgangssprachlich auch "Stalking" genannt, in Frage. "In erster Linie ist hier eine regelmäßige Bestreifung der Örtlichkeit ein sehr guter Ansatz und das Mittel der Wahl für die Kollegen vor Ort", erklärt Langenmair. Neben den polizeilichen Maßnahmen könnten die Opfer von Nachstellungen jedoch auch selbst bereits tätig werden: "Dazu ist es ganz wichtig zu wissen, wie die Nachstellung passiert. Erfolgt sie beispielsweise über Telefon, lege ich mir eine neue Nummer zu, " so der Pressesprecher pragmatisch.

Im geschilderten Fall rät er dem Paar, sich mit elektronischen Mitteln zu behelfen. "Mit einer Überwachungskamera ließe sich die Situation möglicherweise gut in den Griff kriegen." Langenmair spricht dabei von zwei Möglichkeiten: Entweder direkt im Sichtfeld zur Abschreckung oder um die Schmierfinken auf frischer Tat zu ertappen. Doch Vorsicht: "Dabei darf die Straße oder andere öffentliche Bereiche nicht zu sehen sein. Lediglich der eigene Hof oder die Einfahrt darf aufgezeichnet werden", so der Pressesprecher, wenn das Material an Dritte weitergegeben werden soll. 

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Quelle: rosenheim24.de

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